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Tanners Interview mit einem Teil von Nerdzig Sascha Kummer

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    Während die gemeine Sofa-Kartoffel noch in die Röhre schaut und abwartet und lamentiert, sind fleißige Weiter- und Vornewegdenker längst am Gestalten der Zukunft. Wir hier bei der Leipziger Internetzeitung schaffen Öffentlichkeit, es gibt kleine flinke Sender und Nischenprodukte für Liebhaber. NERDZIG ist solch ein Liebhaberstück - und Sascha Kummer ist einer aus dem Team. Tanner traf ihn an der Kamera.

    Hallo Sascha Kummer. Fein, Dich hier mit Deiner Kamera und so gut gelaunt zu treffen. Du bist Nerdzig. Was ist das denn?

    Hallo, Volly. Zuerst mal: Ich bin nicht Nerdzig. Wir sind Nerdzig. Und eigentlich sind wir gescheitert (lacht). Chris Großöhmigen, von dem auch der Name stammt und ich wollten ursprünglich mal einen kleinen Podcast machen. Das war Ende Dezember. Jetzt sind wir ein Team von sechs Leuten, die alle an einem Blog, einer Podcast-Reihe und einem YouTube-Kanal mitarbeiten. Zuerst kamen zwei junge Frauen, Chrissy und Diana, als Gäste hinzu. Jetzt sind sie reguläre Mitglieder unserer „Band“, genauso wie seit kurzem Ronny. Dazu haben wir ganz frisch einen Kritiker für Mobile Games – Thomas, der aber (noch) nicht im Podcast oder bei YouTube zu sehen war.

    Kurz zusammengefasst: Wir machen das, was Nerds am liebsten machen. Wir tauschen unsere Meinungen über Filme, Serien, Spiele, Comics und vieles mehr aus – und das eben auf verschiedene Weise und auf verschiedenen Kanälen. Dazu gehen wir auch zu Events wie den ComicGarten oder die MCC und filmen dort. Denn das „-zig“ steht für Leipzig und wir wollen eben auch den Nerds aus dieser unseren schönen Stadt eine Stimme geben. Und natürlich wollen wir Spaß dabei haben.

    Bei Euch gibt es ja auch die Serie CHRISSYS COMIC DER WOCHE. Wer ist denn Chrissy? Und was treibt Euch eigentlich so zur Bildergeschichte?

    Chrissy ist absolute Comic-Fachfrau, genau wie Diana. Frag sie was, die wissen über ALLE Comics Bescheid, ist zumindest mein Eindruck und haben eine Meinung dazu. Ist ja auch ihr Beruf, in der „Comic Combo“ am Rande der Karli kann man sie antreffen. Der „Comic der Woche“ ist aber nur eine Kategorie, die sich mit dem Thema beschäftigt, dazu haben wir unser derzeitiges Lieblingsprojekt „Nerdzig Comic/Comic“ – ein cirka 15 Minuten langes YouTube-Magazin, das alle zwei Wochen erscheint. Bisschen wie Game One für Comics, also nicht bierernst, sondern mit Spaß an der Sache.

    Ich kann jetzt nur für mich sprechen, aber an Comics fasziniert einfach die enorme Bandbreite an Erzählmöglichkeiten. Epische Superheldenkämpfe gibt es im Kino noch nicht mal seit 20 Jahren, in den Comics schon immer. Dazu gibt es intensive dramatische Geschichten, tolle lustige Cartoons, alptraumartigen Horror und vieles, vieles mehr – eben Sachen für alle Altersklassen.

    Der Comic ist, Gott sei dank, in Deutschland seit einigen Jahren endlich raus aus dem Vorurteil „nur was für Kinder“, hier sind viele talentierte Autoren am Werk, die mit grandiosen Zeichnern Meisterwerke erschaffen. Wir wollen deshalb auch Comics außerhalb des Mainstreams von Marvel und DC zeigen.

    Geschichten in Bildern zu erzählen, ist auch eine der ältesten Kunstformen der Menschheit überhaupt. Kleinkinder lernen zu malen, bevor sie schreiben können. Das hat etwas ureigenes, sich so auszudrücken.

    Der Nerd an sich ist ja ein mittlerweile vielumworbener Sonderling, es gibt Nerdzig, Nerd-Night, Nerd-Stammtische und Physiker. Wie kommt es, dass der doch eigentlich als sehr eigentümlich verspottete Randinteressierte jetzt Hochkonjunktur hat?

    Nun, vermutlich, weil zunächst ein paar Konzerne verstanden haben, dass Nerds die Leidenschaft von Sportfans haben, wenn es um ihre Lieblingssachen geht und gleichzeitig den lockeren Geldbeutel wie Sammler von Briefmarken oder Modelleisenbahnen. Und da lag es nicht fern, dies in großem Stil zu kommerzialisieren. Aber da kommt man auch schon zum nächsten Punkt. Ich denke nicht, dass es einen großen Unterschied zwischen Comic- und Briefmarken-Sammlern gibt oder zwischen Leuten, die dutzende Arbeitsstunden in ein Cosplay-Kostüm oder eben eine Eisenbahn im Keller investieren.

    Nerd ist nur ein modernerer Begriff dafür, der eben mehr auf die derzeitige Populärkultur angewendet wird. Nerd war im Englischen vor noch gar nicht allzu langer Zeit ein Schimpfwort, das sich aber die besonders engagierten Fans zueigen gemacht haben.

    Ich denke, dank des Internets konnten sich viele Communitys bilden. Man war z.B. als Superhelden-Comic-Fan plötzlich nicht mehr allein. Wenn ich mich zurückerinnere in die 90er in meiner kleinen Heimatgemeinde, wie sich manche Zeitungsladenverkäuferinnen das Grinsen verkneifen mussten, wenn ich als 17-Jähriger solch einen „Kinderkram“ wie Spider-Man dort gekauft habe… Heute ist das alles anders. Man spricht gerne mit anderen über diese Sachen. Daher ist Nerdzig wahrscheinlich auch so schnell gewachsen.

    Du selber bist bei info tv leipzig auch als Moderator und Sprecher bekannt. Wie bist Du denn eigentlich zum Fernsehen gekommen? Und erkennen Dich Menschen mittlerweile auf der Straße?

    Ich habe an der Uni Leipzig Journalistik studiert, damals noch auf Diplom. Ich hab mich dort früh auf Fernsehen spezialisiert. Gefilmt habe ich schon in der Schulzeit und das hat mich nie losgelassen. Ich hab an der Uni über die Seminare hinaus an diversen Projekten mitgearbeitet, mein Volontariat habe ich bei Leipzig Fernsehen und dem MDR gemacht und als Freiberufler weitergearbeitet. Später haben mich die ehemaligen Macher von LF, die nun info tv leipzig betreiben, in den Sender geholt.

    Dass der Weg zum Fernsehen oder Film geht, war irgendwie schon immer klar. Wie ich dann letztendlich dorthin kam, ist aber stets ohne großen Masterplan geschehen. Es waren eher so die zufälligen Gelegenheiten, die ich dann ergriffen habe oder die sich meiner bemächtigt haben. Ist auch meine grundsätzliche Lebenshaltung: Pläne gehen so gut wie immer schief. Man sollte aber immer üben und „trainieren“, um entsprechend fit zu sein, wenn es darauf ankommt. Erkannt, oder besser gesagt angesprochen, werde ich aber selten.

    info tv & Nerdzig, das sind ja Projekte, die nicht den Massenmarkt bedienen, sondern eher noch kleinere Räume besetzen. Dabei fuhrwerken die ARDZDFRTLetcpps mit weit größeren Reichweiten. Wo, denkst Du, ist die Zukunft der Nische? Größer werden und von den großen Playern geschluckt werden? Oder gibt es wirklich Alternativen?

    Ja, wie ein Freund von mir mal sagte: am besten irgendeinen tollen Blödsinn machen, von dem keiner weiß, ob es Geld einbringt und dann von Google für 100 Millionen aufgekauft werden… Aber im Ernst, ich glaube nicht, dass es eine Zukunft der Nische gibt. Die Nische ist die Zukunft. Fernsehsender mit linearem Programm verlieren konstant die jungen Zuschauer. Die wollen nur das gucken, was ihnen gefällt, wann es ihnen gefällt. Es ist keine Frage mehr, ob das lineare Fernsehen zu Ende geht, sondern wann.

    Programm-Macher werden jetzt zu Nischenmachern. Was ja eigentlich nichts anderes ist als jetzt. Fast jede einzelne Sendung im Fernsehen wendet sich immer an ein bestimmtes kleineres Publikum. Massenübergreifende Programme wie Fußballländerspiele oder die Tagesschau kann man an einer Hand abzählen. Selbst „Wetten, dass…?“ hat sich überlebt. Der Vorteil am alten System war die Macht und die Ressourcen der Sender. Diese weichen nun mehr und mehr Plattformen wie Netflix, AppleTV oder YouTube, wo sich jeder an seine Nische wenden kann.

    Da kann ich mitgehen, dies ist auch mein Eindruck, Sascha!

    Danke. Das Handwerk, interessante Filme oder Sendungen zu machen, muss aber immer beherrscht werden. Daher wird es auch in Zukunft Profis und Amateure geben. Es wird tolle Serien wie „House of Cards“ geben und „Die tollsten Abenteuer meiner Katze“. Das eine produzieren 100 Leute mit 4K-Kino-Kameras, das andere einer allein mit dem Handy. Trotzdem können beide ein paar Millionen Zuschauer erreichen. Die Monetarisierung unterscheidet die beiden aber. Das ist die eigentliche Aufgabe. Wir sind im Moment in einer Pionier-Zeit, jeder kann für wenig Geld großartige Sachen produzieren. Kameras und sonstige Technik für tolle Ergebnisse waren noch nie so günstig und so einfach zu bekommen. Jetzt wird man sehen, wer die richtigen Konzepte fürs Geldverdienen hat. Durch Abos? Werbung? Das neue AppleTV setzt voll auf Apps als Sender, Videobibliotheken und interaktive Plattformen. Gute Inhalte sind immer gefragt – wie bekommt man sie bezahlt, ist die Gretchenfrage dieser Medienära.

    Und Du selber, lieber Sascha, was würdest Du gern mal moderiereninterviewenproduzieren? Erzähl mal von Deinen Träumen.

    Ich würde gerne mal wieder einen Kurz-Spielfilm machen, das hab ich seit der Studienzeit nicht mehr getan oder eine lange Dokumentation. Ich hab noch eine eigene kleine Produktionsfirma, mit der ich derzeit vor allem Auftragswerke wie Imagefilme oder Kurz-Dokus mache. Etwas selber, nur aus der eigenen Neugierde heraus, zu produzieren, wäre mal wieder sehr schön.

    Danke für Deine Antworten.

    Bitte schön!

    http://nerdzig.de

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