Es ist ein Trauerspiel: Seit Jahren geht es beim Ausbau der Bahnstrecke Chemnitz–Leipzig nur im Kleckertempo voran. Obwohl die Strecke zwei sächsische Großstädte verbindet und damit auch zwei wichtige Wirtschaftsregionen. 35 Jahre nach der Deutschen  Einheit hätte die Strecke längst elektrifiziert und zweigleisig ausgebaut sein müssen. Aber sie fiel – wie Dutzende andere Bahnstrecken – dem jahrelangen Bau- und Sanierungsstau der Deutschen Bahn zum Opfer.

Falsche Sparpolitik hat längst auch Folgen für die Wirtschaft. Am Dienstag, dem 13. Januar, fand das nunmehr dritte 3. Bahngespräch zur Ausbaustrecke Leipzig–Chemnitz im Hotel Chemnitzer Hof statt:

Der Handlungsdruck sei enorm, doch die Antworten blieben vage, bilanziert die IHK zu Leipzig die Ergebnisse des Gesprächs. Vertreter der Deutschen Bahn hatten den aktuellen Projektstand vorgestellt, doch konkrete Aussagen zu Baustart und Fertigstellung blieben aus Sicht der IHK aus. Für die Wirtschaftsregion sei das enttäuschend und inakzeptabel.

„Die Strecke Chemnitz–Leipzig ist für die wirtschaftliche Entwicklung Sachsens von zentraler Bedeutung. Sie verbindet die Industrieregion Chemnitz mit der Metropolregion Leipzig und schafft die Grundlage für eine leistungsfähige Mobilität von Fachkräften und Gütern“, betont Martin Witschaß, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Chemnitz. „Für die sächsischen IHKs ist dieses Vorhaben eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte – es muss endlich priorisiert und beschleunigt werden.“

Die Wirtschaft stehe geschlossen hinter diesem Ausbau. Das zeigt die Online-Petition der IHK Chemnitz mit inzwischen fast 8.000 UnterstĂĽtzern.

Sachsen finanziert die Planungen

Das Vorantreiben dieses Bahnprojekts ist natürlich ein sächsisches Anliegen. Durch einen gemeinsamen Kraftakt der regionalen Akteure konnten im Sommer 2025 zusätzliche Mittel in Höhe von 9,3 Millionen Euro im Sächsischen Haushalt für die Planung gesichert werden. Dennoch liegt das Projekt deutlich hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Die entscheidende Frage bleibe aus IHK-Sicht unbeantwortet: Wann beginnt der Bau – und wann wird die Strecke fertiggestellt?

2023 war es zwischen dem Freistaat Sachsen, der Deutschen Bahn, der Stadt Chemnitz sowie Wirtschafts- und Fahrgastvertretern zu einer Einigung über den künftigen Ausbau der Strecke gekommen. Dabei war der Freistaat schon vorher eingesprungen, um wenigstens die Planungen für die Strecke voranzutreiben. Diese sollen 2029 abgeschlossen sein. Völlig offen ist hingegen noch, was das Gesamtprojekt kostet und wann die Bahn in die Realisierung einsteigen kann.

Was die sächsischen IHKs fordern:
Einen verbindlichen und realistischen Zeitplan fĂĽr die GesamtmaĂźnahme
Weitestgehend zweigleisigen Ausbau, um einen 30-Minuten-Takt zwischen Chemnitz und Leipzig sicherzustellen
Klare Aussagen zur Finanzierung und zum Zeitplan fĂĽr den Nordabschnitt
BerĂĽcksichtigung des GĂĽterverkehrs als zentralen Bestandteil der Strecke

„Wir dürfen uns keine weiteren Verzögerungen leisten. Die Region braucht diese Verbindung – für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen, deren Mitarbeiter, für die Ansiedlung neuer Betriebe und für eine nachhaltige Verkehrswende“, erklärt Dr. Fabian Magerl, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Leipzig.

Die IHK Chemnitz und die IHK zu Leipzig erwarten von der Deutschen Bahn, dass spätestens im Frühjahr 2026 konkrete Planungen für den Nordabschnitt (Geithain–Leipzig) sowie eine verbindliche Zeitschiene für den Südabschnitt (Chemnitz–Geithain) vorliegen. Die Geduld der Wirtschaft sei erschöpft, betonen sie, jetzt müssten Taten folgen.

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Ein LehrstĂĽck fĂĽr das Versagen föderaler Infrastrukturpolitik: Während man in Sonntagsreden den Strukturwandel und die Anbindung der ‘Kulturhauptstadt-Region’ beschwor, hat Sachsen erst nach massivem Druck und mit erheblicher Verspätung Ende 2025 die Eigenmittel fĂĽr die Planung freigegeben.
Und diese Millionen flieĂźen lediglich in die Planung des Abschnitts Chemnitz-Geithain!
Dass man für die Modernisierung von 80 km Bestandsstrecke Jahrzehnte benötigt, entlarvt die Mobilitätswende als reine Rhetorik.

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