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Tanners Interview: Ein riesiger Thinktank, der stetig wachsen kann

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    Theater muss nicht immer "Nacktmensch kopuliert mit Esel und isst Exkremente" sein. Theater darf auch anregen und zu Gesprächen verführen. Theater erzählt im besten Falle Geschichte und Geschichten. Alexandra Hennig (Produktionsleitung) und Lukas Bugiel (Regie) haben mit ihrem IMO-Team ein Stück in der Aufführung, namens TANKE - und Volly Tanner traf die beiden zum Plausch.

    Hallo Alexandra, hallo Lukas. Am Donnerstag hat TANKE Premiere; um was geht’s? Wird’s schwierig für den Theaterfreund? Ist ja schließlich – so wird’s jedenfalls umworben – eine „Performance“.

    Generell stellt eine Performance wohl mehr Ansprüche an den Zuschauer, wenn es ums geistige Dabeisein, ums interpretierende Wahrnehmen geht – im Stadttheater, wo es primär das klassische Sprechtheater gibt, kann man sich auch bequem zurücklehnen, wenn man möchte. Unsere Projekte versuchen aber genau diesem Zustand entgegenzuwirken, indem der Zuschauer aktiv in die Performance einbezogen wird. Er ist Mit-Agierender und gestaltet durch seine Entscheidungen den Abend mit. Gezwungen wird aber niemand! Inwieweit man sich beteiligen will, steht jedem frei.

    Das ist natürlich auch bei TANKE so. Wir können schon verraten, dass es eine frei begehbare Bühnensituation und Kontaktmöglichkeiten mit den Performern gibt. Was diesmal neu ist, ist der Fokus auf innovative Möglichkeiten, Video-Kunst und Übertragungstechnik miteinzubeziehen. Es gibt z.B. einen Live-Stream aus dem Mitfahrer-Bus, in dem Peter Wawerzinek quer durch Mitteldeutschland fährt, es gibt sogenannte Video-Mapping auf einem ziemlich aufwendigen, umbaubaren Bühnenbild und vieles mehr. Neu ist übrigens auch, dass wir dokumentarisch arbeiten – mit ehemaligen Minol-Tankwarten, mit denen wir im Vorhinein Interviews geführt haben, um diese Informationen später auf die Bühne zu bringen. Genug „Kunst“ ist aber auch wieder dabei!

    Und was macht Ihr beiden da genau?

    Wir haben absichtlich keine festgelegten Positionen im IMO. D.h. wir verteilen die Aufgaben, wie es gerade nötig ist. Allerdings gibt es schon Schwerpunkte, also: jemand kümmert sich um die Requisiten, jemand macht die Recherche-Arbeiten o.ä. Wir arbeiten deshalb so, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass wir so kreativer arbeiten können, am meisten neue Gedanken für das Projekt zustande kommen – ein riesiger „Thinktank“ der stetig wachsen kann, indem jeder das, was er kann, dazu beiträgt.
    Das LOFFT wird immer mehr zum Inbegriff innovativer Theaterkunst, scheinbar auch da im Centraltheater kein Bär mehr wirklich steppt, die ewig gleichen Gleise zwischen Anbiederung, Provokation und Intendantensuche gähnen lassen. Wie kams zu Eurer Zusammenarbeit mit dem Haus am Lindenauer Markt?

    Die Projekte, an denen wir arbeiten, würden auch nicht ins Programm des CT passen! Unserer Meinung nach bietet gerade und nur die Freie Szene die Möglichkeiten, die man braucht, um derartige Inszenierungen auf die Beine stellen zu können. Sie liefert auch immer mehr ein Publikum, das offen und neugierig ist, so etwas mitzumachen, auszuprobieren. Das LOFFT ist da natürlich eine (vielleicht die) zentrale Anlaufstelle. Wir haben dort mit TANKE eine Koproduktion. Der Grund: Sowohl von der Technik, vom Bühnenraum und der Betreuung her gesehen, bietet das LOFFT ideale Möglichkeiten, man ist relativ frei in Verantwortung und Entscheidungen, es werden immer Problemlösungen gesucht – kurz: es wird dynamisch und fair zusammengearbeitet. Besonders sagen muss man das, speziell auch, was die Betreuung angeht, für unseren Mentor, der von LOFFT gestellt wurde: Thomas Achtner. Thomas als Licht- und Technik-Experte unterstützt uns über alle Maßen und hat einen beträchtlichen Anteil daran, dass TANKE nachher so aussehen wird, wie wir alle es uns vorgestellt haben. Er schlägt sich mit uns zusammen momentan die Nächte um die Ohren!

    Wie finanziert ihr TANKE? Gibt’s Fördergelder oder Sponsoren oder kommt alles aus eigener Tasche und Ihr selber kraucht auf dem Zahnfleisch?

    Nein, das Projekt ist ziemlich aufwendig – da kommt man um eine gute Finanzierung nicht herum. Auch wenn natürlich das Geld trotzdem knapp ist, denn es kommt, wenn es ums Umsetzen des Ganzen in die Praxis geht, immer noch etwas hinzu, an das man vorher gar nicht gedacht hatte. Wir haben für TANKE eine bundesweite Förderung vom „Fonds Darstellende Künste“ erhalten, außerdem werden wir von der Stadt Leipzig, Kulturamt unterstützt. Zu nennen wären auch noch zahlreiche „materielle“ Förderer, wie „teilAuto“, „Radeberger“, der Vodafon-Shop auf der KarLi, „mitfahrgelegenheit.de“ und viele mehr.

    Nach dem Donnerstag gibt es noch zwei Aufführungen am 23 und 24. Juni, dass Ihr Euch das Haus voll wünscht, ist ja klar. Was gibt’s aber noch für Wünsche? Mehr Aufmerksamkeit für Eure Art von Theater, für Theater an sich? Mitdenken? Mitfühlen?

    Der größte Wunsch ist natürlich, dass es dem Publikum auch gefällt. Wir sind gespannt, wie sich diesmal die „peergroup“ zusammensetzt, denn mit den Tankwart-Darstellern, die eben auch ihre Freunde und Bekannten mitbringen werden, wir die Altersgrenze wohl ziemlich erweitert – was gut ist, denn wir haben den Eindruck, das LOFFT/die Freie Szene überhaupt, lebt überwiegend von jungen Zuschauern. Natürlich wäre Aufmerksamkeit für „Junges Theater“ vonseiten eines älteren Clientels sehr wünschenswert. Wir werden sehen, ob wir einen Beitrag dazu leisten können! Was außerdem wünschenswert wäre, wäre natürlich, mehr überregionale Aufmerksamkeit zu bekommen. Ein Anfang ist bereits gemacht, indem wir etwa mit der „IMO-goes-school-Sparte“ einen bundesweiten Wettbewerb gewinnen konnten – das motiviert natürlich unheimlich und gibt Kraft für die nächsten Projekte!

    Danke für das charmante Gespräch.

    Premiere am 21.06.2012 um 18 Uhr im LOFFT.

    www.youtube.com/watch?v=SgISk1jvUuw
    www.lofft.de/web/programm.php?nr=449

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