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Wovon Leipziger träumen: Heike Palluch, Schulleiterin des Kant-Gymnasiums

Von Heike Palluch, Schulleiterin der Immanuel-Kant-Schule
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    Tagtäglich lernt sie Leipzig besser kennen: Als Schulleiterin des Kant-Gymnasiums im Leipziger Süden erfährt Heike Palluch immer wieder neueste Episoden aus dem Leben von Großstadtkindern. Wovon sie unter diesen täglichen Eindrücken träumt?

    Leipzig ist eine wunderbare Stadt, die in den zurückliegenden Jahren in vielen Bereichen noch einmal gut gewonnen hat. Dieses Wachstum hat seinen Preis. Noch immer gehört Leipzig zu den Städten mit einer sehr hohen Anzahl arbeitsloser Bürger, knapp ein Fünftel der LeipzigerInnen ist auf Sozialleistungen angewiesen. Besonders bedenklich empfinde ich dabei, dass sich diese soziale Ausgrenzung stark territorial widerspiegelt und in Stadtteilen wie Grünau jedes 2. Kind betroffen ist.

    Als Schulleiterin eines Leipziger Gymnasiums, das mit seinem Namen Immanuel Kant einen der bedeutendsten deutschen Aufklärer ehrt, bin ich natürlich auch dessen mutigen Gedanken vom Gebrauch des eigenen Verstandes verbunden.

    Dem erwächst mein Wunsch: Ich wünsche mir, dass wir Leipziger wieder ein bisschen mehr Weltblick entwickeln und dass es uns besser gelingt globale Entwicklungstendenzen auch in der eigenen Betroffenheit und Mitverantwortung wahrzunehmen. Dazu gehört eine ehrlich gemeinte Gastfreundschaft genauso wie die gelebte Ökumene. Ich wünsche mir ein großstädtischeres Denken, mehr Weitblick, mehr bedachte Nachhaltigkeit. Ich wünsche mir, dass wir die Herausforderung Leipzig wirtschaftlich stärker aufzustellen erfolgreich bewältigen, damit neben stabilen Arbeitsplätzen auch Ressourcen für Bildung, Kultur und Sport oder unser „grünes Leipzig“ vorhanden sind. Ich wünsche mir einen sorgsamen Umgang mit unserem städtischen „Tafelsilber“, den Immobilien, Kultureinrichtungen und den Eigenbetrieben der Stadt Leipzig.

    In Sachen Bildung hat unsere Stadtverwaltung wichtige Grundsteine gelegt, auch finanziell. Leider wird ein Großteil der Mittel von dem immensen Investitionsstau in den Bildungseinrichtungen verschlungen. Manchmal stehen einem bei dem Gedanken daran sicherlich der Schulsozialarbeiter oder der Schulbibliothekar näher als die Brandschutztür. Und natürlich träumen wir von innovativ sanierten Schulen und Kindertageseinrichtungen dort, wo man wohnt und lebt. Mancher Traum wird dabei Traum bleiben müssen, mancher Traum aber kann in Erfüllung gehen, wenn wir uns mutiger des eigenen Verstandes bedienen…

    Mit dem Förderprogramm „Lernen vor Ort“ haben wir eine hervorragende Grundlage erworben, um bildungspolitische Maßnahmen inhaltlich so vorausschauend wie nachhaltig anzugehen. Die im Bildungsreport der Stadt Leipzig seit 2010 dargestellten Zahlen und Evaluationsergebnisse weisen zum Teil traurige Zustände in einzelnen Stadtteilen nach. Daraus ergeben sich klare Arbeitsaufträge an Bund, Land, Stadt und Schule.

    Die Infrastruktur unserer enorm wachsenden Stadt anzupassen, wird in den nächsten Jahren Leipzigs größte Aufgabe sein. Und vielleicht sollte deshalb auch nicht jeder Wunsch in Erfüllung gehen können. Vielleicht kann ein Denkmal zur Erinnerung an den Herbst 1989 noch etwas warten. Vielleicht kann Leipzigs – ich möchte fast sagen – einzigartige kulturelle Vielfalt nicht ohne Einschnitte auf diesem hohen Niveau weiter gefördert werden. Vielleicht können wir in den Stadtteilen durch eine konsequentere Vernetzung vorhandene Ressourcen besser aktivieren und gewinnen, wenn Strukturreformen der städtischen Verwaltung stärker nutzerorientiert umgesetzt werden.

    Ich wünsche mir und uns allen, dass Leipzig den Spagat zwischen dem gemütlichen, kleinstädtischen Flair und großstädtischer Weit- und Weltsicht schafft, damit wir in aller Munde bleiben und auch zukünftig als geschichtsträchtige Universitäts- und Buchstadt, als Musik- , Kultur- und Sportstadt geachtet und gefördert werden.

    Mit diesem Gedanken und den Worten Immanuel Kants möchte ich enden:

    „Wir sind im hohen Grade durch Kunst und Wissenschaft kultiviert. Wir sind zivilisiert bis zum Überlästigen, zu allerlei gesellschaftlicher Artigkeit und Anständigkeit. Aber uns für schon moralisiert zu halten, daran fehlt noch sehr viel.“

    (Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht. 1784. Akademie Ausgabe, Bd. 8, S. 26)
    Sie haben Wünsche, Ideen oder Vorhaben für 2014, die Sie gern ausführlicher beschreiben möchten? Oder vielleicht gar eine kreative Vision, was sich in Leipzig ändern könnte, wenn es denn nur gewollt wäre? Schreiben Sie uns Ihre Träume zum Jahreswechsel an redaktion@l-iz.de.

    Die schönsten „Leipziger Träumereien“ werden in den kommenden Tagen hier auf L-IZ.de von heute bis Januar zum Jahresstart 2014 veröffentlicht. Wir freuen uns auf alle Wünsche, Träume und Ideen – in der Länge der Beiträge gibt es kein Limit. Senden Sie gern auch Fotos, Impressionen oder andere Bildeindrücke mit. Ein Foto von einem selbst ist ausdrücklich nicht zwingend nötig.

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