Einmalige und unwiederbringliche musikalische Kostbarkeiten versprechen die Konzerte des 7. Leipziger Improvisationsfestival für Alte Musik EX TEMPORE vom 23. bis 26. September. Sie werden dargeboten von einigen der größten Alte-Musik-Spezialisten, die meisterhaft in der Musiksprache einer vergangenen Epoche improvisieren. Meist treffen sich auf der Bühne Musiker, die noch nie vorher miteinander musiziert haben.

Aller Anfang ist Improvisation. Kinder können schon jahrelang munter plaudern, bis sie schließlich lesen und schreiben lernen, und unsere Vorfahren konnten schon Jahrtausende lang musizieren, ohne Musik aufschreiben zu können und zu müssen. Obwohl im Lauf der Jahrhunderte tendenziell Musik immer genauer schriftlich fixiert wurde, behauptet spontanes Musizieren bis heute seinen Platz im Musikleben, denn ohne Lebendigkeit wäre Musik nicht Kunst.

In Renaissance und Barock nun wurde sowohl die schriftliche als auch die mündliche Musizierkultur stark gepflegt: „Damals konnte sich so gut wie jeder Musiker in seiner Musiksprache ‚frei ausdrücken‘ – also improvisieren“, sagt Martin Erhardt, künstlerischer Leiter von EX TEMPORE. „Die Idee des Festivals ist es, auch die historische Improvisationspraxis als kulturelles Erbe und wesentliches Element der ‚Wiederbelebung‘ der Alten Musik anzusehen. Die Improvisation holt Alte Musik in ihrer Zeit ab und bringt sie uns ins Hier und Jetzt – EX TEMPORE.“

2009 mit einem breiteren Programmschwerpunkt unter dem Namen „LivFe!“ von Christian Fischer ins Leben gerufen, fokussiert Martin Erhardt das alle zwei Jahre stattfindende Leipziger Improvisationsfestival seit 2011 auf die Improvisation Alter Musik nach historischen Vorbildern, um diese wieder lebendig werden zu lassen. Seit 2019 heißt das Festival EX TEMPORE.

Sjaella. Foto: Antje Kröger
Sjaella. Foto: Antje Kröger

Die abendlichen AlteMusik-JamSessions bringen kreative Köpfe aus ganz Europa in Leipzig unter einen Hut. In Fortsetzung der legendären Auftritte im Zimmermannschen Kaffeehaus von Telemann, Bach, Fasch, Pisendel und Co. wird in einer mit Jazz vergleichbaren Aufführungssituation, aber in barocker Stilistik, improvisiert. Das Podium ist offen, jeder kann zuhören und mitmachen.

Ungewöhnliche Stage-Meetings sind inbegriffen! In den Workshops lernen (nicht nur) Studierende Improvisationstechniken und erhalten Rüstzeug für die JamSessions. Zwölf Dozenten lehren die gesamte Bandbreite der historischen Improvisation – für alle Instrumente und Sänger werden Themen angeboten. Manche Künstler geben am Tag nach ihrem Konzert im Workshop sogar einige ihrer Tipps und Strategien preis

Die Höhepunkte

So bilden im Eröffnungskonzert am Donnerstag, 23. September, 20 Uhr, in der Reformierten Kirche Andreas Böhlen, Sheng-Fang Chiu, Jostein Gundersen und Martin Erhardt unter dem Motto „Wurzeln“ ein Blockflötenconsort auf der Flucht.

Um Freundschaft geht es am Freitag, 24. September, um 18 Uhr und um 19:30 Uhr im Musikinstrumentenmuseum: Emmanuel Le Divellec und Markus Schwenkreis stellen die historische Begegnung zwischen den Komponisten Johann Jacob Froberger und Matthias Weckmann in Dresden an Cembalo und Orgel musikalisch nach.

„Brücken“ bauen The Scroll Ensemble und Torsten Pfeffer zwischen Johann Sebastian Bachs Improvisationskunst und einer Live-Malerei-Performance am Samstag, 25. September, 19:30 Uhr, im Atrium der Hochschule für Graphik und Buchkunst.

Das Abschlusskonzert „Hohelied“ am Sonntag, 26. September, 17Uhr im Museum der bildenden Künste Leipzig bringt schließlich die wunderbaren Klänge des Vokalensembles Sjaella und des Zinkenisten Josué Melendez zusammen.

Das Festival EX TEMPORE zeichnet sich durch eine entspannte, freundliche Atmosphäre und Musik in höchster Qualität aus. Workshops, Vorträge und Jam-Sessions runden das einmalige Angebot ab.

Eintrittskarten zu 15 Euro / ermäßigt 10 Euro sind im Vorverkauf in der Musikalienhandlung M. Oelsner sowie an der Abendkasse erhältlich.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar