Bis zur Corona-Pandemie ging die Zahl der Stromsperren in Leipzig nach und nach immer mehr zurück. Zeichen für eine robuste Wirtschaft, für mehr Beschäftigung und mehr Geld im Portemonnaie der Leipziger. 2022 und 2023 wurden sogar Tiefststände verzeichnet. Doch seit Energiepreise und Mieten drastisch steigen und auch die Arbeitslosigkeit wieder wächst, zeigt sich in Leipzig das alte Bild: Die Stromsperren nehmen wieder rapide zu, weil tausende Haushalte das Geld für die Stromrechnung nicht aufbringen können.

Die Vorsitzende und sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, Susanne Schaper, hat jetzt auch für 2025 die Zahl der Stromsperren in Sachsen abgefragt (Drucksache 8/5701). Für die drei Großstädte wurden 7.507 Stromabschaltungen in Haushalten verzeichnet – fast 2.000 mehr als im Vorjahr (5.531, Drucksache 8/1417).

Die Dresdner Betroffenen waren im Schnitt für eine Woche ohne Strom, in Leipzig dauerten 70 Prozent der Abschaltungen „bis zu 15 Tage“. Daten für die Landkreise, über die Höhe der Rückstände sowie die Zahl der betroffenen Kinder unter 18 Jahren wurden wie in den Vorjahren nicht erhoben.

Entwicklung der Stromsperren in den drei sächsischen Großstädten seit 2010. Grafik: Linksfraktion im Sächsischen Landtag
Entwicklung der Stromsperren in den drei sächsischen Großstädten seit 2010. Grafik: Linksfraktion im Sächsischen Landtag

„Während die Zahl der Stromsperren 2025 in Dresden von 2.373 auf 2.112 und Chemnitz von 1.958 auf 1.795 leicht zurückging, stieg die Zahl in Leipzig um das Dreifache – von 1.200 auf 3.600“, kommentiert Susanne Schaper die Zahlen.

„In der Messestadt dauerten 70 Prozent der Sperrungen über 15 Tage an. 2024 war es ein Tag weniger gewesen. Wie im Vorjahr dauerten in Dresden die Sperrungen eine Woche. Für Chemnitz wurden auch für 2025 diese Daten nicht erfasst. So hoffnungsvoll die Zahlen für Chemnitz und Dresden erscheinen mögen: Jeder Fall ist einer zu viel. Die Gründe für den enormen Anstieg in Leipzig müssen aufgeklärt werden.“

Eine mögliche Erklärung ist der hohe Sockel einkommensarmer Haushalte in Leipzig, die für gewöhnlich mit ihrem Geld gerade so über die Runden kommen. Sie konnten die deutlichen Preisanstiege gerade bei den Energiekosten in den letzten drei Jahren kaum abfangen. Für die Betroffenen sind Stromsperren eine erhebliche soziale und gesundheitliche Belastung, weil zentrale Grundlagen des täglichen Lebens – etwa Licht, Kochen und die Kühlung von Lebensmitteln und Medikamenten oder digitale Kommunikation – wegfallen.

„Besonders schlimm sind die Folgen für Kinder sowie für ältere, kranke oder pflegebedürftige Menschen“, sagt Schaper. „Die Linke fordert das grundsätzliche Verbot von Energiesperren. Stattdessen sollen die Energieunternehmen Kontingente von kostenfreiem bzw. kostengünstigem Strom anbieten müssen. Das ist auch ein Anreiz zum Energiesparen. Kostenlose Beratung etwa durch die Verbraucherzentralen soll diese Maßnahmen begleiten – auch und besonders für überschuldete Menschen.

Für Härtefälle ist ein Sozialfonds gegen Energiearmut nötig, der von den Energieunternehmen und dem Staat gefüllt wird. Dafür ist genug Geld da. Schließlich bringt die CO₂-Steuer Jahr für Jahr Milliarden ein, ohne dass davon bisher ein Klimageld an die Bürgerinnen und Bürger zurückfließt.“

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar