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Leipzig, Weihnachten 1914: Verluste und Vermarktung, Hindenburg und Helden

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    Traurige Nachrichten am Fest der Liebe inklusive: Wieder sind 16 Mann aus Leipzig und Umgebung gefallen. Das Kaufhaus Eulitz hat sich derweil auf den Krieg eingestellt und von Hindenburgs großer Schlacht von Tannenberg soll auch in Leipzig ein Vortrag künden. Der Eintritt ist teurer als manch Weihnachtsbaum.

    Baumpflanzungen in der Lößniger Straße. Die Lößniger Straße ist zwischen Meusdorfer Straße und Gartenkolonie fertiggestellt. Jetzt fehlt nur noch die Bepflanzung. „Nach dem Vorschlage der Gartenverwaltung ist als geeignete Baumart die Akazie in Aussicht genommen.“

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    Direkt unter dem Artikel steht die Verlustliste der Königlich-Sächsischen Armee, ausgegeben am 24. Dezember 1914, nachmittags. Darauf befinden sich 16 Personen aus Leipzig, Oschatz, Zwickau, Klinga, Hainichen, Geringswalde, Oppeln und Wurzen. Gefallen in Frankreich, westlich von Lille, teilweise schon vor drei Wochen. Der Fachterminus „Verlustliste“ bezieht sich dabei allerdings nicht auf die Verluste, die Familien erleiden, sondern, die die Armee erlitten hat, denn Verletzte werden auch geführt. Und auf der anderen Seite stehen die Weihnachtsgrüße „unserer Feldherren an Volk und Heer“.

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    Auch das Kaufhaus F.B. Eulitz aus der Grimmaischen Straße hat sich der Weltlage angepasst. Es wirbt: „Im Schützengraben ist zweckentsprechende warme Unter-Kleidung ein dringendes Bedürfnis.“

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    Der Leipziger Männerchor e.V. lädt zur 18. Vaterländischen Veranstaltung am Freitag, den 1,. Januar nachmittags 4 Uhr in die Alberthalle. „Mit Genehmigung des Kgl. Garnisonskommandos Neujahrsfeier für unsere verwundeten Krieger.“

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    Die Berliner Urania wird am 3. Januar ein einmaliges Gastspiel geben. Im Festsaal des Centraltheaters bietet sie einen Lichtbildvortrag zum Thema: „Auf den Schlachtfeldern in Ostpreussen. Der Einfall der Russen auf deutsches Gebiet.“ Direktor Franz Görke wird referieren. Die Ankündigung liest sich wie folgt: „Wenn die Berliner Urania mit ihrem hochaktuellen Lichtbildervortrag über die russischen Verwüstungen in Ostpreussen in eine Stadt einkehrt, dann wird überall der Name Hindenburg genannt. Unlöslich mit diesem Namen ist die Schlacht bei Tannenberg, die russische Niederlage bei den masurischen Seen verknüpft. Diese Schlacht bildet den Gipfelpunkt des Gastspiels (II. Teil). Im I. Teil werden malerische Landschaften, Städte und Dörfer in wundervollen Aufnahmen gezeigt. Sie bilden aber nur den Auftakt für Wiedergabe eines Dramas, wie es erschütternder kaum gedacht werden kann. Vernichtete Stätten, zerstörte Gärten bezeichnen den Weg, den die Russen genommen haben. Die Lichtbilder (120) sind an den ostpreussischen Verwüstungsstätten aufgenommen. Karten: 2 Mark, 1,50 Mark, 1 Mark. Zur Erinnerung: Ein Weihnachtsbaum kostet damals normalerweise 1 Mark.

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    Verlegung. Die 26. Polizeiwache und die Bezirksmeldestelle in Leipzig-Schleußig werden verlegt. Sie ziehen von der Rochlitzstraße 33 in das Erdgeschoss Brockhausstraße 32.

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    Verlobte. Eine ganze Seite widmen die LNN den Verlobten der Stadt, die das freudige Ereignis mittels Anzeige kundtun. Hier und da finden sich auch die neumodischen Bezeichnungen des Zeitpunkts wie bei der Vermählung von Paul Schleich und Martha Berger. „Wir haben die Ehre, die Verlobung unserer Tochter Martha mit Herrn Dr. rer. Pol. Paul Schleich, z.zt. Einj. Kriegswilligem bei der 2. Kgl. Sächs. Train-Ersatzabteilung Nr. 19, anzuzeigen. Otto Berger und Frau Fanny (geb. Eisenhuth). Leipzig, Kriegsweihnachten 1914, Grimm. Steinweg 10.

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