Lehramtsausbildung in Sachsen: Der Semesterbeginn droht chaotisch zu werden

Am Freitag, 1. Juni, gab's den ersten Testballon, ließ die sächsische Landesregierung verlauten, das sich Wissenschafts-, Kultus- und Finanzministerium endlich auf die konkrete Umsetzung des "Bildungspakets 2020" verständigt hätten, das eigentlich schon im Dezember 2011 beschlossen wurde. Sachsen bildet noch immer zu wenige Lehrer aus, um den eigenen Bedarf decken zu können.
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Die Zahl der Lehramtsabsolventen an der Universität Leipzig und der Technischen Universität Dresden soll auf 1.700 pro Jahr steigen. Nach den ersten Informationen soll unter anderem die Zahl der Studienplätze in den kommenden beiden Studienjahren an den beiden Universitäten Dresden und Leipzig im Bereich Grundschulen auf fast 450, für Mittelschulen und Gymnasium auf zusammen über 850, für Berufsschulen auf 200 und für die Förderschulen auf 200 Studienplätze ansteigen.

„Wir hätten diese Ankündigung bereits vor Monaten gebraucht und haben immer wieder die rasche Umsetzung des noch im Dezember 2011 beschlossenen ‚Bildungspakets 2020‘ gefordert“, erklärt dazu Dr. Karl-Heinz Gerstenberg, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. „Nun, ein halbes Jahr später, liefert die Landesregierung endlich. Viel zu spät, denn erst jetzt können die Einstellungsverfahren für die neuen Stellen eingeleitet werden, während die Bewerbungsfristen für die Studierenden für das Wintersemester 2012/13 bereits angelaufen sind. Abgesehen davon liegt noch immer keine Lehramtsprüfungsordnung für das neue Staatsexamen vor. Dementsprechend können auch keine Studiendokumente erstellt werden. Fazit: Wir steuern auf einen völlig chaotischen Semesterbeginn in der Lehramtsausbildung zu.““Schön, dass das Kabinett Tillich noch vor Ende der Immatrikulationsphase ausschläft und Planungssicherheit für die Hochschulen beim Lehramt schaffen will“, sagt auch Holger Mann, Sprecher für Hochschule und Wissenschaft der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag. „Die neuen Zielzahlen für das Lehramtsstudium sind notwendig, um dem Lehrermangel aktiv begegnen zu können. Die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag hat darauf seit Anfang 2011 hingewiesen, doch wieder handelt die Ministerriege um Tillich spät und inkonsequent.“

Die neuen Zielvorgaben bedeuten aber auch, dass die Immatrikulationszahlen bei Grund-, Mittel- und Förderschullehramt binnen kürzester Frist mehr als verdoppelt werden müssen.

„Dies wird nur möglich sein, wenn jetzt eine intensive Werbeaktion startet und endlich auch die Vergütung bei Grund- und Mittelschullehrern verbessert wird“, sagt Holger Mann. „Zudem brauchen die Universitäten in Dresden und Leipzig neben dem dafür nötigen Personal auch die räumlichen Kapazitäten. Vier Monate vor Beginn des Wintersemesters ist man davon – vor allem in Leipzig – weit entfernt.“

Und der sächsische Sonderweg in der Lehrerausbildung droht jetzt ziemlich schnell zu einer echten Sackgasse zu werden. Holger Mann: „Zu kritisieren bleibt, dass die Staatsregierung mit der Umstellung von Bachelor-Master-Studiengängen auf schulartbezogene Staatsexamensstudiengänge und Reduzierung der Studiensemester den Hochschulen einen Bärendienst erwiesen hat. Nicht wenige Bewerber aus anderen Bundesländern werden aufgrund dieser Unsicherheiten sowie noch fehlender Studien- sowie Prüfungsordnungen wegbleiben. – Man kann eben nicht immer bis zum letzten Tag warten, wie es im Kabinett Tillich zu häufig geschieht. Schließlich müssen die Universitäten nun binnen weniger Monate qualifiziertes Personal einstellen, die Lehrplanungen absichern und nebenbei noch eine unnötige Rückabwicklung der Studienreform vollziehen.“

Wenn sie die Gelder dafür bekommen. Was ja nicht sicher ist. Auch wenn der Finanzminister mit am Tisch saß, der mit seiner Sparpolitik auch dafür gesorgt hat, dass das Problem sich in den letzten beiden Jahren zuspitzte. Kluge Politik reagiert rechtzeitig auf die Bedarfszahlen und spielt nicht kurz vor der Sommerpause medienwirksam Feuerwehr.

Annekathrin Giegengack, bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion: „Es entsteht immer stärker der Eindruck, dass die Staatsregierung nur noch damit beschäftigt ist, die schlimmsten Brandherde beim Lehrermangel auf den letzten Drücker zu löschen, damit nicht das ganze Haus abbrennt. Wir haben dies zuletzt bei den mühsam zusammengeklaubten neuen Lehrerstellen für das kommende Schuljahr gesehen. Jetzt ist es die viel zu späte Umsetzung des ‚Bildungspakets 2020‘ in der Lehramtsausbildung. Es fehlt der Staatsregierung ganz einfach an einem tragfähigem, ganzheitlichen Konzept.“


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