Die Universität Leipzig und das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig haben den Forschungskran in der Leipziger Burgaue wieder in Betrieb genommen. Nach Demontage der Anlage infolge von Hochwasserschäden im Sommer 2013 und Wiederaufbau im Frühjahr 2014 kann die mobile Forschungsplattform von Wissenschaftlern der Universität, des Forschungszentrums iDiv und seiner Partner genutzt werden.

Mit dem Kran werden wichtige Lebensvorgänge im Ökosystem Wald untersucht, um unter anderem Empfehlungen für die forstliche Nutzung und den Naturschutz auszusprechen. Die feierliche Wiederinbetriebnahme des Krans fand am Mittwoch, 9. Juli, statt. Unter den Gästen waren Heiko Rosenthal, Bürgermeister für Umwelt der Stadt Leipzig, Prof. Dr. Beate Schücking, Rektorin der Universität Leipzig, Andreas Heilmann, der Geschäftsführer des mit den Baumaßnahmen beauftragten Unternehmens GP Papenburg Entsorgung Ost sowie Prof. Dr. Christian Wirth, Direktor iDiv. Mit einer symbolischen Gondelfahrt weihten die Anwesenden die Anlage ein.

Er läuft auf Schienen und ermöglicht Forschung selbst in luftiger Höhe: Bis zu 40 Meter können Wissenschaftler mit dem Auwaldkran abheben, um Daten für geoökologische, taxonomische, genetische oder biochemische Analysen zu gewinnen. Bei Einsätzen mit der Gondel, die über einen fahrbaren Kranausleger exakt navigiert werden kann, untersuchen Wissenschaftler die wenig bekannten Lebensgemeinschaften der hohen Baumkronen, deren besondere Anpassungen und Leistungen.

“Dieser Kran stellt nicht nur eine einzigartige mobile Forschungsbasis dar”, sagt die Leipziger Uni-Rektorin Beate Schücking. “Er ist auch ein weithin sichtbarer Beweis für eine gut funktionierende Zusammenarbeit der beteiligten Forschungseinrichtungen in Mitteldeutschland. Unsere Verbundforschung wird damit weiter gestärkt.”

“Das ist ein guter Tag für iDiv und die deutsche Biodiversitätsforschung. Ich bin Land und Bund sehr dankbar dafür, dass eine europaweit einmalige Forschungsplattform erhalten werden konnte”, erklärt iDiv-Direktor Christian Wirth und führt aus: “Der Kran wird uns in Zukunft viele neue Einblicke gewähren, die auch über die Biologie hinaus relevant sind.”

Die bislang mit Hilfe des Forschungskrans durchgeführten rund 50 wissenschaftlichen Studien beziehen sich unter anderem auf die Bestandsstruktur, Blütenökologie, Wachstumsdynamik und Genetik der Leipziger Burgaue. Berücksichtigt wurden dabei typische Organismengruppen wie Vögel, Fledermäuse, Insekten, Spinnen, Moose, Algen, Pilze und Bakterien.

Erstmalig zum Einsatz für die Feldforschung kam der Kran am 8. Mai 2001, initiiert von der Universität Leipzig, der Stadt Leipzig und dem Helmholtz Zentrum für Umweltforschung – UFZ. Während des Sommerhochwassers 2013 erlitt das Gleisbett, auf dem der fahrbare Kran steht, starke Schäden. Die Anlage musste aus Sicherheitsgründen abgebaut werden, da sich der Kran durch die Unterspülung um etwa fünf Grad neigte und akute Umsturzgefahr bestand. Durch Fördermittel des Freistaates Sachsen war es möglich, im Frühjahr 2014 die Schienentrasse zu erneuern und den Kranmast wieder aufzurichten.

In Zukunft wird vor allem funktionelle Biodiversitätsforschung eine große Rolle spielen, die den Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und Ökosystemfunktionen untersucht. Der Kran kann helfen, Satellitenbilder so zu kalibrieren, dass metergenaue Biodiversitätskarten von Wäldern entstehen und der Einfluss der biologischen Vielfalt auf die Kühlungsfunktion des Waldes ermittelt werden kann. Ein weiteres Untersuchungsfeld ist die Dynamik der Kohlenstoffspeicherung in Bäumen – eine wichtige Grundlage für das Verständnis des Düngungseffekts von Kohlendioxid in der Luft und der Überflutungs- und Trockenheitsresistenz. Weiterhin ist geplant, mit modernsten molekularen Methoden die “Bodenökologie” der Baumkrone zu erforschen und der Frage nachzugehen, ob Abbauvorgänge in der Baumkrone von denselben Organismen durchgeführt werden wie im Boden, oder ob es eine spezifische Zersetzergemeinschaft in Baumkronen gibt.

Der Auwaldkran ist Baujahr 1991 und ging als Forschungskran am 8. Mai 2001 in Betrieb – und funktioniert auch bestens bis zur Flut im Juni 2013, die ihm die Standsicherheit nahm, als das Nahleauslasswerk geöffnet wurde. Er ist 40 Meter hoch, der Ausleger in 36 Meter Höhe reicht 45 Meter weit. De Kran rollt auf 120 Meter Schienen, hat zwei einsetzbare Gondeln, die mit Fernbedienung steuerbar sind und überspannt eine Fläche von 16.500 Quadratmeter.

Quelle:
www.uni-leipzig.de
www.idiv-biodiversity.de
www.idiv.de

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