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Leipzigs Stadtmuseum bittet um Mithilfe: Was ist aus Siegesdenkmal und 25 Zentnern Stalin geworden?

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    Es gibt Zeiten, da sind einige Leute geradezu närrisch nach einem Denkmal und denken nicht daran, dass ihr Denkmal bei künftigen Generationen sogar für Verstimmung sorgen könnte. Das war auch in Leipzig immer wieder mal der Fall. Das will das Stadtgeschichtliche Museum im September in einer Ausstellung mit dem Titel "Freiheit! Einheit! Denkmal!" thematisieren, die sich verschiedenen politisch umstrittenen Leipziger Denkmalen widmet.

    In Vorbereitung der Ausstellung bitten die Museumsmacher nun freilich um Mithilfe der Bevölkerung. Denn oft ist zwar der Aufbau so eines Denkmals bestens dokumentiert. Aber wenn es ums Abtragen ging, hat man sich oft gescheut, auch das noch akribisch zu dokumentieren.

    Gesucht werden jetzt also Informationen und Überreste verschwundener Denkmale.

    Die Recherchen zur Ausstellung führten zu vielen vergessenen Geschichten und zu manch längst vergessenen Reststücken, doch an einige Denkmale, die zu ihrer Zeit eine große Rolle gespielt haben, erinnert in der Stadt nichts mehr. Auch Archiv-Akten sagen nichts über ihr Schicksal aus.

    Deshalb fragen die Ausstellungsmacher nun Leipziger Zeitzeugen: „Wer kann hier helfen? Wer kann uns mitteilen, was mit den Resten dieser Denkmale geschehen ist?“

    Konkret handelt es sich um zwei Denkmale: das 1888 errichtete Siegesdenkmal auf dem Markt, das den Sieg über Frankreich und die Reichsgründung verherrlichen sollte, und das 1953 auf dem damaligen Karl-Marx-Platz eingeweihte Stalindenkmal.Das Siegesdenkmal stellte Kaiser Wilhelm I., den sächsischen König Albert, Reichskanzler Otto von Bismarck sowie weitere Politiker und Soldatenfiguren dar, überragt von einer fast 4 Meter hohen Germania. Diese Bronzestatuen standen auf einem Granitsockel.

    Das Denkmal dominierte schon wegen seiner Größe für viele Generationen den Marktplatz und wurde bis 1918 in patriotische Feste einbezogen. Umstritten war es erst in der Weimarer Republik. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand es wie andere „militaristische und nazistische“ Erinnerungszeichen jedoch in der Kritik von linken Politikern der Stadtverwaltung und der sowjetischen Besatzungsmacht. Im Herbst 1946 wurden die Figuren und der Steinsockel demontiert und abtransportiert. Damit endet die bekannte Geschichte des Denkmals, nur der Verbleib eines Granitblocks ist eher zufällig bekannt. Er fand Verwendung als schlichter Gedenkstein für Heinrich Heine im Garten des Volkshauses.

    „Wer kann sich an das Denkmal in der unmittelbaren Nachkriegszeit erinnern und weiß, was mit den Bronzefiguren und Granitquadern geschehen ist?“, fragt Dr. Johanna Sänger, Kuratorin für Stadt- und Landesgeschichte ab 1800 im Stadtgeschichtlichen Museum.Das bronzene Stalindenkmal stand nur zwei Jahre lang an prominenter Stelle vor der Ruine des Theatergebäudes auf dem ehemaligen Karl-Marx-Platz (heute Augustusplatz). Im Zuge des Stalinkults schenkte die DDR-Regierung unter Walter Ulbricht der Stadt Leipzig ein 5 Meter hohes und 25 Zentner schweres Standbild.

    Stalins Tod am 5. März 1953 gab den Anlass, es schnell auf einem improvisierten Holzsockel aufzustellen. Dort wurde es Zeuge der Trauerfeier und anderer offizieller Kundgebungen, aber auch des Volksaufstands am 17. Juni. Bald jedoch war der Sockel marode, auch stand es dem Neubau der Oper im Weg. Deshalb konnte der inzwischen nicht mehr so hochverehrte Generalissismus entfernt werden. Man versprach den Leipzigern, dass das Denkmal an der damaligen Stalinallee (heute Jahnallee) wieder aufgestellt werden würde. Stattdessen wurde die über Jahre eingelagerte Figur in einer heimlichen Aktion offenbar zerstört und eingeschmolzen.

    „Wer kann sich an den Abbau und an diese Aktion erinnern? Sind Einzelteile erhalten?“, fragt Johanna Sänger.

    Hinweise nimmt das Stadtgeschichtliche Museum gern entgegen. Man kann schreiben oder anrufen bei Dr. Johanna Sänger, Tel. (0341) 9651313, E-Mail: johanna.saenger@leipzig.de.

    www.stadtgeschichtliches-museum-leipzig.de

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