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50. Todestag von Lene Voigt am 16. Juli: Eine etwas andere Gedenk-Veranstaltung und ein Tag im MDR

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    Am 16. Juli vor 50 Jahren starb in Leipzig - von der Öffentlichkeit unbemerkt - eine der größten Töchter ihrer Heimatstadt: die Schriftstellerin Lene Voigt. Mit ihren sächsischen Balladen - Parodien, ihren witzigen Gesprächen Leipziger Hausfrauen und ihren Gedichten, die so treffend sächs'sches Gemied und Mutterwitz widerspiegeln, machte sie sich bereits in den zwanziger Jahren einen Namen als die sächsische Nachtigall.

    Nach dem Schreibverbot durch die Nazis und der Ignoranz ihrer Arbeiten durch die DDR-Kultur-Offiziellen erlebt sie heute auf den Kabarett-Bühnen und in den Buchhandlungen eine ungeheure Renaissance.

    Wie hat Lene Voigt geschrieben? Wie ist sie mit dem sächsischen Dialekt und dessen Schreibweise in ihren Texten umgegangen? Wie schätzen Literatur- und Sprachwissenschaftler ihre Bedeutung für die deutsche Literatur ein? Wie ist ihre Stellung im Reigen deutscher Dialektdichtung? Dass Lene Voigt nicht nur eine sächsische Mundartdichterin war, sondern uns auch viele beachtliche Arbeiten in der Hochsprache hinterlassen hat, wissen viele ihrer Anhänger nicht. – Auch dies ist ein interessanter neuer Aspekt im Gesamtschaffen der Schriftstellerin.

    Zu all diesen Themen lädt die Lene-Voigt-Gesellschaft e.V. am Montag, 16. Juli, zu einem interessanten Gedankenaustausch ein, bei dem sich Fachexperten erstmalig wissenschaftlich Lene Voigt nähern. Vorträge von Literaturforscher und Lene-Voigt-Entdecker Wolfgang U. Schütte, Historiker Prof. Dr. Peter Porsch, Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Beat Siebenhaar, der mit seiner These, dass Sächsisch ausstirbt, für Furore sorgte, Medienwissenschaftler Prof. Dr. Karl-Heinz Röhr und Uwe Rohland, leidenschaftlicher Rezitator von Lene-Voigt-Texten, werden für spannenden Diskussionsstoff auch aus dem Publikum sorgen.

    Die Lene-Voigt-Gesellschaft lädt herzlich zu diesem Lene-Voigt-Kolloquium am Montag, 16. Juli, ab 13.00 Uhr im Mediencampus Villa Ida (Poetenweg 28) ein.
    Lene Voigt im MDR

    MDR Figaro widmet der Mundartdichterin im Tagesprogramm am Montag, 16. Juli, einen ganzen Thementag, an dem mehrere Beiträge der Dichterin gewidmet sind. Im „Journal am Morgen“ (08.40 Uhr) äußert sich Prof. Dr. Beat Siebenhaar vom Institut für Germanistik der Universität Leipzig über Dichtung und Dialekt. Im „Journal am Mittag“ (12.40 Uhr) geht es in einem Beitrag von Harald Pfeifer um Werk und Leben Lene Voigts und im „Journal am Nachmittag“ (17.10 Uhr) spricht der Kabarettist Tom Pauls über Spaß und Ernst in den Gedichten der Autorin.

    Schon am Sonntag, 15. Juli, kann man im MDR Fernsehen die Unterhaltungssendung „Komik, Katastrophen und Künstlerblut“ sehen. Sie beginnt 20.15 Uhr. Hier gibt es 90 Minuten lang Ausschnitte aus Lene-Voigt-Programmen zu sehen, unter anderem mit Tom Pauls alias Ilse Bähnert, Gunter Böhnke, Katrin Hart, Gisela Oechelhäuser und Bernd-Lutz Lange.

    Eine Sendung, die auch deutlich macht, dass es – neben dem emsigen Wolfgang U. Schütte, der Lene Voigts Texte in der DDR wieder zum Druck brachte, die sächsischen Kabarettisten waren, die ab den 1970er Jahren das Werk der Dichterin wieder ins Bewusstsein des Publikums zurück brachten.Denn als die sächsische Mundartdichterin Lene Voigt am 16. Juli 1962 starb, war sie fast vergessen. Vergessen gemacht worden, nachdem sie 1936 Publikationsverbot erhalten hatte und ihre Arbeiten auch in der DDR anfangs nicht wieder aufgelegt wurden. Ihr Verlag – der A. Bergmann Verlag – war nach 1945 wie so viele angestammte Leipziger Verlage in den Westen gegangen – genauer nach München. Dort erlebten Lenes Klassiker noch in den 1950er ein paar Auflagen, bevor es auch im Westen stiller wurde um sie. 1978 begann dann auch dort ihr Comeback mit der beliebten Taschenbuch-Ausgabe des Rowohlt-Verlages.

    Lenes Leben

    Lene Voigt, am 2. Mai 1891 als Helene Wagner in Leipzig geborenen, war eine moderne und starke Frau. Als geschiedene Frau und alleinerziehende Mutter verlor sie früh ihren Sohn und musste als freie Autorin ihren Lebensunterhalt verdienen. In den 1920er Jahren gehörte Lene Voigt zu den großen Stars des sächsischen Humors. „Doch die Nazis verboten ihre Gedichte, weil der sächsische Dialekt wie auch ihr Witz alles Pathos im Handumdrehen zunichte machte. Auch in der DDR war der Dialekt beargwöhnt worden, weil sächsische Bühnentexte eine Ulbricht-Parodie vermuten ließen“, schreibt der MDR über die Unvergessene. „Als Lene Voigt und ihre Werke fast vergessen waren, holten sie der Leipziger Autor Wolfgang U. Schütte und die ‚academixer‘ Ende der 70er Jahre wieder ans Licht und verhalfen ihr zu großer Beliebtheit.“

    Lene Voigt publizierte im „Drachen“, in der „Roten Fahne“ oder in der „Neuen Leipziger Zeitung“, wo auch Erich Kästner arbeitete. 1925 erschien ihr erstes Buch: „Die säk’schen Balladen“. Ihr Markenzeichen sind die unsterblichen Klassikerparodien, in denen sie die große Welt der „Könige“ mit der kleinen des „armen Schluckers“ zusammenbringt.

    Als die Nazis an die Macht kamen, fiel Lene Voigt in Ungnade. Sie galt wegen ihrer Arbeit für die „Rote Fahne“ als Linke. Zudem wurden ihre Parodien auf den Spießer als Beleidigungen des Sachsen gewertet. 1936 erhielt sie Publikationsverbot.

    Lene Voigts Weltsicht und ihr unübertroffener Humor führten dazu, dass Mitglieder des Leipziger Kabaretts „academixer“ die Mundartdichterin Ende der 1970er Jahre für sich entdeckten. Seither sind die Gedichte der „unverwüstlichen Lene“ von der kleinen Bühne, vor allem in Sachsen, nicht mehr wegzudenken.

    Das Grab von Lene Voigt findet man auf dem Südfriedhof. Dort liegt sie seit 2002 in einer Nachbarschaft, die ihr auf jeden Fall gefallen hätte: Neben ihr ist der so früh verstorbene Jürgen Hart beerdigt, der sich mit „Sing, mei Sachse, sing“ in die Herzen der Sachsen gesungen hat.

    Das Lied entstand aus der selben Haltung, die auch in einem der berühmtesten Gedichte von Lene Voigt zum Ausdruck kommt. Die bekannteste Strophe daraus ist auf ihrem Grabstein zu lesen: „Was Sachsen sin / von echtem Schlaach / die sin nich / dod zu griechn …“

    Zum Lene-Voigt-Kolloquium: www.lene-voigt-gesellschaft.de

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