Eine selbstbewusste Frau an König Davids Seite. Ein Roman über die biblische Abigail

Der Titel verwirrt. Denn als Prophetin taucht Abigail nirgendwo in der Bibel auf. Und auch nicht in diesem Roman von James R. Shott. Den man auch erst mal suchen muss. Denn auf dem Buchmarkt wird er ungefähr so beworben wie Joanne K. Rowling als "Autorin von 'Harry Potter'". James R. Shott taucht dort als "Autor von 'Leah'" auf. Eine ganze Latte biblischer Romane hat er schon geschrieben.

Barnes & Noble sortiert seine Bücher in die Rubrik „Christian Fiction“ ein. Denn natürlich gehört immer eine Menge Phantasie dazu, den biblischen Gestalten einen eigenen Roman zu widmen und sie in ihrer Zeit und möglichst bibelgetreu lebendig werden zu lassen. An Stoff mangelt es einem wie James R. Shott nicht, von dem zumindest das Geburtsjahr zu finden ist: 1925. Aber schreiben kann er. Das macht seine Bücher durchaus lesenswert. Er schnappt sich einfach eine nach der anderen dieser biblischen Personen, die dem flüchtigen Leser meist durch die Lappen gehen, und baut aus den zum Teil sogar überraschend vielen Details, die die Bibel erwähnt, ganze Lebensgeschichten als Roman.

Bei einigen Gestalten ist das einfach – wenn man an Moses und Joseph denkt, über die Shott genauso eigenständige Romane verfasst hat wie über Esther, Hiob, Gideon, Leah, Debora, Hagar und Joseph. Sein Buch über Abigail erschien 1996 und heißt im englischen Original ganz schlicht „Abigail“. Nix mit Prophetin. Sie erscheint im Buch auch nicht als solche. Nur in einigen Lexika wird darauf hingewiesen, dass sie in der jüdischen Überlieferung als Prophetin gilt.

Aber in der Bibel gibt es dafür keinen Beleg. Dafür zwei aussagekräftige Stellen in den Büchern Samuel. Im 1. Buch Samuel wird recht ausführlich geschildert, wie sie dem jungen David begegnet, der mit seinen Getreuen in die Wüste gegangen ist und ein bisschen raubt und plündert, wie das damals recht üblich war, wenn einer zwar zum König gesalbt war, aber ein anderer noch ganz rechtmäßig auf dem Thron saß. Der andere war König Saul.Dessen berühmter Feldherr Abner taucht auf, genauso wie Davids genauso berühmter Feldherr Joab. Und wer die Geschichte Davids in der Bibel liest, staunt natürlich, wie modern das alles heute noch wirkt – wie David sich den Ruf eines jungen, barmherzigen Königs erwirbt – und Joab für ihn alle Gegenspieler aus dem Weg räumt.

Abigails Ehemann Nabal („der Narr“) hätte eigentlich auch dran glauben müssen, weil er sich nicht bereit zeigte, Davids Freischärlertruppe mit Nahrungsmitteln zu versorgen (Warum erinnert das einen so seltsam an heutige Verhältnisse?), aber die kluge Abigail bewahrte ihn (und die anderen männlichen Bewohner des Hofs) vor diesem Gemetzel und zog mit Eseln, beladen mit Vorräten, zu David in die Berge.

Tatsächlich trifft der Titel, den der Brunnen-Verlag 1998 für die Übersetzung wählte, die Sache ein bisschen besser: „Abigail. Im Kampf um Davids Liebe“. Kämpfen muss Abigail um die Liebe des Burschen nicht wirklich. Ihr erster Ehemann stirbt schon wenige Tage nach den erwähnten Ereignissen. In der Bibel sieht es ein bisschen aus wie eine göttliche Strafe. Aber auch dort wird erwähnt, dass Nabal ein Choleriker und schrecklicher Säufer war. David kann also schon wenig später fragen, ob Abigail seine Frau werden will. Und sie merkt dann bald, dass sie gar nicht die erste ist, sondern die dritte.

Die erste Ehefrau Davids war Michal, Tochter Sauls, die Saul aber einfach einem anderen gab, um David ein bisschen zu ärgern. Es ist wirklich seltsam, wie vertraut einem diese biblischen Machthaber sind, wenn man sie mit einigen heutigen Machthabern so vergleicht. Es scheint ein echter Typus zu sein, der nicht nur fast automatisch in Machtpositionen kommt, sondern dort auch seiner Lust frönt, Gegner zu piesacken, zu schikanieren und bis aufs Blut zu reizen. Bis es kracht. Bis nur noch ein blutiger Krieg als Alternative steht.

Saul hat es ja bekanntlich übertrieben und wurde selbst in einem seiner angezettelten Kriege hingemeuchelt.

Und Abigail scheint sich, klug wie sie war, mit der Rolle in Davids Harem abgefunden zu haben. Shott macht sie gar zur Ersten Ehefrau, die den ganzen Laden zusammenhält, während David große Politik macht und die anderen Frauen mit der ihnen zugewiesenen Rolle hadern. Es ist also nicht nur ein Roman über eine „Person der Verheißung“ (Die englischsprachige Reihe, in der „Abigail“ erschien, hatte den Titel „People of the Promise“), es ist auch ein Buch über eine selbstbewusste Frau, fast würde man sagen: eine emanzipierte Frau, wenn das im damaligen Rollenverständnis überhaupt denkbar gewesen wäre. Die David-Geschichte wird zwar gern in der Zeit um 1.000 v.u.Z. verortet, ist aber durch historische Fakten nicht ganz so untermauert, wie man sich das gern vorstellt.Das Buch Samuel, in dem er erscheint, wurde in der Zeit des tatsächlich existierenden Königs Josias, der von 640 bis 609 v.u.Z. regierte, geschrieben, schildert also auch die Moralvorstellungen des 7. Jahrhunderts vor Beginn unserer Zeitrechnung. Es geht ein bisschen um die Legitimität der Königsmacht und Davids langen Weg vom Rebellen zum Kleinkönig in Juda und später zu jenem legendären König von Israel, den wir heute mit seinen Psalmen, seinem Kampf gegen Goliath und dem Tempelbau in Jerusalem verbinden. Woran die Archäologen natürlich ihre Zweifel haben. Jerusalem muss zu Davids Zeit ein Dorf gewesen sein.

Aber Shott beherrscht sein Material, erfindet nicht zu wild drauflos, beherrscht seine Farbpalette und vermeidet die Sprünge, mit denen deutschsprachige Romanautoren so gern glänzen. Der Leser merkt, dass der Mann sich wie ein ordentlicher amerikanischer Autor auf die Schulbank gesetzt hat und das Handwerkszeug des Creative Writings trainiert hat. Deswegen lesen sich viele aus dem Amerikanischen übersetzte Romane auch so leicht. Auch dieser. Der Leser und die Leserin lernen dabei eine Frau kennen, die selbstbewusster wirkt als das Meiste, was einem heutzutage in immer neuen Aufgüssen als „Superweib“ angeboten wird. Was auch daran liegt, dass Abigail mit ihrer Rolle nicht hadert, sondern selbst bestimmt, wie sie sie ausfüllen möchte.

Und wenn man bei Samuel nachschaut, dann hat sie sich auch bei der Namensgebung für ihren Sohn durchgesetzt. Während David in Shotts Buch einfach bestimmt, dass ihr Sohn Daniel heißen soll, steht bei Samuel eindeutig: Kilab. Man merkt, wie Shott in dieser Frauenfigur auch eine Art modernes Frauenideal zu zeichnen versucht: eine Frau, die sich weder unterbuttern lässt noch zu herrschen versucht oder gar in Hilflosigkeit flüchtet, sondern ihrem Mann – und das ist immerhin der werdende König David – ebenbürtig entgegen tritt.

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Die schöne Prophetin
James R Shott, St. Benno Verlag 2014, 9,95 Euro

Ob es vor 3.000 Jahren tatsächlich so war, kann eh keiner sagen. Aber in diesen alten Geschichten spiegeln sich immer die Probleme der Gegenwart und die Aufgaben, die sich ein Autor selbst gestellt hat. So nebenbei werden auch die damaligen politischen Verhältnisse (so weit sie aus der Bibel herauszulesen sind) zur Blaupause. Und so wie es Shott angepackt hat, wird recht deutlich, dass die Menschheit in Sachen Macht und Staatsgewalt in den vergangenen 3.000 Jahren nicht allzuviel dazu gelernt hat und gern immer wieder die selben alten Fehler macht. Angefangen damit, dass eitle Männer in Machtpositionen gehievt werden und dort alle Instrumente zur Verfügung haben, ihre Defizite an diversen Philistern, Amalekitern oder anderen Völkern in Reichweite auszutoben.

Nur in den Heldengesängen sieht das dann irgendwie legendär und mythisch aus.


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