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Tanners Interview mit Christian Haase von der Haase-Band

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    Samstagabend feiert Haase in der Schaubühne Lindenfels nicht nur sein sechstes Album, sondern auch noch sein 20tes Bühnenjubiläum. Und da Tanner und der Haase schon so manche Bühne gemeinsam beritten haben, war es nur folgerichtig, dass der Tanner schon mal ins Album hineinhörte und den Haasen befragte - zum Samstag, zu Tina Powileits Weggang von der Band, zur Sicht eines Haasen auf die Dinge und zum neuen, auch noch eigenem, Label.

    Erst einmal natürlich Glückwünsche zum neuen, Deinem sechsten, Album. Charmanterweise heißt dies sogar „Album Nr. 6“. Fiel Dir nichts fluffigeres ein? Der neue Schootingstar der Leipziger Hipsterwelt LOT nennt sein Album „200 Tage“. Da ist doch gleich ein Fragezeichensturm für jeden Philosophiestudenten dabei. Aber „Album Nr. 6“ – sag mal, Christian …

    Wenn ich geahnt hätte, dass mir diese Frage häufiger begegnet, hätte ich mir vielleicht mehr Gedanken gemacht. Der Arbeitstitel des Albums war „Höflich sein“, so wie eines der Lieder auf der Scheibe. Aber dann läge der Fokus auf diesem Song und deine Frage würde lauten, wieso denn mein Album gerade „Höflich sein“ heißt. Die Platte besteht aber aus 13 Songs und jeder einzelne hat seinen Fokus verdient, finde ich. Nummer 6 ist schlichtweg Nummer 6. Obwohl ich gestehen muss, dass es mich reizte, es Nummer 7 zu nennen. Windows hat ja auch eine Version übersprungen … und die Leute haben drüber geredet.

    Ich mag ja Dein Statement für Menschlichkeit. Dies wird immer seltener, hab ich das Gefühl. Selbst in der Kleingartensparte „Leben“ geht’s neoliberal zu. Was hält Dich auf Spur? Wie schaffst Du es, Dich nicht einreihen zu lassen in die Armee der Konsumameisen?

    Ich bin nicht immun gegen diesen Flohzirkus, dem wir hier ausgeliefert sind. Am Ende des Tages bin ich eben auch nur ein Mensch, der sich mit seinen Sorgen und Ängsten, berechtigten und hausgemachten, rumschlägt und sich gerne selbst belohnt, in dem er sich mal was Schönes, meistens Sinnloses, kauft. Aber es nimmt global entsetzliche Ausmaße an. Das geht mit Sanifair-Pinkel-Bons los, die man sich an der Raststätte auf dem Weg zum Klo ziehen muss, die einen 50 Cent Einkaufswert haben, damit man gleich noch einen Kaffee für 3,70 Euro kauft, und endet bei Abwrackprämien.

    Zumindest endet da bei mir das Denken und mir wird übel. Konjunkturpaket haben sie es genannt, damit die lahmende Autoindustrie zumindest für einen Moment wieder auf die Beine kommt. Und heute schreiben sie den Griechen vor, sie müssen sparen und sparen, damit es wieder läuft, und wissen dabei ganz genau, dass sie damit das Gegenteil verlangen von dem, was sie selbst gemacht haben.

    Solange hier immer alles um Wachstum geht, muss man eben investieren und subventionieren. Ich kenne keine Pflanze, die ohne Wasser und Dünger gut gedeiht. Jetzt bin ich leicht vom Thema abgekommen … was mich auf der Spur hält? Na ja, ich habe meinen Frieden mit all dem gemacht und unterscheide sehr genau, ob mich Dinge etwas angehen oder nicht. Ob mein Nachbar Tomaten oder Zucchini pflanzt geht mich nichts an, aber ob er den Ausbruch der Masern in Berlin afrikanischen Flüchtlingen zuschreibt, sehr wohl. Ob es die Bundeskonferenz der Straßenkinder, mein Engagement als Pate des Kinderhilfsfonds des DRK oder meinetwegen auch die Auftritte im Knast sind: Das sind Dinge, bei denen es mir möglich ist, etwas zum Besseren zu bewegen. Das hält mich in der Spur.

    Nach sieben Jahren ist Tina Powileit nicht mehr bei der Band – wir kennen sie ja alle noch aus der ehemaligen All-Girl-Band Mona Lisa. Was ist geschehen? Wie kam Dirk Morning an die Schießbude?

    Tinas Ausstieg kam etwas unerwartet. Ich hatte zuviel um die Ohren und habe die Anzeichen nicht mitbekommen, dass sie sich in der Band nicht mehr wirklich zu Hause fühlte. Das eine oder andere hätte man viel eher klären können, aber als wir miteinander das Gespräch suchten, waren die Dinge schon zu verfuselt. Wir spielen ja beide noch in der Band „Die Seilschaft“ und Tina wollte ihre Kraft auf dieses Projekt konzentrieren. Also war der Trommelplatz unbesetzt, und Dirk Morning war die erste Wahl und richtige Entscheidung.

    Er spielte schon in anderen Formationen zusammen mit René Schostak, meinem Gitarristen, und war demnach kein Unbekannter. Wir vereinbarten zunächst, dass er zwei Konzerte mit uns spielt, die nach Tinas Ausstieg noch im Kalender standen und danach gemeinsam zu entscheiden, ob er dabei bleiben möchte. Er entschied sich für uns.

    Am 18. April gastierst Du zum 20ten Bühnenjubiläum in der Schaubühne Lindenfels. Warum denn dort???

    Die Frage klingt so, als wäre das etwas sehr Abwegiges mit meiner Musik dort aufzutreten?! Ich mag den Saal, überhaupt das Haus, sehr und wollte schon immer mal dort spielen. Die Sanierung und damit verbundene Schließung des Ankers, in dem ich in den letzten drei Jahren meine Leipzig-Konzerte spielte, waren dann der nötige Impuls mit der Schaubühne Kontakt aufzunehmen. Wir freuen uns sehr auf den Abend, verbunden mit der Hoffnung, vielleicht ein neues Rock’n Roll-Zuhause in Leipzig gefunden zu haben. Haase goes Westkultur sozusagen.

    Mit Deinem neuen Album hast Du Dich ja nun auch labeltechnisch ans eigene Ruder gestellt. hTMV heißt der neue junge Fuchs im Walde und logiert im legendären Funkhaus in der Nalepastraße in Berlin. Was hat Dich geritten?

    hTMV steht für Haase.Tonträger.Musik.Verlag und soll in diesem Zusammenhang bitte nicht als Fuchs genannt werden. Es wäre zu früh, dass sich Fuchs und Haase gute Nacht sagen: Die kleine Firma ist noch jung. Ich muss dir das nicht erzählen, Volly, du weißt selbst sehr gut, dass das Musikbusiness nicht mehr so läuft, wie es noch vor 15 oder 20 Jahren der Fall war. Plattenverkäufe brechen bei allen ein, und meine Verkäufe lassen kein renommiertes Label Hurra schreien.

    Nach zwei Alben, die ich auf dem Label SPV veröffentlichen durfte, haben wir zusammen entschieden, ein drittes Optionsalbum nicht mehr zu machen. Aber mit einem dick vollgeschriebenen Notizbuch voller guter Ratschläge, Wünsche und Tipps bin ich von der Besprechung zurück nach Berlin gefahren und habe mich entschieden, hTMV zu gründen. Mit meinem Büro im Funkhaus der Nalepastraße bin ich nah dran an hunderten von Musikern, Tonmeistern und Kreativen aus aller Welt, die da täglich ein- und ausgehen. Ein unglaublicher Pool an Möglichkeiten.

    Was können wir am Samstagabend erleben? Zu einem 20ger Jubiläum muss es doch mehr geben als ein Querschnittkonzert. Erzähl mal bitte.

    So querschnittig wird das gar nicht. Ich bin doch erst 34; das hebe ich mir auf für mein 50. Bühnenjahr. Wir haben uns als Band gut aufgestellt und viel geprobt, eine etwas längere Setliste erarbeitet und ein vielseitiges Programm. Und auch wenn wir uns schon lange kennen, Volly, ich kann die Überraschungen doch nicht verraten! Ich freue mich auf ein Konzert in meiner Heimatstadt und hoffe drauf, dass viele Leute das genauso sehen. Wie immer habe ich mich bemüht, die Eintrittspreise klein zu halten … es steht einem gelungenen Abend also nichts mehr im Wege.

    Dann freuen wir uns auf Samstag. Und volle Hütte!

    Danke dir für deine Zeit!

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