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Väter lesen ihren Kindern noch immer zu wenig vor und 32 Prozent der Kinder wird zu selten vorgelesen

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    Vorlesen ist wichtig. Vorlesen erschließt Kindern nicht nur die Welt der Bücher, sondern sorgt auch dafür, dass ihr Kopfkino in Gang kommt, dass in ihrem nur zu aufnahmebereiten Gehirn Bilder und Geschichten entstehen. Eigene, unverwechselbare, lebendige. Etwas völlig anderes als der schrille Spuk aus TV und Videospielen. Noch lesen Eltern ihren Kindern vor, kann die jüngste Vorlesestudie der Stiftung Lesen bestätigen.

    Am Dienstag, 29. Oktober, wurde sie vorgestellt. Und der Befund tröstet eigentlich: 70 Prozent der befragten Eltern von zwei- bis achtjährigen Kindern lesen ihren Knirpsen mehrmals pro Woche vor. 30 Prozent tun das nur gelegentlich.

    Aber so recht zufrieden sind die Besteller der Studie nicht: „Viele Eltern fassen den Begriff des Vorlesens zu eng und denken, dass dazu immer ein gedrucktes Buch mit viel Text gehört. Schauen Eltern gemeinsam mit ihren Kindern Wimmelbücher an oder lesen Texte vom E-Reader vor, verstehen dies 23 Prozent nicht als Vorlesen. Mit Babys einfache Bilderbücher zu betrachten gehört für jeden fünften Befragten nicht dazu – obwohl gerade diese Impulse von Anfang an für die Entwicklung von Kindern wichtig sind.“

    Die Studie ist wie der Bundesweite Vorlesetag am 15. November ein gemeinsames Projekt von Stiftung Lesen, „Die Zeit“ und Deutsche Bahn Stiftung.

    „Viele Eltern verstehen den Begriff des Vorlesens zu eingeschränkt. Vor allem jene, die selten vorlesen, denken nur an das klassische Lesen von Buch mit Text. Auch Comics und Bilderbücher anschauen oder das Erzählen von Geschichten hilft den Kindern, Sprache zu entwickeln und lesen zu lernen“, erklärt Jürgen Kornmann, Leiter Marketing & PR der Deutschen Bahn und Beauftragter Leseförderung der Deutsche Bahn Stiftung.

    Rund 32 Prozent aller Eltern in Deutschland lesen ihren Kindern im Vorlesealter von zwei bis acht Jahren zu selten oder nie vor, ergibt die Studie 2019 freilich auch als Ergebnis. Dieser Wert hat sich seit 2013 nicht verändert. Vor allem Eltern mit formal niedriger Bildung lesen zu selten oder nie vor (51%) und haben darüber hinaus einen besonders konservativen Vorlesebegriff.

    Die Studie hat zudem herausgefunden, dass berufstätige Mütter mehr vorlesen als nicht berufstätige. Im Vergleich lesen 27 Prozent berufstätiger Mütter zu selten vor, bei den nicht berufstätigen sind es 39 Prozent. Väter sind weiterhin Vorlesemuffel, 58 Prozent von ihnen lesen selten oder nie vor.

    „Noch immer liest ein Drittel aller Eltern ihren Kindern zu selten vor, obwohl es Kinder auf vielfältige Weise fördert“, sagt Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer der „Zeit“ Verlagsgruppe. „Wir raten daher allen Müttern und Vätern, jeden Tag 15 Minuten vorzulesen.“

    Denn das Vorlesen hat mehrere positive Effekte für die Entwicklung der Kinder. Auch das zeigen zurückliegende Studien.

    Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, sind allgemein erfolgreicher in der Schule. Sie haben in Deutsch, Mathe und Fremdsprachen bessere Noten als Kinder, denen nicht vorgelesen wird. Das war ein Studienergebnis von 2011.

    Vorlesen hat darüber hinaus eine längerfristige soziale Bedeutung. Wurde Kindern regelmäßig vorgelesen, sind diese häufiger darum bemüht, andere in die Gemeinschaft zu integrieren. Auch ist der allgemeine Gerechtigkeitssinn dieser Kinder besonders ausgeprägt, ergab die Studie von 2015.

    Vier von fünf Kindern, denen regelmäßig vorgelesen wurde, fällt das Lesenlernen in der Grundschule leicht. Bei den anderen ist das laut ihren Eltern deutlich seltener der Fall (50 Prozent). Fragt man die Kinder selbst, ist sogar mehr als die Hälfte der Grundschüler mit wenig Vorleseerfahrung frustriert, weil das Lesenlernen ihnen zu lange dauert. Da war ein besonders erhellendes Ergebnis aus der Studie 2018.

    Denn beim Vorlesen wird ja nicht nur die Phantasie angeregt, sondern auch der Sprachreichtum der Kinder, ihre Fähigkeit, komplexe Vorgänge im Gedächtnis zu behalten und Lösungsstrategien für nicht immer nur simple Geschichten zu entwickeln. Sie sind nicht passiv, konsumieren einfach nur, was ihnen etwa aus der Flimmerkiste vorgesetzt wird wie ein überzuckertes Fertiggericht mit völlig falschen emotionalen Untermalungen. Sie werden regelrecht selbst hineinversetzt in die Geschichte, denn die entsteht ja in ihrem Kopf, angereichert mit ihren eigenen Erfahrungen, Bildern und Erlebnissen.

    „Unsere Aufgabe bleibt es weiterhin, Eltern zu motivieren und ihnen zu zeigen, dass Vorlesen wichtig für die Entwicklung von Kindern ist“, fasst Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, zusammen. „Sie können im Alltag auf vielfältige Weise sprachliche Anreize geben. Viele, gerade bildungsferne Eltern, tun dies bereits. Dann ist es vom Märchenerzählen über das gemeinsame Betrachten des Fotobuchs zum klassischen Vorlesen nicht weit. Darauf wollen wir nicht nur am Bundesweiten Vorlesetag am 15. November aufmerksam machen.“

    Die Vorlesestudie wird seit 2007 jährlich durchgeführt. 2019 hat KMF Krämer Marktforschung GmbH im Juni und Juli 700 Eltern von Kindern im Alter von 2 bis 8 Jahren (490 Mütter, 210 Väter) telefonisch befragt. Die Ergebnisse sind damit repräsentativ für diese Zielgruppen.

     

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      1 KOMMENTAR

      1. Nun, auch die Kinderbuch vorlesenden Eltern bereichern ihre Phantasie und ihren Gemeinschaftssinn.
        Im besten Falle im Gedankenaustausch mit ihren Kindern.

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