Der Traum vom Tunnel ist wohl erst einmal ausgeträumt. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV) hat am Dienstag, dem 28. April, den Vertreterinnen und Vertretern der Städte Leipzig und Markkleeberg sowie des Landkreises Leipzig über den aktuellen Planungsstand der Agra-Brücke berichtet. Dabei ging es vor allem um das geplante Abbruchkonzept für den westlichen Brückenteil. Der östliche Teil wurde ja mit Stützen verstärkt, um für die Bauzeit noch weiter nutzbar zu sein.
Für den Rückbau des von Spannungsrisskorrosion betroffenen Überbaus hat das LASuV den Ausrüstungsaufwand, die technische Machbarkeit, Projektrisiken, Kosten sowie die Auswirkungen auf Umwelt und Verkehr umfassend bewertet.
Auf Basis dieser Analyse soll der Rückbau mithilfe einer Vorschubrüstung und Sägeschnitten erfolgen. Dieses Verfahren eigne sich nach bisherigen Untersuchungen besonders, um Lärm- und Staubbelastungen sowie Eingriffe in den denkmalgeschützten Agra-Park so gering wie möglich zu halten, so das LASuV. Gleichzeitig ermögliche es einen kontrollierten, schrittweisen und erschütterungsarmen Rückbau – ein entscheidender Vorteil angesichts der bestehenden Spannungsrisskorrosion.
Für das Verfahren wird zwischen jeweils zwei Brückenstützen eine Vorschubrüstung auf dem bestehenden Überbau errichtet. Auf dieser Konstruktion werden die rund 21 Meter langen Brückenfelder mit einer abgedeckten Seilsäge in 10 bis 15 einzelne Betonscheiben zerteilt. Diese werden anschließend kontrolliert abgelassen, verladen und abtransportiert. Die Abdeckung der Säge reduziert zusätzlich Staub- und Lärmemissionen.
Ein weiterer Vorteil des gewählten Verfahrens besteht darin, dass die herausgesägten Betonteile – insbesondere die darin enthaltenen Spannglieder – untersucht werden können. Dadurch will das LASuV wertvolle Erkenntnisse über den tatsächlichen Zustand des Bauwerks gewinnen. Bei einer Sprengung oder einem konventionellen Abbruch wäre dies nur eingeschränkt möglich.
Nach aktuellem Stand werden die Abbrucharbeiten acht bis zehn Monate dauern. Eine längerfristige Vollsperrung der B2 ist dabei voraussichtlich nicht erforderlich, so das LASuV. Konkrete Verkehrseinschränkungen werden im Zuge der weiteren Vorbereitung abgestimmt und rechtzeitig bekannt gegeben. Die Ausschreibung für den Abbruch soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.
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Es gibt 12 Kommentare
Dass die Brücke so, wie ist war, wiederhergestellt werden soll, ist für Sie etwas Schlimmes, gar in den Rang einer Sünde erhoben. Diese völlig legitime Meinung, wie auch Artikelüberschriften der Art “Architekten protestieren gegen Brückenlösung” suggerieren, dass dies eine indiskutable Position ist. Dabei stimmt genau das nicht: es gibt auch jede Menge Leute, die mit dieser Lösung zufrieden sind und sie genau so, in dieser Variante, bevorzugen, als Ergebnis verschiedener Kompromisse. Das ist nicht einfach “Bräsigkeit und Untätigkeit”, das ist irgendwo auch genau das, was viele Leute wollen.
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> “Das “Es ist ja nicht alles tot”-Argument…”
Also wenn der Eisvogel und der Bärlauch zu den letzten, anspruchslosen Restnaturbestandteilen am Fuße einer BETONWÜSTE gehören, dann können wir den besonderen Schutzstatus auch aufheben und aufhören, berittene Pol:izisten durch den Wald zu schicken.
Was wäre denn konkret für die Umwelt dort an der Stelle besser, wenn Ihre bevorzugte Verkehrslösung umgesetzt würde, und welche Lösung bevorzugen Sie?
@Christian:
“Für die Agra-Brücke in Leipzig soll es kraushaargenau die gleiche DDR-Bausünde werden, ohne das jemand mitreden darf.”
Bausünde auf jeden Fall, DDR ist dabei nicht erwähnenswert, das es sich um eine Epoche handelt, wo solche Bauten in fast ganz Europa gebaut worden. Ich empfehle Ihnen dazu diese Ausstellung:
https://3landesmuseen-braunschweig.de/braunschweigisches-landesmuseum/ausstellungen/archiv/brutal-modern-bauen-und-leben-in-den-60er-und-70ern
Und weil ich gerade noch einen aktuellen Ökonomie-bezogenen Fundamentalkommentar des Kommunisten Arnold Schölzel las, möchte ich Ihnen den nicht vorenthalten: https://www.jungewelt.de/artikel/523331.wunder-und-wissenschaft.html Hat nichts mit der agra-Brücke zu tun? Hmm, dochdoch.
Auch wenn es Ihnen, lieber Christian, wie eine Variante von Whataboutism vorkommen mag: https://www.jungewelt.de/artikel/523264.klassengesellschaft-reich-reicher-superreich.html
Die Prämissen der hiesigen Politik liegen fundamental anders, als Ihre Argumentationsversuche für eine Nicht-Brücke annehmen. Und Bausünden, übrigens, gibt es auch sonst genug, lesen Sie mal die Architekturkolumne von Marc Schorter im “Kreuzer”. Und die Wiederherstellung der Zweigleisigkeit der Bahnstrecke nach Chemnitz werden wir alle nicht mehr erleben, um mal ein nicht ganz unverwandtes Infrastrukturthema anzureißen.
So wird es bei “simpel und funktional” bleiben müssen. Und wirklich: diese Stadtgesellschaft hat höherrangige Probleme als die Integrität des Herfurth’schen Parks, oder nicht? Die Majorität des Reichtums ist in den falschen Händen, sozusagen. Die Wirtschaftspolitik ist dumm, und die meisten Mitmenschen sind abgelöscht.
Sicher wird es auch emotional, wenn man merkt, dass die Bräsigkeit und Inkompetenz deutscher Bürokratie sowie organisierter Verantwortungslosigkeit solche Blüten treibt.
Es wäre die verdammte Pflicht und Schuldigkeit gewesen, diese Brücke nach ihrer Nutzung in eine adäquate, verträglichere Lösung umzuwandeln.
Engagierte Stimmen wurden rechtzeitig erhoben und alle sensibilisiert. Es gab Varianten, Zusagen und ausreichend Zeit. Über 12 Jahre vorher.
Diese Bausünde steht mitten im denkmalgeschützten Landschaftsraum und hat diesen Park entwertet.
Das “Es ist ja nicht alles tot”-Argument, also dass Natur trotz Eingriffen existiert, legitimiert den Eingriff in diese nicht. Und erst recht nicht als Wiederholung, wenn man das Entstehen der Brücke noch mit Zwängen und zugekniffenen Augen aus der DDR-Zeit erklären mag.
Ich meinte mit den ‘Verkehrsarten’, dass gerade bei Bevorzugung bestimmter Arten trotzdem auf Umweltverträglichkeit, Baukultur und Raum Rücksicht genommen werden muss.
Wir erleben hier die wiederholte Verhunzung öffentlichen Raumes, einen städtebaulichen Analphabetismus.
Beton als Ersatz für Denken und verantwortungsbewusstes Handeln.
Dass man aus Fehlern in Deutschland partout nicht lernt, und Entscheidungen nur entlang der absolut geringsten politischen Reibungen getroffen werden; das macht mich wütend. Ja.
Weil es meine Umwelt, in der ich lebe, tangiert. Sie ist mir nicht egal, wie manchen offenbar.
“Simpel und funktional” titelt man am Peterssteinweg:
https://www.lvz.de/lokales/leipzig/agrabruecke-bei-leipzig-so-soll-das-neue-exemplar-aussehen-MYZWTRQSJVHILPELNZ2NEQKE3Y.html
> “Übrigens liegt die Carolabrücke auch am Stadtrand der Altstadt.”
Jetzt war ich kurz versucht, die Formulierung des “bequem und äußerst schwach” zu spiegeln, aber ich merke Ihnen die Emotion beim Lesen doch an. Es liegt Ihnen am Herzen. Und ich will die agra-Brücke auch nicht schönreden, aber ich habe wiederum von Ihnen jetzt auch kein gutes Gegenargument für den Plan gelesen, daß die beiden Brücken unterschiedlich schnell und aufwändig durchgeboxt werden.
Eben weil es nur EINE Verkehrsart ist (der Hassfokus auf das Auto vergisst auch hier, das auch LKW und der Flixbus die Brücke genutzt haben), kann es viel schneller und diskussionsärmer funktionieren, als in Dresden. Wollen Sie noch die Bahn drüber fahren lassen, oder was stört Sie genau daran?
Der Denkmalswert und die Natur wurden in den 70ern dort wenig berücksichtigt. Trotzdem kommen die Leute Sommer wie Winter dorthin, trotzdem ist in der Nähe der Trasse der Wald mit Eisvogel und Bärlauch am Gedeihen, und deshalb ist eine neue Brücke dort auch vertretbar. Ob sie genauso “zweckmäßig” aussehen muss wie die alte, steht auf einem anderen Blatt.
Sebastian, dass es ungleich weniger Alternativstrecken gibt – gebe ich Ihnen recht.
Daher die Idee des Interims, welches ja aufwendig mit zahlreichen Stützen verstärkt wurde.
Dass dies nur kurz halten soll, halte ich nicht für valid.
Aber “im Wald am Stadtrand” ist sehr bequem und ein äußerst schwacher Einwand.
Die Brücke zerschneidet des historischen Agrapark, ist zudem denkmalgeschützt.
Weiterhin Lärm und Optik.
Hier wird eine reine Autoverkehrslösung auf Kosten von Natur und Denkmalschutz durchgeboxt.
Es werden ja nicht mal andere Verkehrsarten berücksichtigt.
Sie verkennen Baukultur, wenn Sie meinen, nur nur innerstädtische Brücken verdienen hohe gestalterische Qualität.
Die Deutsche Bauzeitung vom Mai 26 betitelt dieses Vorhaben als “Armutszeugnis für unsere Gegenwart”. Anders kann man diese städtebauliche Katastrophe auch nicht bezeichnen.
Übrigens liegt die Carolabrücke auch am Stadtrand der Altstadt.
Wenn Sie jetzt meinen: aber dahinter kommt ja noch was, dann schauen Sie mal auf den Leipziger Stadtplan.
Soweit ich weiß, gibt es doch ein paar geringe Fördermittel für die Carolabrücke dazu.
Ich finde es schon richtig, dass bei einer Brücke im Zentrum-Zentrum einer Stadt wie Dresden mehr Aufwand bei Gestaltung und Kosten getrieben wird, als bei einer reinen Verkehrslösung im Wald am Stadtrand. Noch dazu, wo die Interessenkonflikte Dresden ungleich höher sind. Noch dazu, wo deren Verkehrsströme nicht wirklich durch parallele Brücken in der Nachbarschaft zeitweise aufgefangen werden können. Schwer, das vergleichbar zu machen.
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Dass die Stadt Dresden die Kosten dafür allein tragen muss, finde ich allerdings schon merkwürdig. Hier ließ man sich eine einfache politische Gelegenheit entgehen, schade.
Also bei den Erläuterungen in Markkleeberg sprachen die Experten bei der Haltbarkeit des verbleibenden Stranges eher von Monate als von Jahre.
Mal so nebenbei:
Für die Carolabrücke in Dresden dürfen jetzt die Dresdner Bürger aus 4 verschiedenen Varianten wählen.
Die Brücke wird wahrscheinlich 140Mio Euro kosten, plus Abrisskosten.
Bezahlt wird sie von Dresden selbst.
Für die Agra-Brücke in Leipzig soll es kraushaargenau die gleiche DDR-Bausünde werden, ohne das jemand mitreden darf.
Die Brücke soll ca. 60Mio Euro kosten.
Kohlemilliarden, die hier konkret passen würden und sollten, kommen nicht zum Einsatz.
Bezahlen wird der Bund, der hier auf Steuerzahlerkosten lachend spart.
Und der Stadt, den Bürgern und allen Zukünftigen diesen Betonklotz erneut in den Agra-Park setzt.
Selbst wenn eine neue Planung Zeit bräuchte – die derzeitig befahrbare Hälfte der Brücke würde doch für diese Zeit als Interim dienen können.
“Die Ausschreibung für den Abbruch soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.”
Also wird dieses Jahr mit dem Abriss nicht mehr angefangen. Hoffentlich fällt danach die andere Seite nicht ein. Dann wird es lustig.