Tanners Interview mit ATT12-Organisatora Stefanie Nordmann: Ich bin nicht zum Kopieren und Kaffeekochen gekommen

Wie jedes Jahr im Sommer treffen sich im Lofft im Theaterhaus am Lindenauer Markt die hiesigen Amateurtheatergruppen zum Vergleich der Kräfte. Anno 2012 organisiert und muddelt Stefanie Nordmann im Vor- und Hintergrund. Ihr Fragen zu stellen war Volly Tanner ein Bedürfnis - und Bedürfnissen sollte man unbedingt nachgehen.
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Beste Stefanie. Ende der Woche ist wieder Zeit im Lofft die Amateurtheatertage zu feiern – mittlerweile mit verändertem Konzept – so stellen nur noch fünf Gruppen, Theaterkollektive, Aktivistenteams ihre Arbeiten vor. In den letzten Jahren waren es gefühlt 150 Gruppen pro Abend. Was ist der Grund für die Veränderung?

Ganz einfach: Es haben sich, verglichen zu den Vorjahren, weniger Gruppen beworben. Das Spinnwerk hat ja zur gleichen Zeit ein Theaterfestival, genau so wie die Cammerspiele. Es war nicht von Anfang an geplant, weniger Stücke zu zeigen. Schlimm ist das aber nicht. Das Programm wird kompakter und übersichtlicher. So habe ich sogar noch Platz für einen Auftritt der Band „frisbee soda“ gefunden.

Gibt es Favoriten? Also, irgendein ganz spezielles Stück, welches Dich persönlich ganz tief berührt hat im Vorfeld?

Einen persönlichen Favoriten habe ich nicht, aber ich finde „Tote Mädchen leben nicht“ spannend. Das Thema Selbstmord mit einer Jugendtheatergruppe auf die Bühne zu bringen, ist sehr mutig. Das ist für die Darsteller bestimmt nicht einfach. Die Entscheidung, welche Stücke am herausragendsten sind, überlasse ich gern der Jury und bin auch selbst gespannt, wen sie wählen wird.

Du selber machst im Lofft Deinen Bundesfreiwilligendienst? Was machst Du denn da ganz genau und warum vor allem?
Das große Projekt meines Bundesfreiwilligendienstes sind die Amateurtheatertage, die ich von Konzeption, Finanzierung, Öffentlichkeitsarbeit etc. eigenverantwortlich organisiere. Dabei hilft mir das Lofft-Team natürlich, weil ich vorher keine Erfahrungen im Bereich Kulturmanagement hatte.

Meine tägliche Arbeit im Lofft ist in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Produktionsleitung. Ich gestalte zum Beispiel Abendzettel, schreibe Newsletter und mache unser Pressearchiv. Die Foyergestaltung gehört ebenfalls zu meinen Aufgaben. Ich kümmere mich auch um Schlafplätze für Künstler, die bei uns spielen. Bei der Produktion „Solveig macht Peer“ im März habe ich die Maske gemacht.

Ich kann im Lofft viele spannende Dinge machen und lernen. Dirk Förster und Anne-Catgrin Lessel haben mir schon beim Bewerbungsgespräch klar gemacht, dass ich im Lofft nicht zum Kopieren und Kaffee kochen bin. Deswegen wollte ich auch unbedingt ins Lofft.

Den Bundesfreiwilligendienst habe ich gemacht, weil nach meinem Lehramtsstudium klar war, dass ich keine Lehrerin sein möchte. Ich musste mich umorientieren. Der BFD ist also für mich ein etwas verspätetes Überbrückungsjahr.

Gibt’s Preise? Solch ein Festival braucht ja auch Preisträger schlussendlich – und diese brauchen Preise, sonst sind sie ja keine Preisträger ….
Ja, es gibt tatsächlich Preise. Die ATT werden in diesem Jahr von der Bürgerstiftung Leipzig und dem StuRa der Uni Leipzig gefördert. Den besten drei Produktionen können wir also ein Preisgeld übergeben. Die Preise werden von der Jury vergeben. Ich bin sehr glücklich darüber, dass Peggy Diebler vom Quartiersmanagement Leipziger Westen, der freie Regisseur und Theaterwissenschaftler Michael Wehren und die freie Regisseurin Julia Tausend die Jury besetzen.

Im letzten Jahr war der erste Preis die Möglichkeit, wieder bei uns aufzutreten. Ortmann & Werfel spielen (spielten) am 17. + 18. Juli als Gewinner der ATT 2011 „Die Wanze“ und geben damit den Auftakt der diesjährigen Amateurtheatertage. In dem „Gartenkrimi“ bringt eine Gruppe Ameisen die Ameisenarmee gegen sich auf. Dahinter steckt eine große Verschwörung, die von der Wanze Muldoon gelöst wird. In dem Stück kommen viele Figuren vor, die nur von Franz Werfel gespielt werden. Darauf freue ich mich schon.

Kannst Du kurz die Tage und Abende des ATT12 umreißen? Wer? Wann? Und Wo?

Am Donnerstag fangen die Amateurtheatertage um 14 Uhr mit einem Improvisationstheater-Workshop an. Abends wird es zwei Vorstellungen geben: „Franz“ von Theater Eumeniden (18:30 Uhr) und „Amazonen“ vom Dachtheater Illustris (20 Uhr). Freitag beginnt der Tag wieder mit einem Workshop. Diesmal zur Theatertechnik. Abends wieder zwei Vorstellungen: „Tote Mädchen leben nicht“ von Indigorot (18 Uhr) und „Der Besuch der Alten Dame“ vom Jugentheaterprojekt der Kulturfabrik Leipzig (20:30 Uhr).

Am Samstag findet dann ein Improvisationstheater-Workshop für Fortgeschrittene statt. Die letzte Vorstellung der Amateurtheatertage 2012 wird „Krabat und Kantorka“ der Cammerspiele sein (18:30 Uhr). Während sich die Jury berät, findet im Theaterfoyer ein Konzert der Band frisbee soda statt. Gegen 21 Uhr kürt die Jury die Gewinner.

Trotz des kleineren Programms, ist doch ganz schön was los. Zwischendurch und nach den Vorstellungen kann sich das Publikum in der LOFFT-WG entspannen. Eine Siegerparty wird es sicherlich auch geben.

Alle Termine kann man auf http://lofft.de/web/index.php nachlesen. Für alle Veranstaltungen gibt es auch noch Karten.

Was wünschst Du dir ganz persönlich von den ATT12?

Witzig, dass du fragst.. Tatsächlich hängt in meinem Büro eine Art Motivationsplakat, auf dem alle meine Wünsche stehen …

Ich wünsche mir, dass alle Teilnehmer – ob Publikum, Darsteller, Band, Techniker – viel Spaß haben. Ich wünsche mir, dass die Stücke berühren und dass die Besucher ins Gespräch kommen. Die Amateurtheatertage sollen ein Festival sein, das die Vielfältigkeit und Einzigartigkeit der Leipziger Amateurtheaterszene präsentiert und zeigt, wie wichtig diese für die Kultur ist.

Und natürlich wünsche ich mir, dass die Amateurtheatertage ohne Unfälle über die Bühne gehen werden. Wenn das Wetter mitspielt, wäre das auch schön.

Danke, Stefanie …

Ich danke dir.

http://lofft.de/web/index.php


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Foto: Ralf Julke

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