Neuer Stoff für Knobel-Freunde: 40 neue Rätsel-Krimis von Steffen Mohr

Der Mensch an sich ist kriminell. Er täuscht, er trickst, er lügt. Und einige Exemplare haben für sich entdeckt, dass man mit Klauen und Gewalt auch was erreicht. Wenn auch nicht immer das, was man wollte. Die Irrationalität ist wesentlicher Teil des Verbrechens. Was es natürlich kleinen runden Kommissaren wie Merks erleichtert, den Spitzbuben mit ein bisschen Grips flott auf die Spur zu kommen.
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Steffen Mohr ist der Leipziger Meister des Rätsel-Krimis. Es ist eine alte, viele Jahrzehnte fast vergessene Form des Kurzkrimis. Nicht mehr gepflegt, weil die Magazine und Zeitungen, die solche Genres einst als Denksport ihren Wochenendausgaben beifügten, verschwunden sind. Das erste, was aus Kostengründen dem Rotstift der Verlage zum Opfer fiel, war das zum Knobeln und Nachdenken einladende Feuilleton. Mancher Herausgeber glaubte wohl auch, dass mit dem Bildungsauftrag sei mittlerweile erledigt. Fernsehen und Radio hätten die Nation klug gemacht. Da brauche es keine zusätzlichen Angebote mehr.

Aber dem ist ja nicht so. Und vielleicht würde ein Magazin, das seine Leser konsequent zum Denksport aller Schwierigkeitsgrade einlüde, heute wieder ein Verkaufserfolg. Zumindest bei den Leuten, die von den manchmal doch recht schwachsinnigen Krimi-Angeboten aus dem TV angeödet und genervt sind.

Steffen Mohr veröffentlicht seine kleinen Rätselkrimis auch in Zeitungen. Aber wer mehr davon will, bekommt jetzt wieder eine ganze Sammlung – 40 Stück, die noch ein wenig den Galopp durch ein ganzes Jahr verspüren lassen. Und natürlich die Arbeit des Autors, der sich Woche für Woche so eine Kopfnuss ausdenken muss. Nicht immer kann er auf kluge Rätsel aus dem Repertoire zurückgreifen. Manche davon kommen einem durchaus ein wenig vertraut vor. Wie gesagt: Es gab mal Zeiten, da war dieses Genre Standard. Und Leute, die in der Lage waren, sich solche Rätsel auszudenken, waren gefragt.

Hat sich der Leser so verändert? Haben Menschen keine Lust mehr, ihre Köpfchen anzustrengen und dabei auch mal ihr Wissen ein bisschen aufzufrischen?

Denn einige der kleinen Geschichten, die Kommissar Merks hier quasi in Sekundenschnelle löst, brauchen nichts anderes als ein bisschen Logik und ein paar naturwissenschaftliche Kenntnisse. Wie man sie früher mal in der Schule vermittelt bekam. Natürlich geht es in der normalen Polizeiarbeit meistens nicht so flott zu. Was nicht an der fehlenden Genialität der Ermittler liegt. Aber das ist ja dann Thema anderer Krimi-Genres, die sich mittlerweile in großer Breite den Problemen des Polizeialltags widmen – von der personellen Überforderung der Beamten über die hohe psychische Belastung ihres Jobs bis hin zu der Tatsache, dass eine Tat auch fürs Gericht hieb- und stichfest bewiesen werden muss.So weit muss Merks nicht gehen, muss auch der Leser nicht gehen. Das hier ist eher die schöne Seite der Aufklärung – flott, pfiffig, schnell erwischt. Wonach andere Ermittler oft tage-, wochen- oder monatelang suchen, bis sie es endlich gefunden haben: Merks findet’s sofort. Es – das Fehlerchen, den Sprung in einer logischen Kette, den falschen Zungenschlag in der Aussage eines Verdächtigen, die Tatwaffe am falschen Ort oder die Leiche im falschen Zusammenhang.

Manche hat sich Mohr natürlich liebevoll ausgedacht, so skurril ist es. Aber darum geht es ja auch: die launige Unterhaltung, das Spiel mit Tricks, Kostümen und Finessen. Manchmal schillert auch der ganz gemeine Alltag durch. Denn kriminell werden ja nicht nur Erbschleicher, Mörder und Diebe. Kriminell werden auch oft genug ganz normale Menschen, wenn es um geldwerten Vorteil geht – wie bei dem Händler, der ein bisschen an der Rechnung ändert. Aus Eifersucht – wie ein emsiger Feuerwehrmann in einer dieser Geschichten. Und wie ist das mit diesen Stalkern, die ihre Rachlust an anderen Menschen durch wilde Beleidigungen und Drohungen ausleben? Typen, an denen Kommissare in anderen, viel, viel dickeren Krimis verzweifeln, weil so viel Bosheit an die Substanz geht.

Merks ist da eher der launige Typ, der sich von nichts aus der Ruhe bringen lässt. Eher reagiert er bärbeißig. Die kleinen und die großen Kriminellen sind ihm kein Rätsel. Dafür hat er sie zu oft auf frischer Tat ertappt. So gesehen sind diese 40 kurzen Geschichten auch ein wenig Medizin für alle, die so langsam den Glauben an die Vernunft der Menschen verlieren, weil selbst die selbsternannten Vorbilder sich tagtäglich als Kriminelle erweisen.

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Merks ermittelt in Leipzig
Steffen Mohr, Gmeiner Verlag 2014, 6,90 Euro

Merks kennt seine Schäfchen. Das macht es einfacher. Da muss er nicht mehr herausbekommen, ob einer ein Ganove ist, sondern meist nur noch, wer von den Ganoven es war und wie er oder sie es angestellt haben.

Und damit man auch nachgucken kann, ob man den richtigen Hinweis in der kleinen Geschichte gefunden hat, gibt es danach kleingedruckt die Lösung. Aber wer ein gewiefter Krimi-Leser ist, der braucht die natürlich nicht mehr.


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