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Ein Rap als Ode an die Mutter: Bühne der Kulturen im Theater der Jungen Welt

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    Der Schönefelder Muhsin Issiz alias MARAZ siegte mit seinem emotionalen Rap "Mama" bei der "Bühne der Kulturen" am Sonnabend in der Kategorie Gesang. Junge Leipziger mit ganz verschiedenen Herkunftsgeschichten präsentierten sich bei dem Wettbewerb im Theater der Jungen Welt. Und sie zeigten damit die Vielfalt ihrer gemeinsamen Heimatstadt Leipzig.

    Ort der Vielfalt. So wurde das Theater der Jungen Welt unlängst ganz hochoffiziell zertifiziert. Die Emailleplakette schmückt das Theaterfoyer. Künstlerisch und gesellschaftspolitisch wird das Theaterhaus am Lindenauer Markt diesem Anspruch immer wieder gerecht.

    Am vergangenen Sonnabend kam eine weitere Facette hinzu. Die Bretter, deren Backstagebereich an die Odermannstraße grenzt, wurden zur „Bühne der Kulturen“. Dieses Projekt des Sächsischen Bildungszentrums fand nun schon im zweiten Jahr im Leipziger Westen statt.

    Wenn es dabei überhaupt so etwas wie eine verbindliche Leitkultur gab, dann die der Toleranz, wechselseitigen Anerkennung und Wertschätzung. Die künstlerische Bandbreite reichte von klassischer Folklore über moderne Ausdrucksformen in Musik und Tanz. Letzteres muss dabei nicht zwingend chartgerecht getunt sein, sondern überzeugt als Symbiose nationaler Stilelemente und globaler Popkultur umso mehr.

    So erzählen die jungen Interpretinnen und Interpreten immer auch ihre ganz persönliche Geschichte von Herkunft und Zugehörigkeit sowie der Platzsuche in der zusehends multikulturellen Leipziger Stadtgesellschaft.
    Kein Wettbewerb dieser Tage kommt ohne Jury und Siegerpreise aus. Punktgenau zum Muttertag tags darauf überzeugt MARAZ mit seinem Rap „Mama“ die Juroren am meisten. Wenn MARAZ nicht deutschsprachige Raptexte dichtet und singt, geht er als Muhsin Issiz in die 20. Mittelschule in Schönefeld.

    Wir alle wissen es: Heranwachsende junge Männer finden ihren Platz in der Welt ganz ohne weibliche Hilfe und kennen dabei kein Morgen. Jedenfalls glauben sie das eine ganze Weile. Gerade, wenn sie Rapper sind. Doch dann ist es fast so etwas wie eine anthropologische Konstante, dass sich ein Gefühl des Respekts und der Dankbarkeit gegenüber der eigenen Mutter wieder meldet. „Du warst immer da meine Wunden zu heilen“, rappt MARAZ und verspricht das, was alles reuigen jungen Männer versprechen: Nämlich, dass seine Mutter, die er „Königin“ und „Schutzengel“ nennt, nie mehr seinetwegen weinen wird.

    Das Ganze kommt dabei so authentisch rüber, dass die Juroren MARAZ den ersten Preis in der Kategorie Gesang zuerkannten.

    In der Kategorie Tanz hatten am Ende die jungen Frauen von One-a-bee die Nase vorn. Die Tanzgruppe vom Jugendfreizeitzentrum O.S.K.A.R. interpretierten „Hometown Glory“ von Adele.

    Eingängige Lieder in deutsch, kasachisch, russisch und türkisch sowie indonesische, jüdische und kasachische Tänze rundeten das Programm ab. Stark auch die Videoperformance „Das tanzende Klassenzimmer“, die Mathias Buckl mit Schülern der Freien Mittelschule Dr. Rahn umsetzte.
    Schwerpunktland Kasachstan

    Apropos kasachisch. Die Republik Kasachstan war Schwerpunktland der diesjährigen „Bühne der Kulturen“. Für das riesige, fast ausschließlich zentralasiatische Land eine gute Gelegenheit, sich bei den Leipzigern in Erinnerung zu bringen.

    Denn all die Fußball-Länderspiele der letzten Jahre zwischen Kasachstan und Deutschland haben den Bekanntheitsgrad des Landes, dass seit einiger Zeit in den Wettbewerben der Europäischen Fußballföderation UEFA an den Start geht, offensichtlich noch nicht wirklich gesteigert.

    Das legt jedenfalls ein Film nahe, den Sayan Seidigali zusammen mit anderen kasachischen Studenten der Leipziger Hochschulen gedreht hat. Es brauchte jeweils seine Zeit, bis die Kommilitonen in der Leipziger City Passanten fanden, die die gestellten Fragen zu Kasachstan richtig beantworten konnten.

    Vielfalt und enormes Potenzial

    „An die ungewohnte Harmonie kasachischer Musik muss auch ich mich erst noch gewöhnen“, gestand Katharina Krefft, Stadträtin von Bündnis 90/Die Grünen unmittelbar nach der Veranstaltung. „Die Vorstellung ?Bühne der Kulturen‘ war sehr gelungen“, lautet ihr Fazit. Sie habe fasziniert, was die Kinder und Jugendlichen zu bieten haben. „Und sie leben alle in Leipzig“, so die Grünen-Politikerin, „das ist ein enormes Potential und ich freue mich, dass sie hier eine Bühne bekommen.“ Der Anspruch, ein interkulturelles Programm zu präsentieren sei erfüllt worden, betonte Katharina Krefft. „Einmalig“ empfand sie das indonesische Orchester mit der Instrumentalvorführung.

    „Leipzig ist vielfältig und Vielfalt ist Reichtum“, sagte Michael Clobes nach der Veranstaltung zu L-IZ. Das Sächsische Bildungszentrum tue mit der „Bühne der Kulturen“ genau das, was wir von Migranten erwarten würden. „Integration organisieren“, nennt es Clobes. „Wir sollten dies begrüßen, anstatt ihn wegen seiner muslimischen Prägung in eine falsche Ecke zu stellen“, so der Sozialdemokrat. Unter der Woche hatte es Kritik gehagelt, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verwandele die Islamkonferenz in eine Sicherheitskonferenz.

    http://saechsisches-bildungszentrum.de/projekte/kultur

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