In ihrer Lecture Performance „Die Politiker gehen von Haus zu Haus“ erzählt Ute Richter am Donnerstag, dem 22. Oktober, in der Galerie für zeitgenössische Kunst (GfzK, Karl-Tauchnitz-Straße 9–11) die Geschichte des Kriegsfreiwilligen Peter Kollwitz und der politischen Plakate von Käthe Kollwitz. Tagebucheintragungen von Käthe Kollwitz, gelesen von der Schauspielerin Verena Noll, ermöglichen einen differenzierten Blick gegen die politische Vereinnahmung. Widersprüche sind dafür auszuhalten.

Mit dem neuen Wehrdienstgesetz wird die Musterung 18-jähriger Männer ab 2027 wieder verpflichtend. Aus diesem Anlass widmet sich die Lecture Performance der Geschichte des Kriegsfreiwilligen Peter Kollwitz, dem jüngsten Sohn von Käthe Kollwitz.

Er meldete sich im August 1914 freiwillig zum Kriegseinsatz und starb bei einem der ersten Kampfeinsätze – in der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 1914. Zehn Tage nach der Fahrt an die Front, im Alter von 18 Jahren. Dieser Verlust prägte die weitere Arbeit von Käthe Kollwitz. Ihr bekanntes Plakat „Nie wieder Krieg“ (1924) entstand für die Antikriegsdemonstration der Sozialdemokratischen Arbeiterjugend in Leipzig, zehn Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs.

In der DDR wurde Käthe Kollwitz aufgrund der sozialkritischen Themen ihrer Zeichnungen verehrt und politisch instrumentalisiert. Die Veranstaltung lenkt einen kritischen Blick auf die weitere Vereinnahmung, die 1993 mit der Aufstellung einer Nachbildung ihrer Plastik „Mutter mit totem Sohn“ (1938) in der Neuen Wache in Berlin erfolgte.

Ute Richter arbeitet zu Themen politischer Öffentlichkeit und Erinnerung. Ihre künstlerischen Recherchen entwickelt sie im Kontext von Alltag, Architektur und urbanem Raum. Ihr interdisziplinäres Werk umfasst Installation, Video, Intervention im öffentlichen Raum, Printmedium und Zeichnung.

Ute Richter „Die Politiker gehen von Haus zu Haus“ mit Verena Noll, Lecture Performance: Eintritt frei, auf Deutsch. Donnerstag, 22. Oktober, 19:00 Uhr in der GfZK Leipzig, Auditorium.

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