Haben Sie schon einmal ein Buch gekauft, nur weil Ihnen der Umschlag ins Auge gesprungen ist? Auf der Leipziger Buchmesse wird die Verlockung wieder groß sein. Und seitdem es Cover gibt, ist klar, dass sie nicht nur Schutzhülle sind, sondern eine heiß umkämpfte Fläche für Verkaufserfolge, Leseerwartungen – und für politische Statements.

In der neuen Kabinettausstellung „Waffe Buchumschlag! Foto, Cover und Propaganda in den 1930er Jahren“ in der Deutschen Nationalbibliothek wird die Frage gestellt, inwiefern gerade in gesellschaftspolitisch aufgeheizten Zeiten auf den Covern von Büchern politische Diskurse und ideologische Kämpfe ausgefochten werden – inwieweit der Buchumschlag also zur Waffe wird.

Die Schau, eine Kooperation mit dem Wiener Photoinstitut BONARTES, eröffnet im Vorfeld der Buchmesse am Dienstag, dem 17. März 2026, 19:00 Uhr. Was das Schaufenster für den Laden, ist das Cover für das Buch. Ob Bild, Schrift, Farbgestaltung oder Haptik: Der Umschlag macht auf den Inhalt eines Buches neugierig, ohne zu viel zu verraten.

Mit der Ausstellung „Waffe Buchumschlag!“ widmet sich das Deutsche Buch- und Schriftmuseum mit Blick auf die 1930er Jahre exemplarisch der Frage, wie sich in gesellschaftspolitisch aufgeheizten Zeiten auf den Covern von Büchern politische Diskurse und ideologische Kämpfe widerspiegeln – inwieweit der Buchumschlag zur Waffe wird.

Eine besondere Rolle spielt dabei die Fotografie: Durch den Hype der illustrierten Presse in den 1920er Jahren wurde das Foto zu einem Massenmedium und hat dadurch maßgeblich zum sogenannten „iconic turn“ der Epoche beigetragen. Seitdem Druckwerke massenhaft und kostengünstig hergestellt werden konnten, bot es sich an, Überzeugungsarbeit mithilfe fotografischer Bilder zu betreiben. Aber erst durch die Einführung des allgemeinen Wahlrechts nach dem Ersten Weltkrieg entwickelten politische Parteien Strategien zum Einsatz von Fotografie als Propagandainstrument.

Propaganda auf dem Schutzumschlag

Die Dynamik der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen führte ab Ende der 1920er Jahre zu einer Flut von Propagandaschriften, deren Schlagrichtung schon auf den Umschlägen ihren Ausdruck fand: Wirklichkeitssplitter, zusammengesetzt zu kämpferischen Montagen, spiegelten einerseits die Verzweiflung über die wirtschaftliche Lage der Arbeitenden und der immer zahlreicher werdenden Arbeitslosen wider. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums postulierten Bilder ungetrübter Harmonie einen faschistischen Heimatbegriff. Der Buchumschlag wurde zur Waffe im politischen Kampf.

Die Ausstellung widmet sich Druckwerken dieser Zeit mit Schwerpunkt auf österreichische Publikationen, deren Verlage auch in Deutschland, insbesondere in Leipzig, tätig waren und bisher wenig erforscht sind. Anhand von rund 100 Beispielen präsentiert die Ausstellung exemplarisch die Experimentierfreude bei der Covergestaltung mittels Fotografie und Typografie in den 1930er Jahren.

In sechs Kapiteln zeigt die Schau, wie die öffentliche Meinung mit dem Medium Cover beeinflusst wurde und wie die neuen fotografischen Reproduktionstechniken den Buchgestalter*innen innovative Wege für ihre Arbeit mit visuellen Materialien ebneten.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Photoinstitut BONARTES in Wien und wurde von Monika Faber, Arne Reimer und Hanna Schneck kuratiert. Nach Stationen in Wien und Salzburg ist sie nun in Leipzig zu sehen und wird von Pierre Pané-Farré (Hamburg/Leipzig) um Aspekte zur Typografie, Gestaltung und Herstellung unter Einbezug der Sammlungsbestände des Buch- und Schriftmuseums ergänzt.

Katalog: Unter dem Titel „Buchumschlag! Fotomontagen im politischen Kampf der 1930er-Jahre in Österreich“ haben die Kurator/-innen im Verlag Schlebrügge einen Katalog herausgegeben, mit Texten der Herausgeber/-innen sowie von Ernst Fischer, Otto Hochreiter, Marion Krammer und Pierre Pané-Farré. Der mit der Goldmedaille des Deutschen Fotobuchpreises prämierte Katalog ist im Buchhandel sowie im Museum erhältlich, Preis: 27,30 Euro.

„Waffe Buchumschlag! Foto, Cover und Propaganda in den 1930er Jahren“, Ausstellung in der Deutschen Nationalbibliothek. Die Ausstellungseröffnung ist am Dienstag, dem 17. März 2026, um 19:00 Uhr.

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