Das Befristungsunwesen an den sächsischen Hochschulen greift immer stärker um sich. Dies ergab eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Karl-Heinz Gerstenberg (Bündnis 90/Die Grünen). "War im Jahr 2009 zumindest noch fast jede dritte Stelle unbefristet, so konnte 2012 nur noch jeder Fünfte im wissenschaftlichen Mittelbau ein unbefristetes Arbeitsverhältnis sein Eigen nennen" kritisiert Gerstenberg, hochschulpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag.

“An den Universitäten finden sich nunmehr nur noch 10 Prozent unbefristete Stellen, drei Jahre zuvor waren es noch 14 Prozent”, stellt er fest. “Bereits Max Weber bezeichnete den Wissenschaftsberuf für Jungakademiker als ein ‘Hasardspiel’. Heute jedoch gleicht er einem Tummelplatz für abgeklärte Abenteurer. Die Entwicklung zu befristeten Verträgen hat alle akzeptablen Grenzen gesprengt.”

Als wäre dies nicht genug, seien Kettenverträge mit Laufzeiten von unter sechs Monaten immer häufiger anzutreffen. Im Jahr 2009 wiesen noch 21 Prozent der befristeten Stellen eine Laufzeit von unter sechs Monaten auf, nur drei Jahre später waren es bereits 24 Prozent. Die Universitäten belegen bei den Kurzzeitbefristungen mit einem Anteil von 30 Prozent einen traurigen ersten Platz, gleich gefolgt von den Fachhochschulen mit 25 Prozent.

“Die gern von Staatsregierung und manchen Hochschulleitungen gebrauchte Argumentation, dass es im wissenschaftlichen Mittelbau häufiger zeitlich begrenzte Aufgaben gäbe, kann angesichts dieser Zahlen nicht überzeugen. Es gibt in der Wissenschaft schließlich nicht nur Qualifizierung und Drittmittelforschung. Daueraufgaben in Lehre und Forschung brauchen ausreichend Dauerstellen. Nur auf diese Weise können junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berufliche Karrieren neben der Professur aufbauen”, so Gerstenberg. “Wer gut ausgebildeten jungen Akademikerinnen und Akademikern solche prekären Arbeitsverhältnisse zumutet, muss sich nicht wundern, wenn sie dem Freistaat den Rücken kehren. Wer kann es sich und seiner Familie auf Dauer schon zumuten, am Anfang eines Jahres nicht zu wissen, ob er im Sommer noch eine Beschäftigung haben wird?”

Leipzigs Hochschulen bilden dabei keine Ausnahme. Auch wenn der Anteil der unbefristeten akademischen Mitarbeiter an der Uni Leipzig 2012 prozentual stieg. Aber das war keine echte Zunahme der unbefristeten Anstellungen. Woher auch, wenn die Wissenschaftsministerin sogar eine Kürzung der Personalstellen verordnet hat. So stieg der prozentuale Anteil der Unbefristeten zwar von 11,68 auf 12,54 Prozent, Aber gleichzeitig nahm die Zahl der akademischen Stellen von 2.483 sogar auf 2.328 ab. Sachsens amputiert ja flächendeckend sein akademisches Potenzial. Die Zahl der unbefristet Beschäftigten stieg nur marginal von 290 auf 292. Zwar stieg die Zahl aller akademischen Mitarbeiter seit 2008 von 1.895 auf 2.328. Aber dahinter steckt vor allem ein Ausbau der marginalen Beschäftigung von wissenschaftlichen/künstlerischen Hilfskräften und befristeter Stellen.

An der HTWK beträgt der Anteil der unbefristeten Stellen am akademischen Personal nur noch 5,83 Prozent.

Die künstlerischen Hochschulen sind da eine echte Ausnahme. An der HGB beträgt der Anteil der unbefristeten Stellen 48 Prozent, an der Hochschule für Musik und Theater 56,36 Prozent.

Kleine Anfrage: ‘Beschäftigungssituation des wissenschaftlichen Nachwuchses an sächsischen Hochschulen’ (Drs. 5/11262)
http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=11262&dok_art=Drs&leg_per=5&pos_dok=2

Antrag der Grünen “Besser Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs – zukunftsfähige Personalstrukturen an den Hochschulen schaffen”
http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=5694&dok_art=Drs&leg_per=5&pos_dok=1

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Redaktion über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar