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Gewandhausorchester: Tosender Beifall für temporeiches „Deutsches Requiem“

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    Am 18. Februar 1868 brachte das Gewandhausorchester unter Karl Reinecke das "Ein deutsches Requiem" in Leipzig zur Uraufführung. Am Donnerstag stand der Brahms-Klassiker auf dem Spielplan des Gewandhausorchesters. John Eliot Gardiner nähert sich dem Werk ein musikalisches Vorbild des Komponisten, indem er dem Requiem zwei Choräle von Heinrich Schütz (1585 - 1672) voranstellt. Dafür erntet der Präsident des Bach-Archivs tosenden Beifall.

    Sieben Sätze, verschachtelte Textfragmente aus Altem und Neuem Testament, größtenteils vorgetragen vom Chor. Die Stimmung ist schwermütig, geradezu melancholisch. Ist der Mensch schon verloren? Was spendet ihm Trost und Kraft? Konzentriert sich die traditionelle Totenmesse auf den Verstorbenen, widmet sich Brahms den Lebenden. Diese trügen Leid, doch die geduldig getragene Mühsal führe im Tode zu Gott. Johannes Brahms (1833 – 1897) entpuppt sich als Freigeist, indem er sich von christlicher Dogmatik löst und stattdessen auf das religiöse Bekenntnis des Individuums abstellt.

    Gewandhausorchester und Monteverdi Choir nähern sich dem „Deutschen Requiem“ mit der Aufführung zweier Choräle von Heinrich Schütz, der zu Brahms‘ musikalischen Vorbildern zählt. John Eliot Gardiner, Präsident des Bach-Archivs Leipzig, führt die Zuhörer über Schütz zu Brahms, indem er zwei Schütz-Choräle programmatisch dem „Deutschen Requiem“ voranstellt.

    Die Motette „Selig sind die Toten“ SWV 391 aus „Geistliche Chormusik“ op. 11 rekurriert auf die Offenbarung des Johannes. Der Text, „Selig sind die Toten“, taucht auch im „Deutschen Requiem“ auf. Brahms‘ Seelenverwandtschaft zu Schütz schlägt sich textlich im vierten Satz des Werks nieder. Der Psalm „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ wurde auch von dem Barock-Komponisten vertont (SWV 29). Ohne ein zu dirigierendes Orchester vor sich zu haben, avanciert der Engländer ganz zum Chor-Architekten, der die verschachtelten Stimmen der Partitur bravourös zu einer musikalischen Einheit zusammensetzt.

    Das monumental anmutende „Deutsche Requiem“ geht Gardiner sportlich an. Der 71-Jährige bewältigt das Werk in zügigen 64 Minuten. Soll Dirigenten geben, die für die sieben Sätze 80 Minuten und länger benötigen. Das hohe Tempo tut der Freude keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Der Monteverdi Choir singt sich geübt durch Brahms Choräle. Mal leise, mal laut, im zweiten Satz taktweise sogar zu laut.

    Gardiner interpretiert das „Requiem“ als ein spannendes, sakral anmutendes Drama für die Ohren. Der Maestro führt den Zuhörer mal hingebungsvoll durch die Partitur, um im nächsten Moment düstere Schauermomente herauf zu beschwören. Hannah Morrisons lieblicher Sopran und Matthias Goernes dunkler Bariton bilden den Kontrast zu den warmherzigen Tönen, die Gardiner dem Chor entlockt. Die Zuhörer sind angetan. Gardiner, Solisten und Chor ernten tosenden Beifall.

    Weitere Termine: 21.11., 22.11. (Festival „Audio Invasion / nur „Ein deutsches Requiem“).

    www.gewandhaus.de

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