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Leipzig im Jahr 1914: Hochwasser in Leipzig

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    Nach der langen Hitzewelle kommt nun der Regen. Hochwasser bedroht die Bauarbeiten am Elsterbecken. Derweil ist große "Ball-Zeit" in unserem Vorkriegs-Leipzig, wo auch vor den Ernsten Bibelforschern gewarnt wird.

    Die Leipziger Mission hat ihren Jahresbericht fertig. Darin beleuchtet sie auch den „gegenwärtigen Stand der Arbeit im Tamulenland und in Deutsch- und Britisch-Ostafrika, nebst einigen Originalberichten der Missionare.“ Gleichzeitig wird informiert, dass Post über den dominikanischen Hafen Puerto-Plata bis auf weiteres nicht transportiert werden könne. Der Hafen ist blockiert.

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    MKS im Königreich. Im Königreich Sachsen wurde am 15. Juli in elf Gemeinden und 27 Gehöften die Maul- und Klauenseuche „amtlich festgestellt“.

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    Der XII. Deutsche Samaritertag wird vom 19. bis 21. September in Leipzig stattfinden.

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    Geburt und Tod in Leipzig. „Nach dem Statistischen Amte der Stadt Leipzig herausgegebenen 28. Wochennachweis der Bevölkerungsvorgänge in der Stadt Leipzig betrug in der Woche vom 28. Juni bis mit 4. Juli die Zahl der Lebendgeborenen in Gesamt-Leipzig 247. Davon waren 131 männlichen, 116 weiblichen Geschlechts; 194 waren ehelich, 53 unehlich geboren. Die Zahl der Totgeborenen betrug in der genannten Woche in Gesamt-Leipzig 12. […] Es starben in der Woche vom 5. bis mit 11. Juli 151 Personen, 39 waren Kinder unter einem Jahre, von denen 27 ehelich und 12 unehelich geboren waren. Als Todesursache verzeichnet die Statistik 1 Fall von Kindbettfieber, 1 Scharlachfall, viermal führen Masern- und Röteln zum Tode, in 3 Fällen Diphterie.[…] Durch Selbstmord endeten 9 Personen, durch Mord 1.“

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    Oberbürgermeister Dittrich kehrt am 19. Juli aus dem Urlaub zurück und „nimmt die Amtsgeschäfte wieder auf.“

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    Schonung für Frösche. In den LNN findet sich am 19. Juli folgende Verlautbarung: „Wie allgemein bekannt sein dürfte, sind die Frösche ausgezeichnete Insektenvertilger. Ihre Schonung ist überall da, wo Fliegen- oder Mückenplage herrscht, dringend am Platze. Um so bedauerlicher ist die Wahrnehmung, die in letzter Zeit mehrfach gemacht worden ist, dass die in den Wasserlachen der Elsteraue befindlichen Frösche in großen Mengen weggefangen, getötet oder verkauft werden. Im Interesse der Bekämpfung der Mückenplage in der Leipziger Gegend sei dringend um Schonung der Frösche gebeten.“

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    Die Vereinigung ernster Bibelforscher ist in Sachsen angekommen. „Das Motiv der lebhaften Propaganda, welche die Sekte gegenwärtig entfaltet, liegt hauptsächlich in der von ihr gelehrten Anschauung, dass mit dem Herbst dieses Jahres das Millennium, d.h. das tausendjährige Reich der Bibel anbrechen würde“. Die evangelische Kirche warnt „auf grund eingehenden Studiums der zu Millionen verkauften Schriften und zahlreichen Erkundigungen aus dem Reich.“ Wenn das Kommende das tausendjährige Reich der Bibel wäre, hätte ich es mir anders vorgestellt.

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    Apropos Schriften: Die zweite Nummer der Leipziger Blätter zur Bekämpfung der Tuberkulose sind erschienen.

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    Ferienfreude für Leipziger Kinder. Im König-Albert-Park dürfen Kinder zwei Spielwiesen benutzen. Die „am Saume des Nonnenholzes“ gelegenen Wiesenflächen dürfen wöchentlich abwechselnd für Kinderspiele genutzt werden. „Während also auf der östlichen Wiese in dieser Woche von den Kindern gespielt wird – Fußballspielen, sowie das Hinlagern ist ausgeschlossen – liegt die andere westliche ruhig da. Im Wegesrande aufgestellte Tafeln besagen, welche Wiese in der laufenden Woche zum Spielen benutzt werden darf.“

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    Am 17. Juli bewilligt das Königliche Ministerium den Bebauungsplan und den Beschließungsplan für Mölkau. Der Gemeinderat will zudem eine Abtrennung vom Leichenfrauenbezirk Engelsdorf und eine Angliederung an Paunsdorf erwirken.

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    Am Wochenende ist wieder große Werbezeit in den LNN. Foto: Stadtarchiv
    Am Wochenende ist wieder große Werbezeit in den LNN. Foto: Stadtarchiv

    Annonce eines Zahnarztes mit kuriosem Namen im Juli 1914: „Die Angst vor dem Zahnziehen – hindert noch viele Patienten, sich rechtzeitig in Behandlung zu begeben. Diese Furcht ist aber vollkommen unbegründet, da ein tüchtiger, gewissenhafter Fachmann jetzt tatsächlich Zähne und Wurzeln in den meisten Fällen fast gänzlich schmerzlos entfernen kann. Um nun das geehrte zahnleidende Publikum davon zu überzeugen, bin ich bereit, falls die in meiner Praxis schon mit größtem Erfolge erprobte Behandlung nach neuester Methode nicht völlig der Zufriedenheit entspricht, sie kostenlos auszuführen. Zahlreiche Bestätigungen meiner Patienten über wirklich schmerzloses Zahnziehen können vorgelegt werden. Zahn-Praxis P. Zuckermann, Grimmaischer Steinweg 20 (Johannisplatz)“ Ist es die Methode „Holzhammer“?

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    Für das Hauptrestaurant auf der Bugra wird ein Barfräulein gesucht. „angenehme Erscheinung, mit guten Umgangsformen und bester Garderobe. Kleine Kaution Bedingung.“ Während das Hotel „Deutsches Haus“ am Lindenauer Markt noch mal klarstellt: „Die Leipziger Jugend tanzt und amüsiert sich nur im Deutschen Haus.

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    Am Wochenende ist wieder große Werbezeit in den LNN. Vor allem Etablissements suchen Gäste für ihre Veranstaltung, vornehmlich Bälle: Elite-Bälle, Ballfest, Ball der Jugend… Unter den Werbenden: Schillerschlößchen, Café Esplanade, Luna-Park am Auensee, Drei Mohren, Güldne Aue Sellerhausen, Papiermühle Stötteritz, die Reichshallen Volkmarsdorf in der Elisabethstraße, die Gute Quelle am Brühl, der Charlottenhof, das Klein-Paris in der Windmühlenstraße oder das Elysium in der Elisenstraße, der heutigen Bernhard-Göring-Straße. Der Luna-Park war 1911 eröffnet worden und so etwas wie das Vorkriegs-Belantis mit zahlreichen Restaurants und Fahrattraktionen, unter anderem etwa einer Gebirgsszeneriebahn. Genau genommen war der Luna-Park mit seinen 500.000 Quadratmetern Fläche sogar fast doppelt so groß wie Belantis (270.000 Quadratmeter)

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    Hochwasser bedroht Bauarbeiten. Die heftigen Gewitterregen der letzten Tage sorgen für einen Schreck bei den wichtigen Bauarbeiten an der Aushebung des Elsterbassins auf den Lindenauer Wiesen. „Die Arbeiten wurden besonders in letzter Zeit sehr eifrig gefördert, sogar des Nachts arbeiteten die Bagger, rollten die Züge, die die ausgehobenen Erdmassen hinwegtragen nach den Stellen, wo sie zur Aushöhung des Geländes gebraucht werden.“ Nun also Hochwasser. „Vornweg darf gesagt werden, dass bisher größerer Schaden durch das Wasser nicht angerichtet worden ist. Das Wasser strömte am Hochflutwehr bei dem Palmengarten auf die Lindenauer Wiesen über, lief dort in dem alten Hochflutgraben bis zur alten Flutbrücke der Frankfurter Straße und strömte dann unter dieser und den ersten beiden Bogen der neuerbauten Brücke im Zuge der künftigen Frankfurter Straße hinunter in das bis hierher ausgehobene Bassin. […] Es zeigte sich gestern bereits, welche riesige Wassermenge das Bassin schon jetzt aufzunehmen im Stande ist.“ Die Entscheidung, ein Hochflutbecken an dieser Stelle zu bauen, war erst 1911 gefallen, die Bauarbeiten waren 1913 begonnen worden und sollten infolge des Kriegsausbruchs auch noch elf Jahre andauern.

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