Friedrich Wilhelm Murnau schuf 1922 mit seinem schaurig-schönen Stummfilmklassiker "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" nicht nur einen der größten Kultfilme der Kinogeschichte, sondern mit seiner Titelfigur zugleich quasi den Prototypen des Grusel-Genres. Das Neue Schauspiel in Leipzig setzte im Februar mit seiner Leipzig-Premiere von "Nosferatu" nach. Die Bühnenfassung des Stummfilmklassikers von Markus Czygan findet im März seine Fortsetzung.

Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilmklassiker macht in der Bühnenfassung des Neuen Schauspiels Leipzig viel her. Die Regisseure Markus Czygan und Claudia Rath orientieren sich konsequent an der schwarz-weiß Optik des Films und der schlaglichtartigen Ausleuchtung, dabei reichern sie das Stück mit Live-Musik und neuen Szenen an. So wird beispielsweise nicht nur die Bühne bespielt, auch eine Nebenbühne und der Zuschauerraum werden eingebunden und rücken das Publikum zeitweise noch näher an das Geschehen.Ja sogar das Foyer wird mit akustischen Fortsetzungen von Szenen beschallt, die vorhandenen Räume somit abwechslungsreich und optimal genutzt. Nebenbei überbrücken die Szenen vor dem Vorhang trickreich die vielen Umbauten des einfallsreichen Bühnenbildes, das mit oft einfachen aber zweckdienlichen Requisiten das 19. Jahrhundert atmosphärisch dicht heraufbeschwört. Verschiedene Handlungsorte wie ein Schankraum, das Schloss des Grafen oder die Schreibstube von Makler Zork werden greifbar und leicht nachvollziehbar abgebildet.

Das gilt auch für Andy Scholz als Graf Orlok. Gezielt setzt er eine grausig-heisere Stimme ein, um dem schaurigen Kostüm noch mehr Düsternis hinzuzufügen. Hätte Murnau einen Tonfilm gedreht, die Wahl hätte nicht besser ausfallen können. Maske und Kostüm sind großartig an die Vorlage angelehnt und Scholz erfüllt sie mit ähnlichen Bewegungen mit genau so intensivem Leben wie einst Max Schreck. Im Hinblick auf Ellens Sehnsucht nach dem Grafen Orlok zeigt sich ein weiterer Vorteil der Nebenbühne. Der schreckliche Fürst streckt seine Hände vom zentralen Podium nach ihr aus, sie verzehrt sich gleichzeitig auf der Nebenbühne nach ihm. Spürbar werden hier die Emotionen und bereiten schon auf das Ende des Stückes vor.
Zuvor greift die Inszenierung noch eine geschickt unterschwellige Kritik an Xenophobie und Antisemitismus auf. Der Makler Zork wird als Zugezogener für die Pest in der Stadt verantwortlich gemacht und in der vorletzten Szene von einem Mob gelyncht. Minutenlang baumelt Raimund Jurack auch nach dem Schlussapplaus noch in der Nähe des Ausgangs in der Schlinge und verrät später: “Es ist schon anstrengend, den Rücken die ganze Zeit durchzudrücken, wenigstens kräftige ich so gleich die Muskulatur.”

Die Anstrengung lohnt sich. “Nosferatu” ist ein Muss für jeden, der etwas für den Gothic-Look übrig hat und gleichzeitig kurzweilige Unterhaltung für jedweden Zuschauer. So kurzweilig sogar, dass Premierenzuschauer sich teilweise ein längeres Stück wünschten.


Weitere Vorstellungen von “Nosferatu” und die Inhaltsangabe des Stückes:

www.neues-schauspiel-leipzig.de/details/nosferatu.185

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