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Junge Menschen lesen digitaler, dafür deutlich weniger Bücher

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    Die gute Nachricht zum Weltalphabetisierungstag lautet: Noch sind wir eine Lesekultur. Daran hat auch das Aufkommen der „Neuen Medien“ nichts geändert. Denn wer mitreden möchte, der muss lesen können und auch komplexere Texte verstehen. Das ist den meisten Deutschen bewusst, wie eine Umfrage im Auftrag der „Stiftung Lesen“ ergab.

    Fast 85 Prozent der Erwachsenen in Deutschland halten es für ebenso wichtig oder noch wichtiger als vor 20 Jahren, gut lesen zu können. Menschen unter 30 Jahren lesen vor allem E-Mails und Textnachrichten sowie Internettexte (90,8 bzw. 84,7 Prozent), während bei Menschen über 60 Jahren insbesondere Zeitungen und Zeitschriften hoch im Kurs stehen (85,5 bzw. 69,3 Prozent).

    Die gleichbleibende oder größere Bedeutung des Lesens wird jedoch in allen Altersgruppen anerkannt (16-29: 76,4 Prozent, 30-44: 83,8 Prozent, 45-59: 88 Prozent, ab 60: 87 Prozent). Das ist das Ergebnis der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Stiftung Lesen in Auftrag gegebenen repräsentativen Befragung des Institutes für Demoskopie Allensbach anlässlich des heutigen Weltalphabetisierungstags.

    Wobei gerade der Vergleich zwischen den über 60-Jährigen mit den 16- bis 29-Jährigen deutlich macht, wie sehr sich vor allem das Trägermedium des Gelesenen verschoben hat. Bevorzugen die Senioren noch immer Zeitungen, Zeitschriften und auch die eigentlich längst aus der Zeit gefallenen Anzeigenblätter, beziehen die jungen Leute ihren Lesestoff zu jeweils über 90 Prozent aus E-Mails, SMS und Internetangeboten. Sie lesen also das, was die Älteren sich auf Papier zu Gemüte führen, in digitaler Form.

    Unterschiedliches Leseverhalten zwischen jungen und älteren Lesern.Grafik: Stiftung Lesen
    Unterschiedliches Leseverhalten zwischen jungen und älteren Lesern.Grafik: Stiftung Lesen

    Aber: Sie lesen ein bisschen weniger Bücher. Während sich die Lesegewohnheiten bei Sachbüchern (32 : 33 Prozent) noch ähneln, lesen zwar 35 Prozent der jungen Leute belletristische Bücher, aber das ist deutlich weniger als die 55 Prozent bei den Älteren.

    Das ist der Punkt, an dem nämlich der Zeitfaktor ins Spiel kommt. Zeit kann man nur in die Wahrnehmung von jeweils einem Medium investieren, auch wenn einige Leute glauben, sie seien auch dabei zum Multitasking fähig. Aber man kann nicht wirklich ein Buch lesen, während man sich Clips auf Youtube anschaut oder Online-Spiele spielt.

    Dennoch sind 22,3 Prozent aller Befragten und 34,1 Prozent der unter 30-Jährigen der Meinung, dass sie durch die digitalen Medien heute sogar mehr lesen als früher.

    „Wir beobachten eine Veränderung, keine Krise des Lesens“, meint Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen. „Deutschland steht aber schon lange vor einer größeren Herausforderung als dem medialen Wandel: Jedes fünfte Kind wird sprachlich nicht ausreichend gefördert oder hat bereits Probleme beim Lesen. Viele dieser fast drei Millionen jungen Menschen unter 18 Jahren sind die funktionalen Analphabeten von morgen.“

    Und auch das Problem in der Aufnahmefähigkeit des menschlichen Gehirns ist den Lese-Experten vertraut. Wer ständig auf mehreren Kanälen unterwegs ist, kann sich nicht mehr konzentrieren. Der begreift auch komplexere Zusammenhänge schwerer.

    Und tatsächlich steigen die Anforderungen an die Lese- und Medienkompetenz.

    „Besonders junge Menschen lesen heute anders und andere Dinge, mit einer enormen Bandbreite: von der Kurznachricht bis zum Hypertext“, erklärt Dr. Simone C. Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen. „Das erfordert ähnlich komplexe Strategien zur Sinnerfassung wie das vertiefte Lesen, das weiterhin mit dem Kinderbuch beginnt.“

    Bücher animieren ja direkt zum Sich-Konzentrieren, zum vertieften Verständnis und zur Stärkung der individuellen Phantasie.

    Aber wie holt man die jungen Menschen ab, wenn sie nicht mit Büchern aufgewachsen sind?

    Neben Buchgeschenken und Leseclubs entwickelt die Stiftung Lesen deshalb immer mehr digitale Formate. Unter www.einfachvorlesen.de finden Eltern wöchentlich neue Geschichten für Kinder ab 3 Jahren. Seit diesem Jahr können sich Kinder- und Jugendeinrichtungen in ganz Deutschland für ein media.lab bewerben. Diese erhalten neben Büchern, Spielen und Zeitschriften vor allem auch digitale Medien und Geräte, mit denen junge Menschen gemeinsam kreativ werden können (www.media-labs.info).

    Die Umfrage zum Weltalphabetisierungstag stützt sich auf insgesamt 1.295 Face-to-Face-Interviews zwischen dem 1. und 12. Juli 2018 mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahren.

     

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