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4 Prozent der Leipziger Unternehmen beschäftigen schon Flüchtlinge, 12 Prozent planen die Einstellung

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    Ob Flüchtlinge, die in dieser Zeit in Sachsen gestrandet sind, eine echte Chance auf Integration bekommen, das hängt stark davon ab, ob es sächsischen Unternehmen gelingt, sie in ihre Arbeit zu integrieren. Die ersten haben es sogar schon ausprobiert. Die Aufgeschlossenheit ist groß, sagt auch IHK-Präsident Kristian Kirpal. Und weil das so ist, hat die IHK ihre Mitgliedsunternehmen dazu auch befragt.

    Die Zahlen scheinen noch niedrig zu sein: 4 Prozent beschäftigen schon Flüchtlinge, 2 Prozent haben es schon mal probiert, 12 Prozent planen die Einstellung von Flüchtlingen. Wobei das Interesse zwischen den Branchen deutlich schwankt – zwischen 2 Prozent im Großhandel und 14 Prozent in der Bauwirtschaft.

    Womit schon ein entscheidender Punkt sichtbar wird: Ohne die nötigen Qualifikationen geht es nicht. Deswegen halten die meisten Unternehmen eine Beschäftigung der Menschen, die in Sachsen Asyl gefunden haben, vor allem als Praktikant (40 Prozent), Azubi (47 Prozent) oder Helfer (51 Prozent) für möglich. Mit der notwendigen Anmerkung: Hier handelt es sich nur um die 12 Prozent Unternehmen, die wirklich die Anstellung von Flüchtlingen planen. 52 Prozent suchen unter den Flüchtlingen tatsächlich auch nach Fachkräften.

    Was für Leipzig nicht ganz uninteressant ist, denn das betrifft zuallererst Branchen wie den Tourismus (64 Prozent) und die Industrie (63 Prozent). Was natürlich mit dem für einige Unternehmen schon spürbaren Mangel an Nachwuchs zu tun hat. Die Hoffnung ist groß, dass die Menschen aus den bürgerkriegsversehrten Ländern für diese Arbeiten entweder schon ausgebildet oder leicht ausbildbar sind. Während das Baugewerbe eher Azubis (80 Prozent) sucht und der Einzelhandel eher Praktikanten (83 Prozent).

    Aber das sind die Unternehmen, die sich wirklich schon mit ernsthaften Plänen tragen und damit höchstwahrscheinlich auch schon die nötigen Ausbildungs- und Qualifizierungsprogramme haben. Nebst nötiger Sprachkompetenz.

    Und da ist man dann bei den verbleibenden Unternehmen, die sich mit der Beschäftigung von Flüchtlingen (noch) nicht beschäftigen. Die Gründe für die Nichtbeschäftigung sind vielfältig, stellt Kirpal fest.

    Sie unterscheiden sich übrigens auch nicht zwischen Unternehmen, die keine Flüchtlinge aufnehmen und jenen, die sich schon damit beschäftigen. Denn der wichtigste Grund ist natürlich allgemeingültig: 49 Prozent aller befragten Unternehmen suchen derzeit gar keine Mitarbeiter. In Frage kommen ja logischerweise nur Unternehmen, die auch Personal suchen.

    39 Prozent haben keine Bewerbungen bekommen, was auch nicht überrascht bei insgesamt 67.482 IHK-Betrieben im Kammerbezirk Leipzig, von denen 50.944 ausgemachte Kleingewerbetreibende sind.

    Und die, die dann ernsthaft prüfen, ob sie die Ressourcen haben, Flüchtlinge in Beschäftigung zu bringen, haben dann logischerweise mit den Barrieren zu tun, die in diesem Fall normal sind. Denn die meisten Flüchtlinge sind ja gerade mal ein Jahr in Sachsen. Das ist – auch aufgrund mangelnder Deutschkursangebote – natürlich nicht genug Zeit, um schon fließende Deutschkenntnisse erwarten zu können. 31 Prozent der befragten Unternehmen nennen also die mangelnden Deutschkenntnisse als Hindernis. 27 Prozent benennen die fehlende Qualifikation als Einstellungshindernis. Auch das ein Thema, das man nicht einfach mal im Handumdrehen löst.

    Aber Politik macht es sich ja auch gern leicht und sagt: Wirtschaft, mache mal. Aber das braucht mehr als Deutschkenntnisse und (nachgeholte) Qualifikationen, mal ganz abgesehen davon, dass viele Qualifikationen der Neuankömmlinge in Deutschland gar nicht anerkannt sind oder entsprechende Nachweise fehlen.

    Aber jede Berufsqualifikation ist eine Investition, betont Kristian Kirpal. Die Unternehmen, die das machen, müssten also auch zu Recht davon ausgehen können, dass die Menschen, die sie ausbilden, hinterher auch länger im Unternehmen bleiben können. Und da kommt man dann auf die deutsche Bürokratie, die nicht nur den Einstieg schwer macht, sondern auch die Planung. 18 Prozent der befragten Unternehmen monierten den unaufgeklärten Aufenthaltsstatus der möglichen Bewerber.

    Wenn aber der Aufenthaltsstatus nicht klar ist – zum Beispiel weil die Bewerber nun schon seit Monaten in der Warteschleife des BAMF hängen – dann fehlt auch die Basis für eine qualifizierte Berufsausbildung. Deutsche Bürokratie verhindert Integration, weil sie lieber im Abschiebe-Modus denkt als in praktikabler Realitätskenntnis.

    Dass dahinter auch ein generelles Versagen der EU steckt, benennt Kirpal zumindest beiläufig. Die Aufnahme, Verteilung und Integration der Flüchtlinge hätte die europäische Gemeinschaft in einem gemeinsamen Akt frühzeitig organisieren können. Stattdessen hat man sich auf fragwürdige Deals mit der Türkei eingelassen, als das Thema nüchtern und pragmatisch anzugehen. Logisch, dass dann auch in Sachsen lauter Provisorien und unsichere Übergänge entstehen, bei denen dann auch die Unternehmen nicht so recht wissen, worauf sie sich da einlassen. Fachkräfte werden dringend gebraucht. Aber die bekommt man nicht, wenn man politisch und bürokratisch lauter unsichere Zustände organisiert.

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