Zum 30. April öffnen die Spinnerei-Galerien in Plagwitz wieder ihre Schatullen. Der Frühlingsrundgang steht an. Die maerzgalerie vermeldet schon ihren Höhepunkt im Ausstellungs- und Verkaufssommer. Bis zum 30. Juli finden sich hier Arbeiten des HGB-Absolventen Thomas Sommer ein. Damit hält der Zug des Lebens Einzug.

“Die Galerie ist opulent ausgestattet und fast keine Ausstellung mehr, es ist die Bühne für den Zug des Lebens”, verkündet bedeutungsschwanger die Spinnerei-Galerie. “Thomas Sommer hat dick aufgetragen: Öl und Acryl auf große Leinwände. Dazwischen getürmt und geschichtet: Die Objektkästen. Sie ergänzen einerseits das Thema und kontrastieren gleichzeitig den Stil: die Guckkästen, alle frontverglast (30 x 64,5 x 15 cm), sind archivarisch durchnummerierte dreidimensionale Collagen, die die Kombinationslust herausfordern mit ihren Bezügen und Zitaten, oder die Deutewut überdehnen mit ihren zeichnerischen Verschachtelungen”, so die Galerie zu den Arbeiten, die die Grenzen der Malerei zu sprengen scheinen.”Im Zentrum der Schau steht die Installation, die ihr auch den Titel gibt; ein Himmels-Triptychon mit vorgesetztem Objekt “C-0”. Ursprünglich geschaffen als “Das große Scheitern’ wird es ab 1. Mai zum ‘Triumph der Mineure’… Mit diesem ausladenden Thema hat Thomas Sommer auf überraschende Weise zum vollendet ausgeführten Bild zurückgefunden”, so die Galerie weiter in ihrer Mitteilung. “Jedes Werk ist ein Panorama, fast altmeisterlich ausgearbeitete Wolken und Segmente von Landschaft; Horizont, Bergen, großen Weiten. Vor diesem Ausblick der Anblick der Kreatur: Todesmarsch, Loveparade, Prozession, Gorleben, Montagsdemo, all das. Der Auszug aus der Diktatur, der Sünde, der Langeweile, oder der aus Ägypten wird auf der fünfteiligen Arbeit ‘Fremdkörper’ zu einem durchkomponierten Epos, vor dramatischem Himmel, nicht unromantisch, aber ohne falsches Pathos.”

Der in Sachsen geborene und bei Leipziger Künstlern wie Arno Rink und Sighard Gille in die Schule gegangene Thomas Sommer schafft laut maerzgalerie “ein komplexes Sinnbild der humanen Existenz: einen dichten Menschenstrom mit ausgefransten Rändern, wo sich einzelne verlieren, zurückbleiben oder zu zweifeln beginnen, die Masse aber läuft weiter. Und man ahnt es: sie läuft im Kreis.”

Was seine Bilder nicht erzählen, der an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte Künstler lebt und arbeitet zurückgezogen auf dem Land, in Mocktitz (bei Torgau). Er muss also nicht mitten im Trubel einer Großstadt leben, um den “klaren Bick auf die selbstgefällige wie angstgepeitschte Betriebsamkeit der vorbeiziehenden Menge einer Gegenwart” zu beschreiben. “Der Abstand verschafft ihm die Gelassenheit, das erschaute Getöse in Ruhe zu bildgewaltigen Formeln zu binden und in gute, ja regelrecht schöne Bilder zu wandeln. Aus seinem verschwiegen verschlossenen Provinzgehäuse schickt der Misanthrop drei, vier Mal im Jahr solche Visionen, auf die kaum jemand gefasst ist.”

Da ist die maerzgalerie gerne versucht den Künstler zu fragen, ob Sommer selbst ein “Minero” ist. Er soll lachend abgewunken und gesagt haben: “Schreibt was ihr wollt”. Er kann das laut maerzgalerie so gelassen tun wie kaum ein anderer, denn er ist weit weg von der Stelle, wo der Tross am dichtesten ist.

Thomas Sommer “Triumph der Mineure”, Malerei / Assemblage, vom 30. April bis 30. Juli 2011 in der maerzgalerie Leipzig zum Frühjahrsrundgang der Spinnerei-Galerien in Leipzig 11 – 21 Uhr am Samstag und zum 1. Mai von 11 – 18 Uhr.

Maerzgalerie Online
www.maerzgalerie.com

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar