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Konjunktur im IHK-Bezirk Leipzig: Der Fachkräftemangel meldet sich mit voller Wucht zurück

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    Es ist, als wäre die Corona-Pandemie nur ein boshafter Nierenhaken gewesen. Sie hat auch die Leipziger Wirtschaft kurz auf die Bretter geschickt. Doch mit der Aufhebung der Einschränkungen, die gerade in Gastgewerbe und Dienstleistung für heftige Einbrüche gesorgt haben, kommt auch Leipzigs Wirtschaft wieder auf die Füße, meldet die IHK zu Leipzig. Doch mit dem Neustart kommen neue und alte Sorgen wieder auf den Tisch.

    Im Zuge der Aufhebung bzw. Reduzierung der Corona-Beschränkungen hat sich die wirtschaftliche Situation in der regionalen Wirtschaft in den vergangenen Monaten erheblich verbessert, meldet die IHK zu Leipzig zu den Herbst-Konjunkturdaten aus dem Leipziger Kammerbezirk.Sowohl die Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen zeigen nach oben und erreichen den jeweils höchsten Wert seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020. Die Erholung ist aktuell in allen Wirtschaftsbereichen erkennbar. Der IHK-Geschäftsklima-Index steigt kräftig um 25 auf 126 Punkte.

    Jedoch nehmen auch die geschäftlichen Risiken zu. Vor allem dauerhafte Lieferengpässe, steigende Preise und der Fachkräftemangel bremsen zunehmend die geschäftliche Entwicklung der Unternehmen aus.

    Zu diesem Ergebnis kommt die Konjunkturbefragung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig im Herbst 2021, an der sich 652 Unternehmen aller Branchen und Größenklassen mit insgesamt fast 39.000 Beschäftigten beteiligt haben. Die Befragung fand im Zeitraum 6. bis 24. September 2021 statt.

    Der Geschäftsklimaindex für den Kammerbezirk Leipzig. Grafik: IHK zu Leipzig
    Der Geschäftsklimaindex für den Kammerbezirk Leipzig. Grafik: IHK zu Leipzig

    Kristian Kirpal, Präsident der IHK zu Leipzig, sagt zu diesen Ergebnissen: „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die gewerbliche Wirtschaft in eine ihrer schwersten Krisen gestürzt. Viele Unternehmen konnten nicht oder nur eingeschränkt arbeiten. Mit dem Abbau der Corona-Beschränkungen hat sich die Situation in vielen Branchen nun endlich gebessert. Die wachsende Zuversicht der Unternehmen muss seitens der Politik jetzt dringend mit verlässlichen und stabilen Rahmenbedingungen flankiert werden.“

    „Nach der Bundestagswahl sind dazu rasche Koalitionsverhandlungen und eine zügige Regierungsbildung anzumahnen. Von der Bundespolitik werden Entschlossenheit und Zukunftsfähigkeit gefordert, um mit Digitalisierung, Klimaschutz und Fachkräftemangel die wichtigsten Zukunftsthemen der Wirtschaft zu bewältigen. Dafür bedarf es umfangreicher öffentlicher und privater Investitionen. Ebenso müssen Wachstumsbremsen, wie komplexe Regulierungen, langwierige Genehmigungsverfahren und praxisferne Vorgaben endlich abgebaut werden.“

    Auf einmal fehlt es überall an Personal

    Seit dem Frühjahr 2021 hat sich die Geschäftslage der Unternehmen erwartungsgemäß stark verbessert, da seitdem viele Corona-Beschränkungen aufgehoben wurden, betont die IHK. Zwar sind weiterhin Unterschiede im Tempo der wirtschaftlichen Erholung zwischen den Branchen auszumachen, aber insgesamt sind die Vorzeichen eindeutig positiv.

    Im Ergebnis steigt der Lage-Saldo um 30 auf 38 Prozentpunkte und liegt damit deutlich über dem Vorjahresstand, als die Konjunktur ein kleines Zwischenhoch erreichte. Trotz der Verbesserung haben viele Unternehmen die Auswirkungen der Coronakrise jedoch noch längst nicht überwunden.

    Deutlich im Aufwärtstrend befinden sich auch die Geschäftserwartungen der Unternehmen. Die Zuversicht ist branchenübergreifend stark angestiegen und basiert auf der Hoffnung, dass es im Zuge des Impffortschrittes keinen erneuten Lockdown geben wird. Der Saldo der Geschäftsaussichten legt um 21 auf +15 Prozentpunkte zu und erreicht bereits wieder das Vor-Corona-Niveau.

    Doch jetzt, wo weltweit die Wirtschaft wieder in Gang kommt, macht sich bemerkbar, dass einige Lieferketten in der Corona-Zeit zum Erliegen kamen, die Nachfrage nach Energie und Rohstoffen aber überall sprunghaft angestiegen ist. Und was Corona auch in Leipzig nur für anderthalb Jahre überblendet hat, kommt jetzt mit voller Wucht zurück: der akute Mangel an Fachkräften.

    Die veränderte Sicht auf die Risiken in den Leipziger Unternehmen. Grafik: IHK zu Leipzig
    Die veränderte Sicht auf die Risiken in den Leipziger Unternehmen. Grafik: IHK zu Leipzig

    Die IHK dazu: „Dennoch machen den Firmen aktuell eine Vielzahl von Risiken zu schaffen. So behindern Lieferengpässe und stark steigende Rohstoff-, Kraftstoff- und Energiepreise sowie fehlende Fachkräfte den konjunkturellen Aufschwung zunehmend.“

    Denn was die Stimmung anlangt, ist auch die Region Leipzig wieder da, wo sie seit dem Auslaufen der Finanzkrise ab 2011 recht konstant gewesen ist: auf einem hohen Sockel der Wirtschaftsentwicklung, mit wachsender Beschäftigung, fast vollen Auftragsbüchern und hohen Investitionen.

    Erst am 14. Oktober hatte die IHK ihre neue Überschau über die aktuellen Investitionen in der Region Leipzig veröffentlicht: Danach sind aktuell 153 Vorhaben im Umfang von 11,2 Milliarden Euro in der Umsetzung.

    Und ein Großteil der Unternehmen plant weiterhin Investitionen

    Während sich die Investitionsaktivitäten der Unternehmen seit Beginn der Corona-Pandemie vielfach auf ein Minimum beschränkten, zeigen die Planungen im Zuge der verbesserten Geschäftsaussichten wieder nach oben, so die IHK. So klettert der Anteil der Betriebe mit steigenden Investitionsausgaben um sieben auf 26 Prozent, während der Anteil mit sinkendem Investitionsbudget von 16 auf 12 Prozent zurückgeht. Der Saldo von 14 Prozentpunkten erreicht damit bereits das Vor-Krisen-Niveau (Jahresbeginn 2020: 14 Punkte).

    Im Zuge der stark verbesserten Prognosen zeigt nunmehr auch wieder die Personalnachfrage nach deutlich oben. Mehr als jedes vierte Unternehmen plant zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Nur noch 10 Prozent gehen von einem Personalrückgang aus. Der Saldo erhöht sich um 10 auf +17 Prozentpunkte. Die Nachfrage steigt derzeit in allen Wirtschaftsbereichen an, sodass die coronabedingte Kurzarbeit weiter zurückgehen dürfte.

    Dagegen melden die Unternehmen in vielen Branchen bereits große Probleme bei der Besetzung ihrer offenen Stellen. Besonders im Gast-, Bau- und Verkehrsgewerbe fehlen vielerorts Fach- und Arbeitskräfte.

    Logisch, dass der zunehmende Mangel an Fachkräften für viele Unternehmen schon zum Risiko wird.

    Im Zuge der aktuellen konjunkturellen Erholung haben sich die geschäftlichen Risiken gegenüber den zurückliegenden anderthalb Jahren deutlich verschoben. Nicht mehr die „Inlandsnachfrage“, sondern der „Fachkräftemangel“ ist nunmehr mit 52 Prozent der meistgenannte Risikofaktor der hiesigen Unternehmen.

    Die „Arbeitskosten“ belegen mit 45 Prozent weiterhin den zweiten Rang, gleichauf mit der „Entwicklung der Rohstoffpreise“, die in der Bewertung kräftig zugelegt hat und für immer mehr Firmen zum Problem wird. Auch die Relevanz der Faktoren „Entwicklung der Kraftstoff- sowie der Energiepreise“ steigen im Risikoradar der Betriebe seit einem Jahr kontinuierlich an.

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