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Sachsen fördert Leipziger Forschungseinrichtung ab 2016 mit einer Million Euro pro Jahr

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    Da kommt Freude auf: Noch kurz vor Jahresschluss konnte Prof. Dr. Matthias Schwarz, Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Uni Leipzig, etwas verkünden, woran im Mai dieses Jahres niemand mehr zu glauben wagte: Das Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) muss nicht schließen. Der Freistaat Sachsen fördert die zukunftsweisende Forschungseinrichtung mit 1 Million Euro pro Jahr.

    Bis zum 30. Juni stand das seit 2006 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (SMWK) geförderte Forschungsprojekt vor dem Aus. Runde 50 Millionen Euro waren im Lauf der Zeit in diese Forschungseinrichtung mit ihren zeitweise bis zu 130 Mitarbeitern geflossen. Betrieben wurde vor allem Grundlagenforschung, genau das, was auch in Deutschland fast ausschließlich im Umfeld von Hochschulen und Forschungsinstituten passiert und woran sich die gern gefeierte Wirtschaft in der Regel eher selten beteiligt. Der Grund ist eigentlich simpel: Ob Ergebnisse der Grundlagenforschung später auch einmal in verkaufsträchtige Verfahren oder Produkte umgewandelt werden können, ist zumeist völlig offen.

    Viele dieser Grundlagenforschungen setzen sogar bei grundsätzlichen gesellschaftlichen und politischen Weichenstellungen an – im Fall des TRM bei wesentlichen Fragen der Gesundheitspolitik.

    Doch eine verlässliche Lobby gibt es für solche Themen meistens nicht, denn auch die zumeist verantwortlichen Politiker sind mittlerweile fast sämtlich auf die Sichtweise der Wirtschaft umgeschwenkt: Es muss sich „rechnen“. Es muss „Ergebnisse bringen“. Es muss die eingesetzten Gelder wieder „einspielen“. Usw. Der ganze Sermon, den natürlich auch die Verantwortlichen in den Hochschulen zu hören bekommen, wenn sie sich um die sogenannten Drittmittel bemühen. Und bei Letzterem waren auch die Verantwortlichen der Uni Leipzig in den letzten Jahren sehr erfolgreich. Dafür wurden sie von diversen Wissenschaftsministerinnen und Finanzministern auch immer wieder gelobt – und trotzdem wurde der Universität 2011 ein völlig sinnfreies Stellenstreichungsprogramm verordnet.

    Und nur scheinbar prallen hier organisatorische Überforderung in der Leipziger Universität und politisches Vabanque-Spiel der ministeriellen Geldgeber unglücklich aufeinander. Mancher schreibt das befürchtete Ende des TRM der „verfehlten Forschungspolitik der Universität“ zu.

    Andere haben so noch kurz vor Toreschluss die Einsicht, dass man ein sichtlich fest in den Leipziger Forschungsverbund zur Gesundheitsforschung eingebundenes Institut nicht einfach schließt, schon gar nicht, wenn die dort beforschten Themenfelder in einer zunehmend alternden Gesellschaft immer wichtiger werden.

    Alles, so teilte Sachsens Wissenschaftsministerin Eva Maria Stange mit, könne man freilich nicht retten, nur die wichtigsten Teile. Die Bundesgelder fehlen eindeutig.

    „Ich bin sehr froh, dass wir eine Lösung für den Fortbestand des TRM gefunden haben. Wir haben immer erklärt, dass auch nach dem Ausstieg des Bundes aus der Förderung dem Freistaat Sachsen sehr am Erhalt wesentlicher Teile des TRM mit den dafür erforderlichen Arbeitsplätzen gelegen ist“, erklärte sie am 30. Dezember. „Nun können die erfolgreichen Forschungsprojekte weitergeführt werden. Die regenerative Medizin unter Einschluss des TRM bildet derzeit und wird somit auch zukünftig einen der wesentlichen Schwerpunkte der Universitätsmedizin Leipzig darstellen. Die Erkenntnisse vor allem im Bereich Herz, Leber und Gelenke/Knorpel sollen in die klinische Anwendung im Interesse der Patienten und Unternehmen – wie etwa der Medizintechnik – übertragen werden. Das Wissenschaftsministerium unterstützt die Universität Leipzig bei dieser Zielsetzung.“

    Nach dem Auslaufen der Bundesförderung wollen der Freistaat Sachsen und die Universität das Zentrum nun als sächsischen Inkubator für die klinische Translation etablieren. Ergebnisse klinischer Forschung sollen dadurch möglichst schnell Patienten zugute kommen. Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst steuert dafür in den kommenden drei Jahren einen Sockelbetrag von je einer Million Euro bei. Zudem sollen neue Drittmittelprojekte eingeworben werden. Die inhaltlichen Schwerpunkte bilden die Bereiche Herzmedizin, Binde-/Stützgewebe und Leber.

    „Nachdem das Bundesforschungsministerium im Frühjahr dieses Jahres das Ende der Förderung bekanntgegeben hatte, war es ein hartes Stück Arbeit, das TRM zukunftsfähig zu machen“, ergänzt Prof. Dr. Beate Schücking, Rektorin der Universität Leipzig. „Am Ende dieses turbulenten Jahres konnten wir mit unserem Konzept zum Glück die Landesregierung überzeugen. Dem SMWK gilt mein großer Dank für die intensive Begleitung und Unterstützung. Nun haben wir die notwendige Basis, mit der zum einen bisherige Translationsprojekte weitergeführt, aber auch neue Drittmittelprojekte unter das Dach des TRM aufgenommen werden können.“ Sie sei stolz auf das TRM-Leitungsteam, ergänzte die Rektorin. „Die beteiligten Kolleginnen und Kollegen haben der Universität diese Entwicklungschance mit einem unermüdlichen Einsatz erkämpft.“

    Es wäre der erste Verlust für das in Leipzig über die letzten Jahre gewachsene Cluster der regenerativen Medizin geworden. Und man kann sich sicher sein, dass andere Forschungsstandorte in Deutschland die Sache ziemlich schnell übernommen hätten. Es war also durchaus auch am Freistaat Sachsen, hier einmal ein wenig Willen zur Stabilisierung zu zeigen.

    „Ich bin sehr erleichtert, dass wir sowohl das Wissenschafts- als auch das Finanzministerium von dem sehr hohen Wert der hervorragenden Leipziger Infrastruktur für die klinische Translation und von unserem auf fokussierten Forschungsschwerpunkten ruhenden Nachhaltigkeitskonzept überzeugen konnten“, erklärt Prof. Dr. Matthias Schwarz , Prorektor für Forschung und Nachwuchsförderung. Das TRM biete in räumlicher Konzentration „eine technologisch sehr attraktive Forschungsinfrastruktur“ und optimale Bedingungen für „eine Kooperation ganz neuer Qualität der Universität Leipzig mit dem Herzzentrum Leipzig“.

    Vor allem die Vernetzung von Hochschulbereich, Universitätsmedizin (Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Leipzig) und Herzzentrum Leipzig (in Trägerschaft der HELIOS Kliniken GmbH) stelle einen wichtigen Aspekt des Nachhaltigkeitskonzepts des TRM dar.

    Die Details der TRM-Verstetigung wollen das Wissenschaftsministerium und die Universität Leipzig dann zu Beginn des neuen Jahres im Rahmen einer Sonderzielvereinbarung abstimmen.

    „Mit der Landesförderung, einem Eigenanteil der Universität und bereits bewilligten Drittmitteln können wir das Kernpersonal halten und darüber hinaus weitere Wissenschaftler einbinden“, sagt Prorektor Schwarz. Aktuell habe das TRM 42 Beschäftigte, darunter 23 Wissenschaftler. Zielgröße für die nächsten Jahre sei ein wissenschaftlicher Betrieb mit mehr als 100 Personen.

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