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Das Pandoraprinzip: Leipziger GEDOK eröffnet am 4. Juli ihre Jahresausstellung 2013

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    In der Kunst ist es wie im richtigen Leben - die Männer geben den Ton und die Marktpreise an, bekommen den Ruhm und den schönen Titel "Leipziger Schule". Und die Frauen? - Sie haben in der Regel dasselbe studiert, sind genauso talentiert, wählen manchmal etwas andere Sichtweisen und historische Verwurzelungen - und sitzen am Katzentisch. Das war auch 1926 schon so.

    Deswegen gründete sich damals in Hamburg als Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine die GEDOK. Seit 1992 ist sie auch wieder in Leipzig präsent. Am 4. Juli eröffnet sie ihre Jahresausstellung 2013.

    Natürlich auf verwirrende Weise. Die Sagen- und Mythenwelt ist ja voller weiblicher Gestalten, die Männer in Verwirrung bringen. Dazu gehört Pandora. Das „Pandora-Prinzip“ ist die Jahresausstellung betitelt, die am Donnerstag, 4. Juli, um 19.30 Uhr im Haus des Buches eröffnet wird. Zur Eröffnung sprechen Brunhild Fischer, die GEDOK-Vorsitzende, Dr. Eva-Maria Stange, die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, und die Kulturwissenschaftlerin Birgit Rehme-Iffert. Aufgelockert wird das Ganze mit einer Improtanz-Performance von Natalia Sánchez Seseña, Blanca Lou Cotolí und Anja Böttger.

    Und wie stehen Leipzigs Künstlerinnen nun zu Pandora?

    „Pandora – sie ist zunächst einmal bekannt als eine überaus negativ besetzte Frauenfigur in der Mythologie. Betrachtet man jedoch genauer die verschiedenen Aspekte, für die sie stellvertretend steht, so kann man ihr Interpretations- und Sichtweisen abgewinnen, die eine neue und weniger eindimensionale Art der Auslegung nahelegen. Dieser lohnenden Herausforderung möchten sich die Künstlerinnen der GEDOK stellen.

    Pandora ist derjenige Teil einer Geschichte, die mit dem Raub des Feuers und des emanzipatorischen Aufbegehrens des Prometheus gegen die Götter beginnt. Der Preis für diese schöpferische Eigenständigkeit ist der Zorn der Götter: Diese senden Pandora mit der berühmten Box, in der sich alle erdenklichen Plagen und Mühen befinden (aber eben auch die Hoffnung), zu den Menschen.

    Pandora, der Mythos um sie und Prometheus erfüllt eine erklärende Funktion hinsichtlich der Frage, warum Menschsein und Kulturschaffend sein elementar und unauflöslich verbunden ist mit der Loslösung vom Göttlichen, mit Endlichkeit und Schmerz.

    Pandora steht damit für ein existenzielles Prinzip, welches sich auf den verschiedensten Gebieten und in unterschiedlichen Ausformungen bis heute zeigt, so in der Politik, der Familie und vor allem natürlich hinsichtlich der Bewertung der Rolle der Frau.

    Pandora provoziert eine ablehnende Haltung, wenn man den Blick lediglich auf all ihre verwerflichen und üblen Eigenschaften fokussiert – sie wird zur Stellvertreterin des emanzipierten und kreativ wirkenden Menschseins, wenn man sie im Ganzen der mythologischen Erzählung verortet.

    Ähnlich der „bösen Frau“ Lilith, ohne die in den gnostischen Überlieferungen der Schöpfungsgeschichte kein Weg zu Gott möglich ist und die damit einen unerlässlichen Teil des Weges zur Selbsterkenntnis darstellt, ist das Pandoraprinzip mit den zwei Seiten zwischen Kampf und schöpferischer Kraft eine Beschreibung des Preises, mit dem die Eigenständigkeit und Kreativität des Menschen verbunden ist.

    Der Titel ‚Das Pandoraprinzip‘ wurde bewusst gewählt, um die darin liegende Provokation aufzunehmen und zur Auseinandersetzung, zur künstlerischen Interpretation und gesellschaftlichen Diskussion, anzuregen.

    Im Rahmen dieser Jahresausstellung planen wir neben der Vernissage und einer Finissage einen Turnus von mehreren musikalisch-literarischen Veranstaltungen, dabei auch Angebote für Kinder.“Womit man jetzt weiß, warum Männer immer Angst haben vor Pandora und ihrer unheilvollen Büchse. Weibliche Kreativität verstört sie. Schon seit Homers Zeiten.

    Pandora ist, so die durchaus akzeptable Erklärung der Leipziger Künstlerinnen – das Kreative dieser Welt: Pandora, „das schöne Übel“ (Hesiod), ist eine der mythologischen Referenzen für das negative Bild der Frau als Grund allen Unheils. Als „Strafe“ für Prometheus‘ Sünde des Auflehnens gegen die göttliche Vorherrschaft gesandt, steht sie zugleich auch für den Preis menschlicher Emanzipation und damit einhergehend für die Grundbedingung aller autonomen kulturellen Lebensgestaltung und des Menschseins.

    Oder in der Kurzform: Pandora’s Box – Pandora, „die böse Frau“: aufmüpfig, provokant, subversiv. Doch am Ende bleibt – die Hoffnung!

    44 Künstlerinnen beteiligen sich an der Ausstellung, die vom 4. Juli bis zum 28. August im Haus des Buches/Literaturhaus Leipzig im Foyer zu sehen ist. Öffnungszeiten: Mo – Fr 8:00 – 17:30 Uhr.

    www.gedok-leipzig.de

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