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Sisyphos-Arbeit wider Gift und Sucht: Das Theater Trockenbau zeigt sehr private Erinnerungen und Hoffnungen

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    Bei diesem "Trockenbau" geht es nicht um Gipskarton und Metallträger, Bauherren und Bauleute. Um Arbeits- und Gesundheitsschutz geht es denn doch. In den Theaterstücken "Wie geht's?" und "Sisyphosen" mischt sich in die Themen des Lebens ein anderes Thema ein: Alkoholkrankheit. Sie zehrt, und zerrt und plötzlich gibt sie den Ton an. Wird Bestimmer. Aus der Erkenntnis kann ein Ausweg werden.

    Zwei Gastspielvorstellungen zeigt das Leipziger Theater Trockenbau nun am 10. und 11. Juni 2015, um 20:00 Uhr im Theater fact in Barthels Hof, Hainstraße 1. An beiden Abenden kommen die beiden Stücke „Wie geht’s?“ und „Sisyphosen“ zur Aufführung. Beim Theater fact-Verein und Ev Schreiber gastierte die Truppe schon mehrmals. Hier spielte Uwe Kraus auch seit Jahren in vielen Stücken diverse Charaktere.

    „Zu viel zerreißt den Sack“, lautet eine alte Bauernweisheit. „Alles Gute kann ab einer gewissen Dosis zu einer gefährlichen Gewohnheit werden“, sagen die Apotheker, „dann wird es Gift und führt zur Sucht.“ Auf dieses Gift zu verzichten, ist vielleicht genau so anstrengend wie die Sucht. Eine Bauernweisheit lautet aber auch „Geteiltes Leid ist halbes Leid.“

    Seit fünf Jahren arbeitet, plant und probt kontinuierlich das Theater Trockenbau, tritt von Zeit zu Zeit auf, neue Texte, neue Stücke, neue Termine, Einstudierungen und Umbesetzungen treiben Uwe Kraus und seine Mitstreiter voran und halten sie zusammen.

    Von der Flucht zur Sucht. Den Ausweg kann man gemeinsam finden und muss ihn allein gehen. Foto: Theater Trockenbau
    Von der Flucht zur Sucht. Den Ausweg kann man gemeinsam finden und muss ihn allein gehen. Foto: Theater Trockenbau

    Theater zum Thema Sucht zu machen und damit auch an die Öffentlichkeit zu gehen, war schon 2004 eine Idee des Leiters der Adaptionseinrichtung der Soteria-Klinik in Leipzig. So entstanden erste Projekte. Bei Sucht-Aussteigern gibt es Wiedersehens-Treffen wie bei Schulklassen, Kommilitonen und Arbeitskollektiven. Und man redet von früher. Uwe Kraus hatte, als einstiger Student der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, die Idee Szenen aufzuführen – Szenen die das Leben schrieb, die die Anwesenden prägten und Konsequenzen hatten.

    Nach einmaligen Aufführungen gab es die Idee zur Fortsetzung, zum Einsatz bei Prävention, Beratung, Therapie und Wissenschaft.

    Leipzigs Mischhaus e. V.  mit seinem „Motor“ Steffen Birnbaum ist der Projektpartner des Theaters TROCKENBAU. Regie führte Stanislaw Brankatschk, Schauspieler am neuen theater Halle. Als Schauspielstudent begann er einst seine Laufbahn in Leipzig.

    Seit Jahren spielt Trockenbau einmal jährlich in der Justizvollzugsanstalt Torgau, in Borna, Chemnitz und Markkleeberg waren die letzten Auftritte. Bei einer Konferenz im Mediencampus der Sparkasse Leipzig lieferten die Schauspieler die szenische Gesprächsgrundlage.

    Ein Stücktitel „Wie geht’s?“ verrät schon ganz andere mögliche Themen, Varianten und Konsequenzen als die dahingehauchte Frage nach dem „Hallo“-Sagen im Alltag. Und aus dem Sisyphos wird ein mehrdeutiger Begriff vom Namenshelden bis zu Psychosen. Zum Inhalt der beiden Stücke schreiben die Theatermacher:

    „Wie geht’s?“

    „Wie gehen wir mit der Lüge um? Wie gehen wir mit der Wahrheit um? Wer will denn schon immer die Wahrheit hören? Wann ist dafür der passende Zeitpunkt? Passen Wahrheiten gerade ins eigene persönliche Konzept? Interessiert denn die Wahrheit? Möchte ich auf eine gestellte Frage tatsächlich eine Antwort haben? Warum stelle ich diese Frage eigentlich? Lügen und Unwahrheiten gehören zu unserem Leben. Ein fiktiver Vortrag, mit mehreren Spielszenen illustriert.“

    "Einsicht ist der erste Weg zur Besserung", sagt der Volksmund. Mit ihren Szenen helfen die Akteure nach. Foto: Theater Trockenbau
    „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung“, sagt der Volksmund. Mit ihren Szenen helfen die Akteure nach. Foto: Theater Trockenbau

    „Sisyphosen“

    „Ein Leben zwischen den Therapien. Harald Engler ist wild entschlossen abstinent zu leben. Doch es will ihm nicht gelingen. Immer wieder geht es schief. Nichts läuft so, wie er es sich vorstellt. Und es steht für ihn, wie in Stein gemeißelt – Schuld sind immer die Anderen! In Vor-, Rück- und Zwischenblenden wird die Geschichte eines Alkoholkranken skizziert, der seinen Träumen und Sehnsüchten nachjagt, aber nicht die geeigneten Mittel findet, sich ihnen zu nähern. Und er wird einsehen müssen, dass er sein Denken umstellen muss, um an das zu gelangen, was er sich so sehr wünscht. Normalität. Aber, was ist schon normal? Am Ende befindet sich Engler wieder in Therapie. Von seinem Therapeuten bestärkt, versucht er es erneut. Es bleibt offen, ob es später für Engler heißt: Nach der Therapie ist vor der Therapie. Sisyphosarbeit für beide.“

    Darsteller sind Viktoria Hofmeier, Manuela Löbel, Kai Balzer, Rene Fickenscher, Uwe Kraus, Simon Laurin, Uwe Neumann. Sie alle haben ganz unterschiedliche Vorkenntnisse aus Kursen und Praxis, bei einigen sogar das Schauspielstudium.

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