Er nennt ihn nicht einmal beim Namen. Aber seine Vorwürfe sind konkret. So unzufrieden mit der Politik von Bundeskanzler Friedrich Merz ist wahrscheinlich derzeit kein anderer Abgeordneter aus der Unionsfraktion im Bundestag. Scheinbar geht es in seinem Buch „nur“ um die Wehrtüchtigkeit Deutschlands und seine derzeit eigentlich nicht zu fassende Rolle innerhalb des europäischen Verteidigungsbündnisses. Aber dahinter spürt man, wie ermüdend eine Politik ist, die Abend für Abend in Talkshows zerredet wird.

Und zwar so zerredet, dass sich selbst Minister und Bundeskanzler nicht mehr zu trauen scheinen, die Dinge beim Namen zu nennen und transparente Entscheidungen zu treffen. Alles scheint auf einen unsichtbaren Unmut zugeschnitten, der die Gesellschaft durchwabert.

Probleme bleiben ungelöst. Erwartungen werden enttäuscht. Und am Ende sorgen Zögern, Zaudern und Verweigern dafür, dass die Probleme immer größer werden. So wie in der Verteidigungspolitik.

Da kennt sich der CDU-Bundestagabgeordnete Roderich Kiesewetter aus, der seine Karriere als Offizier bei der Bundeswehr gemacht hat und auch die Zeiten selbst erlebt hat, als die Bundeswehr in einen viel zu unausreichend ausgestatteten Einsatz in Afghanistan geschickt wurde.

Einerseits ist es etwas Postives, dass die Deutschen nach dem von ihnen angezettelten Zweiten Weltkrieg mehrheitlich zu Pazifisten wurden. Frieden und Wohlstand sind seit Jahrzehnten das Normale. Kiesewetter spricht von einer „postheroischen Gesellschaft“.

Wenn Freiheit als Schwäche erscheint

Aber es gibt da ein Problem. Eigentlich nicht nur eins. Es lautet CRINK und fasst jene autoritären Regime zusammen, die seit einigen Jahren massiv versuchen, die Weltpolitik in ihrem Sinne zu beeinflussen und die Machtverhältnisse weltweit zu verschieben – durch Drohung, Einmischung, das Unterstützen von Terrororganisationen und auch durch Krieg.

Die jüngere russische Geschichte unter Wladimir Putin ist eine Geschichte der Kriege. Und mit dem Angriff auf die Ukraine hat Putin den Krieg mitten nach Europa getragen. Überzeugt davon, dass die Ukrainer binnen drei Tagen erledigt wären und die Europäer – wieder – nichts tun würden. Wie in Syrien. Wie in Georgien. Wie schon 2014, als auch die Deutschen wieder nur nach Verhandlungen riefen.

Ergebnis waren die beiden Abkommen Minsk I und Minsk II. Beide längst Makulatur, denn von Verträgen und Friedensgesprächen hält der russische Präsident nichts.

Kiesewetter versucht in seinem Buch auch die Denkweise ein wenig zu skizzieren, die hinter dem Agieren des russischen Präsidenten steht. Aber wenn etwas dabei deutlich wird, dann die simple Tatsache, dass Putin von Regelwerken, Abkommen und Völkerrecht nichts hält. Er ist ein Zocker, der nur eins ernst nimmt: klare Ansagen und echte Stärke.

Auch deshalb verachtet er den Westen, dessen Demokratie und dessen Freiheit. Das alles ist für den Autokraten im Kreml nichts als Verweichlichung und Schwäche. Auch deshalb testet er seit Jahren die NATO aus – ob mit Jagdflugzeugen über der Ostsee, mit zerstörten Kabeln, mit Sabotage und Drohnen auch im Hinterland. Nicht zu vergessen den Propagandakrieg, den er in den „Social Media“ führen lässt, unterstützt von Parteien, die russische Sichtweisen mitten in die deutsche Politik hineintragen und ihre Wähler verängstigen.

Im hybriden Krieg

Dabei ist es nicht so, dass die Aggressivität des Kremls nicht wahrgenommen wird. Gerade die Staaten, die sich dadurch direkt bedroht fühlen, weil sie beim nächsten Schritt – falls die Ukraine verlieren sollte – die nächsten wären. Und das sind nicht nur Polen, Moldau und die baltischen Staaten. Das sind auch Finnland und Schweden.

Sie haben nicht nur aufgerüstet und viel mehr Geld in eine Vorbereitung auf den Ernstfall gesteckt. Sie lassen sich auch von der Propaganda des Kremls nicht einschüchtern. Und sie wundern sich nur, wie die deutschen Bundeskanzler herumeiern, zögern und den Kopf einziehen.

Und das ganz offensichtlich aus einer irrationalen Angst vor dem Wähler, vor Wahlniederlagen und Mandatsverlusten. Demokratien setzen lieber auf Verhandlungen, stellt Kiesewetter fest. Das funktioniert auch. Aber nur, solange sich alle an die Regeln halten. Nur hält sich ein Putin nicht an die Regeln des Völkerrechts. Sie sind ihm egal.

Ihm geht es nur um die Machterhaltung und die Wiederherstellung des alten russischen Imperiums. Und um eine Schwächung Europas. In diesem Sinn erzählt Kiesewetter in diesem Buch nichts Neues. Aber ihm geht es wie dem langjährigen Bundestagsabgeordneten der SPD Michael Roth: Er fühlt sich in seiner Fraktion ins Abseits gedrängt. Wie ein Schwarzes Schaf, das es wagt, öffentlich Dinge auszusprechen, um die sich alle anderen tunlichst herumdrücken.

Nur ja keine klaren Worte, scheint heute die Devise. Nur ja nicht aussprechen, dass sich auch Deutschland längst im hybriden Krieg befindet. Ungewollt. Deutschland hat niemanden angegriffen. Aber russische Hacker greifen permanent deutsche Infrastrukturen an, testen die kritischen Infrastrukturen (KRITIS) aus.

Gleichzeitig liegt die Seele der deutschen Gesellschaft vor ihnen wie ein offenes Buch: Jedes Detail, jede Äußerung wird in TV, klassischen Medien und „Social Media“ rauf und runter diskutiert. Und am Ende zerredet.

Wenn „Friedensverhandlungen“ zur Farce werden

Dass das fatale Folgen hat, weiß Kiesewetter, der auch auf dutzenden Podien in Ostdeutschland diskutiert hat und zwar oft genug jede Menge Gegenwind bekam, aber auch merkte, dass die Zuhörer klare Worte und Analysen goutieren. Denn die bekommen sie von ihren Regierungen nicht. Im Gegenteil: Gerade der sächsische Ministerpräsident befleißigt sich, immer wieder die Narrative des Kremls zu bedienen. Und damit auch die Wähler der CDU immer wieder zu verunsichern.

Obwohl alle Berichte über all die unzähligen „Friedensverhandlungen“ seit 2022 gezeigt haben: Putins Unterhändler rühren sich keinen Millimeter, bringen immer wieder dieselben Maximalforderungen vor und haben an einem Frieden oder gar einem Abzug der russischen Truppen aus der Ukraine überhaupt kein Interesse.

Sie spielen Poker. Und zwar unter Bedingungen, bei denen sie die ganze Zeit in das Blatt des Gegners schauen können. Der sich in endlosen Debatten zerfetzt, wie man der Ukraine helfen kann oder lieber doch nicht. Und das Spiel des amerikanischen Präsidenten, der immer wieder vor Putins Forderungen eingeknickt ist, macht es nicht besser.

Längst ist klar, dass Europa lernen muss, sich allein zu verteidigen, weil die Amerikaner ihre Aufmerksamkeit lieber auf Iran und China konzentrieren. Zwei von den anderen CRINK-Staaten, die mit dem Säbel rasseln.

Europa interessiert den amerikanischen Präsidenten derzeit nicht die Bohne. Auch wenn ihm die europäischen Staatsmänner Woche für Woche ein Stelldichein geben. Das heißt aber auch: Die Zeiten, dass sich die Europäer auf den amerikanischen Schutzschirm verlassen konnten, sind vorbei. Sie müssen ihre Verteidigungsfähigkeit selbst aufbauen. Und da fängt das Schlamassel an, weil Länder wie Deutschland einfach nicht mitmachen.

Kiesewetter kennt den Zustand der Bundeswehr, ihre Bedarfe und das, was eigentlich an die Strukturen verändert werden müsste, damit Deutschland wieder wehrhaft wird. „Kriegstüchtig“, wie es Verteidigungsminister Boris Pistorius in einem Moment der Ehrlichkeit gesagt hat. Und damit die Fernsehzuschauer und Moderatoren so erschreckt hat, dass er ganz schnell zurückgerudert ist.

Obwohl genau das zur Abschreckung gehört, wie Kiesewetter ebenfalls erklärt. Ein Putin versteht nur Stärke und Abschreckung. Auch deshalb lässt er immer wieder die NATO austesten. Er will wissen, ob er mit Gegenwehr zu rechnen hat, wenn er ein baltisches Land angreift oder in Finnland die Grenze überschreitet.

Zögern, zaudern, trödeln

Wobei Kiesewetter eine Befürchtung immer wieder betont: Dass Putin so einen ernsthaften Test noch vor 2029 starten könnte. Im Buch hat er einige der in der NATO ernsthaft diskutierten Szenarien aufgezeichnet, wie das passieren könnte. Und wie schnell dann auch die Frage im Raum steht, ob die Bundeswehr reagiert oder nicht. Oder ob sie überhaupt adäquat reagieren kann. Denn ihr aktueller materieller Zustand spricht nicht wirklich dafür.

Die seit 1990 eingesparte „Friedensdividende“ hat ihre Spuren hinterlassen. In der Ausrüstung der Bundeswehr und auch im Denken der Deutschen, die so gern in Frieden leben möchten und von ihren Werten reden. Aber den nächsten Schritt nicht tun: Die Gefahr eines aggressiven Autokraten im Osten so ernst zu nehmen, dass sie sich wieder um eine ernsthafte Verteidigung bemühen.

Und – wie Kiesewetter berechtigt betont – um ihre Rolle in der „Koalition der Willigen“, die sich tatsächlich darauf vorbereiten, auf mögliche russische Angriffe zu reagieren.

Als Deutschland beim möglichen Verkauf von Leopard 2 an Polen monatelang herumeierte, gab Polen seine Panzerbestellung eben in Südkorea auf. Es geht auch um den Faktor Zeit, wie Kiesewetter betont. Zeit, die Europa im Verhältnis zur Ukraine immer wieder vertrödelt hat. Auch nach dem russischen Großangriff vom Februar 2022. Lieber eiert man auf der durch russische Propaganda bestärkten These herum, Putin könnte wütend werden, wenn Europa die Ukraine mit Waffen beliefert und dabei all die „roten Linien“ überschreitet, die der Kreml-Herrscher quasi im Wochentakt erklärt, während er den Krieg gegen die Ukraine ungemindert fortsetzt.

Aus all den roten Linien könnte er sich längst einen roten Teppich knüpfen, stellt Kiesewetter fest.

Ende der Illusionen

Kiesewetter weiß sehr wohl, dass die Wiederherstellung einer wehrhaften Bundeswehr, die auch moderne Waffensysteme, wie sie in der Ukraine zur Anwendung kommen, integriert, Geld kostet, Verzicht. Ein Ende der Bequemlichkeit. Ein Ende auch der Illusion vom „Ende der Geschichte“, die nach der Auflösung des Ostblocks jahrelang die Diskussion bestimmte und Illusionen erzeugte, jetzt könnte man endlich abrüsten und Geld sparen.

Aber das funktioniert nicht in einer Welt, in der autoritäre Staaten mit der aggressiven Politik der Vergangenheit ihre Interessen durchzusetzen versuchen. Und Russland hat sich unter Putin wieder in genau so einen Staat verwandelt. In der Welt eines Putins zählt nur Stärke und Einschüchterung. Weshalb er auch Deutschland nicht ernst nimmt.

Aber Kiesewetters Begegnungen mit ostdeutschen Veranstaltungsteilnehmern hat ihn auch in einer Erkenntnis bestätigt: Eigentlich sehnen sie sich alle nach klaren Ansagen. Die sie von der Politik nicht bekommen.

„Wenn jedoch politische Führungskräfte selber Nebelkerzen streuen, sich widersprechen oder Haltungsänderungen wie bei der Nicht-Lieferung von Taurus unzureichend begründen und kommunizieren, führt dies nachweislich zur Polemisierung und Spaltung der Gesellschaft und zum Glaubwürdigkeitsverlust dieser Personen“, analysiert Roderich diesen Zustand unserer gegenwärtigen politischen Kommunikation.

„Es schwächt zugleich den innerparteilichen Rückhalt, den Führungspersonen brauchen. Unerklärte Wenden, zunehmende Haltlosigkeit führen in der Gesellschaft zu Orientierungslosigkeit.“

Und das ist nicht nur auf Olaf Scholz gemünzt, der nach seiner beachtlichen „Zeitenwende“-Rede wieder in Herumeierei und Zögerlichkeit verfiel. Das gilt auch für den aktuellen Bundeskanzler, der ebenfalls jede Menge redet, aber aus Kiesewetters Perspektive einfach nicht liefert. Eine klare Kante in Bezug auf Ukraine und Verteidigungsfähigkeit? Fehlanzeige.

Emotionalisierung und Polemisierung wachsen

„Politische Kommunikation, die Überzeugungskraft entfalten will für unbequeme Maßnahmen oder gesellschaftliche Zumutungen, baut auf Vertrauen, Reflexion und Wahrhaftigkeit“, schreibt Kiesewetter. Nur findet er das aktuell auch in seiner Partei nicht. Wie gesagt: Er nennt den Namen kein einziges Mal, aber man merkt, wen er meint, wenn er schreibt: „Mittelmäßigkeit schleicht sich ein, keine Churchill-Rede, keine Zeitenwende-Rede. Stattdessen schleichen sich immer mehr der kognitive Krieg und hybride Beeinflussungen in unsere Diskussionen. Emotionalisierung und Polemisierung wachsen.“

Er geht nach Schweden und Finnland, um deutlich zu machen, wie sehr eine realistische Politik auf klare Ansagen angewiesen ist. Und die müssen nun einmal von den regierenden Politikern kommen. Die Wähler wollen nicht immer nur umschwafelt werden. Sie wollen erklärt bekommen, warum politische Entscheidungen fallen und wie sicher Deutschland tatsächlich ist.

Und was das Land tun muss, um sich und unser aller Freiheit im Ernstfall verteidigen zu können. Ein Ernstfall, der bestenfalls nie eintritt, weil die Abschreckung tatsächlich funktioniert.

Man erfährt mit Roderich Kiesewetter ein Stück weit, wie Militärs diese Lage einschätzen. Und was Kiesewetter für notwendig hält, damit Deutschland tatsächlich wieder wehrhaft wird. Immer mit dem engen Zeithorizont, den er skizziert.

Aber er betont auch etwas, was in den deutschen Diskussionen immer wieder untergeht: dass die Ukraine aktuell die vorderste Front der europäischen Demokratie ist. Deren tapferer Widerstand verhindert bislang, dass Putin sich andere Ziele vorknöpfen kann. Und das Beste, was Europa tun kann – neben der Unterstützung der Ukraine – ist deren Aufnahme in EU und NATO.

Aus Putins Perspektive eine absolute Provokation. Aber aus der Perspektive Europas ein Schritt zur eigenen Sicherheit. Und Deutschland kann sich allein schon aufgrund seiner Größe nicht zurücknehmen und so tun, als müssten nur die anderen die Kastanien aus dem Feuer holen. Oder ständig zu Bettelgängen nach Washington fliegen, damit uns die Amerikaner nicht alleinlassen.

Wer verteidigt unsere Werte?

Kiesewetter ist nicht der Erste, der betont, dass sich Deutschlands Rolle dringend ändern muss in Europa und Europa lernen muss, sich gegen einen aggressiven Autokraten im Osten zu wappnen. Denn die ständigen Rufe nach Verhandlungen bringen keinen Frieden. Manchmal erwarten Wähler einfach nur klare Worte und ehrliche Begründungen. Und fühlen sich ziemlich veräppelt, wenn sie stattdessen immer nur Talkshow-Gerede bekommen.

Roderich Kiesewetter wird da sehr deutlich: „Deutschland wird keine freiheitlich-demokratische Republik bleiben, wie wir sie kennen, wenn Russlands fortgesetzte Angriffe erfolgreich sind und die Koalition der Willigen mangels deutschen Commitments scheitern sollte.“

Das ist ein richtig saurer Apfel. Aber gerade damit erinnert Kiesewetter an etwas, was in der politischen Diskussion in Deutschland zur Mangelware geworden ist: „klare Kommunikation“. Und Haltung. Man kann jeden Tag über „unsere Werte“ schwatzen. Aber wer verteidigt diese Werte und mit welchem Aufwand?

Und mit welchen Partnern, könnte man hinzufügen. Denn nicht alles muss Deutschland selbst bereitstellen. Nur merkt man in Kiesewetters Buch eben auch, wie sehr die Debatte um eine echte europäische Verteidigungsgemeinschaft fehlt. Und die Abstimmung unter den Nachbarn, die alle im selben Boot sitzen.

„Welches Land wollen wir sein?“, fragt Kiesewetter ganz am Schluss. Und antwortet auch selbst: „Wir müssen wieder lernen, unsere Freiheit und Werte zu verteidigen. Nicht nur, weil wir es können, sondern weil wir es wollen.“

Ein Buch zum Nachdenken darüber, wie wehrhaft eigentlich Demokratie sein muss. Und wie man einem Aggressor Grenzen setzt, die er respektieren muss, damit Frieden und Freiheit tatsächlich bewahrt werden. Es ist ein sehr konsequenter Ansatz, das Thema zu durchdenken. Nicht sehr gemütlich und angenehm.

Aber es ist eben auch Klarheit, die dafür sorgt, ob Politiker noch erkennbar sind oder in ihrem Herumgerede verwechselbar, ohne dass man als Wähler weiß, wofür sie nun wirklich stehen.

Roderich Kiesewetter „Was wollen wir? Was können wir?“, Econ, Berlin 2026, 25 Euro.

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Es gibt 16 Kommentare

Alter Verwalter. Bezeichnend für Ihre Weltsicht, Hearst, von Eskalation zu sprechen, wenn die Ukraine sich meiner Meinung nach wehren sollte und das auch tut. Das ihr Trolle da sauer seid: geschenkt!
Sie vergessen immer eins: Wer den Krieg anfängt, ist verantwortlich.
Da können Sie noch so schwafeln, wie Sie wollen.
Ihre “Hochbetagten” (Sie sicherlich inkludiert) können Sie behalten, die ganzen Gerontokraten haben uns schließlich den ganzen Mist eingebrockt.
Wäre mal ne Idee: Alle über 70, die so gern auf die faule Jugend schimpfen und den Krieg ja so Klasse finden: an die Front zum Verheizen. Würde direkt mehrere Probleme lösen.

Mein Ansatz zur Diplomatie ist grundeinfach: mit Sicherheit gibt es weiterhin Reste von gegenseitigem Vertrauen, nicht zuletzt gab und gibt es dann und wann Austauschaktionen von Kriegsgefangenen. Nur aus solchen Resten von Vertrauen kann überhaupt ein Prozeß von Wiederverständigung erwachsen. Wodurch könnte der begünstigt werden? Durch externe Bürgen. Und durch folgende logische Abgrenzung: die Kriegslage realistisch zu bewerten heißt nicht, das dahin geführt habende kriegerische Vorgehen gutzuheißen. Denn sonst eröffnet sich niemals ein Weg zu einem Ende des Schreckens.

Привіт Thomas_2, man kann die Rechtschreibung beherrschen und trotzdem substanzloses Zeug schreiben. Nach ihrer Logik würde der russ. Präsident dann große Teile der Welt überfallen, ist aber gar nicht so, oder? Warum die seit Jahren hochgerüstete und nicht ganz so friedliche Ukraine nicht wehrhaft sein sollte, erklärt sich auch nicht. Dem russ. Präsident wäre man freundlich gewogen, wenn er endlich den leckeren Vodi rausrückt, macht der aber nich. Vielleicht merken Sie mit ihren Eskalationshoffnungen irgendwann wohin das führt und irgendein Hochbetagter erklärt ihnen das auch anschaulich (bei der Grünen Jugend wird das eher nix). Ganz schön LOL mit den Toten, bravo.

Man kann wehrhaft und dennoch friedlich sein, Hearst.
Weil genau sonst ihr Freund Putin das als Aufforderung sieht, einen zu überfallen.
Ich hoffe, dass die Ukraine noch viel mehr Schaden auf russischem Boden anrichtet, vielleicht merkt es dann die Bevölkerung dort und stürzt endlich den Zaren.
Ist halt Pech, wenn man mein, ein Land angreifen zu müssen. Das wird sich dann vielleicht wehren.
Sie sind mir echt einer. LOL

Na wenn Deutschland nicht wehrhaft wäre, könnten gar nicht so viele Menschen auf der Welt mit deutschen Waffen / Logistik ermordet werden. Also wollen wir uns mal schön an das Friedensgebot der Verfassung halten. Wir können laut fake news Verbreiter R. Kiesewetter aber auch anders, z.B. Spannungsfall ausrufen, Rußland via UA mit Taurus beschießen, um Platzhalter – irgendwas mit Demokratie – und um die Lithium Versorgung zu sichern. Stellvertreterkrieg mit zig Toten seit 2014, eskalierend nach wie vor.

Auch ich, werter Urs, kann Ihrem Satz „Und alle ausgebrochenen Kriege sind die Folge des Versagens von Diplomatie“ nicht zustimmen und sehe dies wie Sebastian.

Zustimmung finde ich allerdings bei Ihnen in der Einschätzung, dass es absurd und rückwärtsgewandt ist, bereits gemachte Fehler – aus denen man gelernt haben sollte, immer wieder neu zu begehen. Das kann auch ich nicht verstehen.

Auch wenn ich selbst keine Atomwaffen besitzen oder einsetzen wollte, bin ich dankbar, dass wir Teil eines entsprechenden Schutzschirms sind. Gerade dann, wenn unbelehrbare autokratische Akteure, die Diplomatie zudem ins Lächerliche ziehen, wie etwa Putin, bewusst einen anderen Weg einschlagen, der unserem Wunsch nach friedlicher Koexistenz widerspricht.

Diplomatie gehört zweifellos zum unverzichtbaren Standardrepertoire politischer Mittel. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Welches Instrument bleibt, wenn der Gegner mit Arglist und schwerem militärischem Gerät nicht nur droht, sondern, wie im Fall der Ukraine, die Grenze tatsächlich überschreitet?

Ich brauche auch keine Atombombe. Ich brauche nur die Sicherheit, dass ich in Ruhe gelassen werde und der Typ hinterm Zaun auch ungefähr da bleibt. Denn jedes Stück Metall, dass zu militärischem Zweck aus der Erde geholt wurde, ist schon ein sinnloses Stück Altmetall im Moment des Bergbaus, was nur Geld kostet. Es kann nichts wirklich sinnvolles, erbauliches damit angestellt werden, es wird im Laufe seines Lebens bis zu “Verschrottung” immer ein dumpfes und zweckarmes Stahlding bleiben. Egal ob Rakete, Mine oder Patrone.
Aber die Diplomatie, die Sie und ich uns wünschen, holt keine Drohne weg von unserer Infrastruktur, sie holt auch keine Erkundigungen vom Einsatzzustand der anderen Armeen ein, und vor allem hat sie rein gar nichts gebracht beim Ukrainekrieg. Frau Merkel war über Jahre bei Putin, und hat sich noch mit seinem Hund öffentlich vorführen lassen müssen, andere Politiker auch, sogar Joe Kaeser als Wirtschaftler hat sich bemüht. Ihr wurde der Vorwurf gemacht, zu russlandfreundlich zu sein und nicht auf die Warnungen zu hören.
Wegen mir könnten wir sofort wieder damit beginnen, von Russland Öl und Gas zu kaufen, und würden hier sowohl Preise als auch Gemüter beruhigen, wenn denn damit dieser Scheiss Krieg endlich aufhörte. Wirklich gern! Aber ich habe leider, bezüglich Russland, keinerlei Hoffnung mehr in das Prinzip “Wer handelt, bekriegt sich nicht”. Und selbst die Spitzenvertreter Ihrer Meinung, lieber Urs, wie Frau Wagenknecht oder Frau Schwarzer, sind aus meiner Sicht sehr unkonkret, was die Umsetzung des “Prinzips Diplomatie” betrifft. Außer “gebt Russland das Land, was sie wollen” kommt da nicht viel. Was ist Ihr konkreter Ansatz der Diplomatie in diesem Fall?

In jedem Falle führt die Wehrhaftigkeitslogik zu keinerlei Eutopie. Und erbringt jede Menge allerbester Gründe für Nuklearwaffen hie wie da. Ich für meinen Teil lehne jegliche Aktivitäten für die Beschaffung von Atombomben für die Bundeswehr ab, strikt!

Und alle ausgebrochenen Kriege sind die Folge des Versagens von Diplomatie. Klingt besserwisserisch, trifft aber zu. Rüstungskontrolle ging einstmals nur durch Vertrauensvorschuß. Wieso eigentlich müssen die bitteren Lehren, die unsere Vorfahren gemacht hatten und die etwa 1975 nach Helsinki geführt hatten, wieder von vorn gemacht werden?

Roderich Kiesewetter ist ein grotesker und gefährlicher Vertreter der wehrpolitischen Eiferer in Mitteleuropa. Kennt die Öffentlichkeit eigentlich weitere solche Eiferer, die als hohe Offiziere aus der Bundeswehr in die Politik gelangt sind? Mir fällt niemand ein. Denn in der Bundeswehr gibt es weiterhin vorwiegend klarsehende Offiziere: die um die Untauglichkeit des Ersatzes von Diplomatie durch Waffenstarren und Säbelrasseln wissen, die vielleicht durch ihre Afghanistan-Ausflüge nicht mehr vom Glas loskommen, etc. pp. Kiesewetter war Gerüchten zufolge bereits zu Zeiten seines aktiven Militärdienstes in der Bundeswehr, sagen wir, aufgefallen. Daran konnte er anknüpfen.

“Am besten gefiele mir tatsächlich eine Raketenabwehr á la Israel, ergänzt um Drohnenabwehr.”

Die Feinde Israels bauen doch schon jetzt an einem System, das so gefährlich ist, dass es diese Abwehr überwindet, so dass Israel ein noch besseres Abwehrsystem bauen muss und der Feind noch mehr aufrüstet. So geht das seit … schaut auf seinen Zettel … 6000(?) Jahren. Und ist der Grund dafür, dass wir so tolle Waffen haben und so schlecht miteinander reden können.

Solche Leute wie Putin verstehen nur eins – Stärke. Diplomatie wird als Schwäche ausgelegt.
Ich bin prinzipiell gegen Aufrüstung, denn jede Waffe wird auch potentiell benutzt werden, zudem könnten die Ressourcen besser verwendet werden. Allerdings bin ich auch pragmatisch und sehe ein, dass wir eine Abschreckung brauchen. Am besten gefiele mir tatsächlich eine Raketenabwehr á la Israel, ergänzt um Drohnenabwehr.

Angesichts dessen, was der Ukraine mit ihrer “Un-wehrhaftigkeit” zugestoßen ist, finde ich Ihre eindimensional dystopische Darstellung wenig nachvollziehbar. Auch “hochgerüstete” Staaten können miteinander auskommen, ohne dass es zum Gemetzel kommt.
Und wozu hat uns Vertrauen und Diplomatie geführt?
Überwachung per Satellit und damit Rüstung ist fast der einzige Grund, warum sie eine Chance hatten. Und natürlich unsere Helme und Strelas. Da ging was…

Die Wehrhaftigkeitslogik führt erst zu Hochrüstung und dann ins Verderben. Es käme aber auf die Wiederherstellung von Vertrauen an. Erst dies könnte zur allerorts besungenen gleichen Augenhöhe führen – ohne arms race und Säbelrasseln oder gar Gemetzel oder “Lichtblitz von vorn”-Rufen.

Hallo Herr Stefan,
was für mich immer “im Raum” stehen wird, ist Putins Rede zu Beginn des Krieges, wo er historische Bögen des Reiches zieht, wie groß es war, und wie schmachvoll der Niedergang der SU. Kennen Sie diese Rede?
Sicher ist der militärisch-industrielle Komplex (ein Begriff, den ich in einer schönen Szene des Films “Gundermann” gehört habe) ein immenser Profiteur des Krieges, aber ein Kriegsgrund ist er natürlich nicht. Woran Rheinmetall verdient interessiert denjenigen nicht, der vom Osten und Norden her in die Ukraine einfiel.
Oder meinten Sie die russische Industrie des Krieges mit Ihrer Andeutung? Kann ja fast nicht sein, denn die steht ja nicht hinter Kiesewetter. Na gut, ganz sicher kann man sich nie sein…

Hallo Urs,
das inhärent Gute an Wehrhaftigkeit ist die resultierende Augenhöhe. Das reine Prinzip von “Wer handelt, bekriegt sich nicht”, in dem einige Wahrheit steckt, ist ganz offensichtlich nicht hinreichend.

Erstaunlich wie gerade in diesem Medium relativ widerspruchslos die einseitige und unreflektierte Anklage gegen den Aggressors Russland nachgeplappert wird. Um das Ganze doch nachträglich zu relativieren steht Putins Rede im Bundestag am 25.9. 2001 irgendwie doch noch im Raum sogar der Umstand, dass von der Mehrheit der russischen Bevölkerung die ungebremste Abwicklung der SU eben nicht sonderlichen Beifall erhält. Hinter Herrn Kiesewetter steht alles andere als ein hoher moralischer Anspruch, dahinter steht der militärisch-industrielle Komplex.

Muß man wirklich, lieber Autor, Kiesewetters Schneidigkeit erliegen? Einem Exponenten der Eskalationsprediger im Bundestag! Was sind seine Verdienste? Wie hat er bisher zur Lösung internationaler Konflikte beigetragen? Was soll das inhärent Gute an Wehrhaftigkeit sein?

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