25 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Tanners Interview mit der Allround-Künstlerin Susanne Zaspel (2)

Anzeige
Werbung

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Werbung

    Diese Welt ist nicht dunkel. Diese Welt ist ein Garten - und hinter den giftigen Hecken und den lebenstraurigen Gebüschen blüht und wächst Traumhaftes. Manchmal genügt einfach genaueres Hinschauen - aber auch Hinterfragen und Nachhaken ist nicht von schlechten Eltern. Tanner erfuhr von Susanne Zaspel. Und Tanner wollte alles etwas genauer wissen. Hier Teil 2 des Interviews zum Leuchten, zum Theater, zur Kunst, zum Muttersein und zur Philosophie.

    Ab Herbst gibt es Dich auch schauspielernd – im Schauspielhaus Leipzig in einem Stück zum Thema Geflüchtete. Kannst Du uns dazu schon ein bisschen etwas Genaueres erzählen, bitte?

    Das Theaterstück „Die Schutzflehenden?/?Die Schutzbefohlenen“, (Aischylos / Elfriede Jelinek) unter der Regie von Enrico Lübbe wird am 2. Oktober Premiere feiern. Ich zitiere das Programmheft: „Eine humanistische Utopie aus der Antike und die Realität der Gegenwart treffen aufeinander…“.

    Das Thema „Flüchtlinge“ ist natürlich hochaktuell und brisant, der emotionale und wuchtige Text von Elfriede Jelinek geht unter die Haut. Ich werde Teil eines großen Sprechchores sein, welcher mit den Schauspielern auf der Bühne steht, läuft, sitzt, schreit, bittet, flüstert, fällt…

    Ich will nicht zu viel verraten. Man sollte sich dieses wichtige Stück anschauen, entweder zur Premiere oder später, es wird noch bis Mai 2016 regelmäßig gezeigt. Näheres gibt es auf der Internetseite des Schauspiel Leipzig.

    Und dann auch noch ab Oktober der Einzug in ein neues Atelier in der Spinnerei. Kann man da jederzeit rumkommen? Das funktioniert doch gar nicht, Du bist doch dann auch auf den anderen Festen feiernd, wie regulierst Du das eigentlich alles beruflich?

    Das freut mich gerade besonders und ich kann es gar nicht erwarten, mich selbst aus der jetzigen Enge zu entlassen und mich auf großem (größerem) Raum künstlerisch zu entfalten. Bitte nicht einfach rumkommen! Ich hasse Überraschungen und habe beim Arbeiten wirklich gern meine Ruhe. Außerdem muss ich ja auch unterrichten und kann gar nicht jeden Tag vor Ort sein. Wer mich dort treffen will kann mich gern vorher anrufen oder mir eine Nachricht schreiben. Ich habe ja auch eine Internetseite, einen Blog, Facebook…das ganze Programm.

    Ich feiere gern auf vielen Festen – das geht, motiviert und macht viel Freude. Irgendwann habe ich damit aufgehört, mich selbst unter Druck zu setzen. Ich muss keine saisonalen Modekollektionen machen – da bleibt irgendwann die Essenz meiner Aussage auf der Strecke. Ich muss auch nicht ständig auf allen Vernissagen oder diversen Events anzutreffen sein oder medialer Präsenz hinterher hecheln – ich möchte einfach nur das machen, was ich liebe und kann. Dann pegelt sich alles ein, baut aufeinander auf und lässt sich schlussendlich vereinbaren.

    Was oft bei Kunstschaffenden in der Selbstständigkeit hinten herunterfällt – auch in der Wahrnehmung von außen – ist das Privatleben. Du bist alleinerziehende Mutter eines Sohnes. Wie fokussierst Du Dich? Wie schaffst Du es, Deine Aufmerksamkeit so zu lenken, dass Dein Sohn die ihm zustehende Liebe und Zeit bekommt – und dass Du trotzdem noch sonnenbeschienen bist? Gibt es da irgendwelche Tipps auch für andere Menschen in Vollaktion? Bitte erleuchte uns, Susanne.

    Mein Sohn Corvinus ist absolut großartig und natürlich gehen seine Belange immer vor. Wenn ich ihn aus dem Kindergarten abhole ist die Arbeit passé und oft machen wir dann noch etwas Schönes. Jetzt, im Sommer sind wir viel draußen an den Seen oder wir bauen Hütten im Wald, machen Feuer, braten Würstchen am Spieß – da werde ich zur Neandertaler-Mutti. Das gibt mir echt viel – die Sonne scheint mir aus IHM entgegen.

    Wenn er eingeschlafen ist und er mich nicht vorher „fertig gemacht“ hat … mit 4 Jahren ist man ja der reinste Duracell-Hase, arbeite ich dann manchmal noch.

    Das nennt man, glaub ich, alles in allem, eine relativ gut funktionierende Work-Life-Balance. Das ist der große Vorteil am „Alleinerziehenden-Dasein“, man hat nicht so viele Komponenten, welche Berücksichtigung finden müssen. Man kann einfach dem eigenen Bauchgefühl folgen, ist damit spontaner und mehr „bei sich“. Man darf sich keinesfalls diesen hässlichen „Ach Gott, die arme Frau ist alleinerziehend!“-Schuh überstülpen lassen. Generell gilt: Gejammere jeder Art ist völlig würdelos.

    Wenn ich mal abends Termine habe oder mich kulturellen Genüssen hingeben möchte, kann ich mich oft auch auf den Papa meines Sohnes verlassen. Der ist zwar beruflich sehr eingespannt aber zum Beispiel das Theaterprojekt könnte ich sonst nicht durchziehen. Da bin ich sehr froh! Letztendlich gilt aber auch: Wenn mir durch mangelnde Flexibilität Aufträge verloren gehen, muss ich halt damit leben. Dafür schaue ich morgens in zwei Sternchenaugen und höre Sätze wie: „Wenn ich groß bin, werde ich Präsident und schenke allen jeden Tag einen Lolli.“

    Nun zur Erleuchtung. Dann knips ich mal die Lampe an.

    Das ist ja Philosophie. Weiter, weiter …

    Das Leben ist ein Swingerclub der Möglichkeiten, welcher immer wieder spannende oder lustige Dinge offeriert. Man munkelt ja, es gäbe nur dieses eine. Insofern bin ich überzeugt, man solle gefälligst das Bestmögliche daraus machen. Dies wird natürlich jeder für sich anders interpretieren. Mein wichtigstes Gut ist die Freiheit. Ich möchte unabhängig, offen für Neues sein, schauen, wohin der Wind mich treibt, dabei authentisch bleiben, mich nicht verbiegen lassen, absolut oder gar nicht.

    An meinem Badezimmerspiegel hängt eines meiner Lieblingszitate: „In any given moment we have two options: to step forward into growth or to step back into safety.“ (Abraham Maslow)

    Ich mag auch die Idee des Hans im Glück sehr gern. Das Märchen habe ich gestern erst meinem Kind beim Zubettgehen vorgelesen. Daran sollten sich viele ein Beispiel nehmen, aufhören irgendwelche Lasten zu schleppen und sich an unnütze materielle Dinge zu binden, welche vermeintlich Sicherheit bieten. Schlussendlich spaziert Hänschen fröhlich, ein Liedchen pfeifend, ohne den ganzen Ballast einfach davon.

    Ich trinke auch gern mal Champagner und kann Luxus durchaus genießen – doch das echte Glück liegt nur in Dir. So einfach!

    Danke, Susanne für diesen Ritt.

    Dipl. Des. Susanne Zaspel
    Atelier Baumwollspinnerei/Leipzig
    collages, drawing, illustration
    & fine art of fashiondesign
    susannezaspel@hotmail.de

    http://www.susannezaspel.de
    http://www.susannezaspel.wordpress.com

    Topthemen

    - Werbung -

    Aktuell auf LZ

    Anzeige
    Anzeige