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Montag, 18. Januar 2021

Tanners Interview mit der Salon-Noir-Organisatora Mama Ulita

Von Volly Tanner

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    Burlesque fasziniert. Auch den Tanner. Mit allen Sinnen. Und so wundert es niemanden, dass der Tanner auch gern Burlesque-Künstlerinnen und -künstler interviewt. In Leipzig stehen ganz oben auf der Bühne die Lipsie Lillies - mit Mama Ulita, der ranken schlanken Heldin des rauschhaften Tanzes. Besonders, da am Samstag, den 7. November in der Villa Hasenholz ihr Salon Noir stattfindet.

    Oh Mama Ulita, oh Göttliche! Dein Salon Noir öffnet sich wieder in der Villa Hasenholz – am 07.11.2015. Freude rauscht durch die Wälder, erotisierendes Knistern lässt die Herbstblätter aneinander kuscheln. Ist denn die versteckt im Walde pulsierende Villa Hasenholz der perfekte Ort dafür? Was hat Dich dorthin geritten?

    Mein lieber Volly, Du bist so pathetisch und romantisch, das mag ich so an Dir. Marion von der Villa Hasenholz ist eine langjährige Freundin und Bekannte aus den Kreisen rund um Silvana Bussoni von der Hamburger Band The Mobilettes und Simone de Boudoir, meiner lieben Kollegin, von den Lipsi Lillies. Sie kam 2009 aus Hamburg nach Leipzig, um dieses Abenteuer Villa Hasenholz anzupacken. Da haben wir mit den Lillies gerade angefangen, Burlesque in Leipzig publik zu machen und Marion war damals schon begeisterter Gast in unseren ersten Shows im Leipziger Centralkabarett.

    Nunja – aber Freundschaft schafft ja noch keine optimale Location, oh Mama.

    Mein Herz schlägt für wilde Parties mit morbider Eleganz, durchtanzte Nächte und obskure Performances mit Qualität und Ausnahmecharakter in einmaligen Locations. Seit 2006 organisiere ich Parties zu meinem eigenen Vergnügen und seit 2011 Party-Shows mit internationalen Burlesque Performern. Damals hieß das Ganze noch Lipsi Hop Tea Dance oder Ballroom goes Burlesque und fand in Noels Ballroom statt. Das waren die Anfänge in Leipzig. Im April 2012 hat mein Mann und Partner Shakin Casi das Salon Noir Konzept entwickelt und mich mit ins Boot geholt. Wir haben damals in Dresden in der Scheune angefangen und sind dann erst nach Leipzig, dann Frankfurt a.M., Augsburg, Chemnitz und kürzlich nach Bad Salzungen getourt.

    Die Villa Hasenholz, mit Marion als kreativer Kopf, mit Mut und Leidenschaft, ihre Liebe fürs Detail und ihre Begeisterung für obskures Entertainment und ihrem Enthusiasmus und Sinn für das Außergewöhnliche, das alles macht sie und ihre wilde Villa zum perfekten Partner für den Salon Noir.

    Und wen hast Du im Sack für den Salon Noir?

    Scotty the Blue Bunny ist New Yorker Performancekünstler und für mich eine Legende, die ich immer von der Ferne bewundert habe. Vor zwei Jahren ist er nach Berlin gezogen und wir haben seither in vielen Shows zusammengearbeitet und sind Freunde geworden. Der große blaue Hase passt einfach in die Villa Hasenholz wie die Faust aufs Auge. Er wird Karotten essen, riesige Luftballone aufblasen und das Publikum anstarren, alles das, was man von einem Hasen erwartet.

    Und an der weiblichen Front?

    Bettie Blackheart, ist die finnische Königin, mit ihrem eigenen Burlesque Imperium. Sie ist die Initiatorin des Helsinki Burlesque Festivals, mit dem sie seit fast zehn Jahren die weltweite Creme de la Cremé von Künstlern nach Europa holt und damit eine Plattform erschaffen hat für Austausch und Weiterentwicklung der Kunstform Burlesque. Sie ist zudem auch Malerin, Visual Artist und Burlesque Instructor. Big Bad Bettie Blackheart ist eng verbunden mit Satans Angel, der noch lebenden Burlesquelegende, die in den 60er Jahren die Firetassels erfunden hat und diese Kunst an einen ausgewählten Kreis an Performern weitergibt. Sie hat mich trainiert, die Firetassels zu benutzen und wir werden das erstmals gemeinsam zelebrieren. Ich bin unglaublich aufgeregt.

    Koko La Douce, the Swiss Miss, ist Mistress of Ceremonies. Koko ist seit Jahren fester Bestandteil der Salon Noir Showcrew. Sie ist schön, anarchisch, kreativ und die perfekte Rampensau, die das Spektakel mit ihrem frivolen Wortwitz zusammenhält. Mit Koko war ich letztes Jahr bei der Burlesque Hall of Fame in Las Vegas, dem wichtigsten Event für uns Burlesquer, bei dem sie 2012 den Preis „MOST INNOVATIVE“ gewonnen hat und ich habe als erste deutsche Burlesquerin dort debutiert. Sie ist ein burlesquer Superstar in den USA, da sie eine der Hauptrollen in dem Film „Burlesque Assasins“ verkörperte, mit einer Szene in der sie Marlene Dietrich mit absolutem Gänsehautfaktor interpretiert. Let her entertain you!

    Ich freue mich ja besonders auf Mirielle Taútaú.

    Ja, ich weiß, Volly. Mirielle Taútoú, meine liebe Schwester von den Lipsi Lillies, zeigt ihre spektakuläre Candy-Queen Darbietung. Mein persönliches Highlight für klassischen Burlesquetanz und opulentes Entertainment. Mirielle ist Grazie und Amazone zugleich und ich wünsche ihr, dass sie mit ihrer Kunst bald auch über die Grenzen von Leipzig bekannt wird. Gemeinsam zeigen wir eine neue Darbietung, unsere Spacefrösche, die sind amphibisch obskur und auch ein bisschen sexy. Pinky Peacock, ein Augenschmaus mit dem schönsten Popo des Abends. Sie ist Brain of the Night, Stagemanager, Pick-up Artist und Kokos Mit- oder aber auch Gegenspielerin. Lassen wir uns überraschen, was sich die Beiden wieder einfallen lassen, um das Publikum zu umgarnen.

    Und Du? Erzähl mal, was machst Du an dem Abend?

    Auch ich selbst bin mit einer neuen Nummer dabei, bei der ich endlich Headbangen werde – der Traum meiner Jugend. Ich habe immer die Metalheads bewundert mit den langen Haaren, die im Moshpit aussahen, als würden sie sich gleich in absolute Ekstase bangen. Das hatte so was Wildes und Schönes. Meine Haare waren leider immer zu kurz dafür, aber ich erfülle mir den Traum jetzt selbst, denn Burlesque macht’s möglich. Zudem ist das Kostüm aus Teilen gefertigt, die ich von einer deutschen Striptease Legende geerbt habe. Der Act hat Patina!

    Musikalisch hast Du THE MONTESAS & MONTESITAS (GER) im Ring. Was machen die denn? Ich persönlich habe von denen noch niemals gehört.

    Volly, na da wird’s Zeit! Die Montesas sind Deutschlands legendärste 60s-RocknRoll-Band, direkt aus dem Kasseler Underground, von wo aus sie durch die Welt touren. Total tanzbar, ein Schmankerl für die Augen und Ohren. Seit zwei Jahren sind wir dran, sie für den Salon Noir zu buchen, jetzt hat es endlich geklappt. Ihr Frontmann Marcel Bontempi ist Ausnahmekünstler und kreativer Allrounder. Er verantwortet seit Jahren das Artwork für unsere Events, auch das der Lipsi Lillies und vieler anderer Veranstaltungen mit Retroflair. Plattencover von Bands, Bühnenbilder fürs Offtheater, Plakat- und Illustrationskunst mit Stil und Wiedererkennungswert. Und dann ist er eben noch Sänger der Montesas und verschiedener anderer musikalischer Projekte.

    Jetzt weiß ich aber immer noch nicht, was diese Kapelle für Musik macht, also ganz konkret. In den 60gern gab’s ja auch ganz schön musikalisches Kuddelmuddel.

    Die Montesas & Montesitas lassen sich so beschreiben: Die Trommeln tosen, der Bass wummert, die Orgel dröhnt, die Gitarre jault – auf der Bühne vier Männer mit spitzen Schuhen, Schlips, Hemd und Anzughose. Die Lieder klingen ungestüm, wild, raubeinig und manchmal voller Sehnsucht und sind eine wilde Mixtur aus Rockabilly, Beat, Surf und RnB. Mit dabei sind die MONTESITAS, die recht späte deutsche Antwort auf die U.S.-amerikanischen Shangri-las. Die MONTESITAS bestechen durch ihren mädchenhaften Gesang und ihre ausgefuchste Choreographie auf der Bühne, und sorgen für die nötige Portion weibliche Intuition auf den langen und weiten Konzertreisen der MONTESAS.

    Außerdem kommen sie gerade von einer Tour durch Spanien und sind richtig gut eingespielt, um uns vom Feinsten musikalisch zu unterhalten. Außer unserer bezaubernden Band haben wir noch drei hochkarätige DeeJays an diesem Abend. Neben meinem Partner DJ Shakin Casi werden noch DJ King Coleman Jr. aus Recklinghausen und DJ Gunnar „The Gun“ Stachmann aus Basel hinter den Plattentellern stehen. Mit einer brisanten wie tanzbaren Mischung aus Rock n Roll, Rhythm n Blues und Soul werden sie dem Publikum mit ihren 45er Schallplatten ordentlich einheizen.

    Du weißt ja, dass ich ein großer Fan von Mirielle Taútaú bin. Ihr Anfahrtsweg ist ja ein Kürzerer, sie lebt schließlich hier in Leipzig. Die anderen Protagonistinnen und Protagonisten kommen jedoch aus Finnland, den USA oder der Schweiz. Wie finanziert sich der Salon Noir? Funktioniert das rein über die Eintrittsgelder? Das ist doch ein ganz schön eng gestricktes Kleid. Wie machst Du das, oh Mama?

    Der Salon Noir ist ein Netzwerk-Event, den ich natürlich nie alleine stemmen könnte. Shakin Casi ist seit über 20 Jahren als Musiker und DJ in ganz Europa unterwegs, arbeitete als Booker für Festivals und Events im Retrobereich und stützt sich mit seinen Erfahrungen auf ein verlässliches Netzwerk zu Locations und Veranstaltern und er ist mit Leidenschaft bei der Sache. Ich selbst toure seit fast zehn Jahren mit Burlesque durch Deutschland, Europa und 2014 hat es mich sogar nach Las Vegas und San Francisco verschlagen. Ich brenne für Burlesque, die Künstler, den Spirit und pflege ein umfangreiches Netzwerk zu Performern aus aller Welt. Im Salon Noir werfen wir unseren Enthusiasmus und langjährige Erfahrungen auf, vor oder hinter der Bühne zusammen und gestalten den Event. Das ganze Spektakel finanziert sich tatsächlich aus den Eintrittsgeldern. Zum Glück haben wir in Leipzig Sponsoren, wie Juckreiz Tattoo, Madame Käthe Frisuren, Sailor Jerry Rum und andere, die uns helfen, die eine oder andere Lücke zu schließen. Was die Werbung angeht, bauen wir auf unser persönliches soziales Netzwerk und Mundpropaganda in der Nische, in der wir uns bewegen. Es gibt kein Budget, um Anzeigen zu schalten oder redaktionelle Beiträge zu kaufen. Das Kleid ist wirklich eng gestrickt, aber es ist eben ein Selbstgestricktes.

    Wie entsteht dann aber so ein fettes Programm?

    Natürlich können wir Niemanden exklusiv aus Übersee einfliegen lassen. Aber wir sind langfristig und manchmal über Jahre in Kontakt mit den Künstlern, die wir gerne unserem Publikum präsentieren wollen. So wissen wir immer wer auf Tour ist, oder wer gerade wohin umgezogen ist. Oftmals müssen wir ein, zwei Jahre warten, um die Leute zu bekommen, die wir uns wünschen. Meist entsteht die Zusammenarbeit, wenn die Leute sowieso auf Tour sind. Bei den Künstlern haben wir international ein gutes Standing, denn wir arbeiten nach dem Motto, „from one heart to another“ und schaffen Erlebnisse sowohl für die Mitwirkenden als auch für unser Publikum, die nachhaltig wirken und unvergesslich bleiben sollen. Daher ist es für uns wichtig, dass Location, Showcrew, Technik, Bühnenbild, Bar, Unterbringung also das Gesamtkonzept stimmig ist und jeder sich wiederfindet und gerne dabei ist und wiederkommen möchte. Und natürlich sind wir angewiesen auf eine positive Mundpropaganda, unser soziales Netzwerk und wohlwollende Journalisten, wie du einer bist, die unsere Leidenschaft sehen und uns supporten. Hiermit danke ich erstmal allen, die uns schon seit Jahren unterstützen!

    In Deiner Vita steht folgender Hinweis: „Die amerikanische Burlesque Legende Satans Angel und original Queen of Firetassels, verlieh ihr das Zertifikat, als einzige deutsche Künstlerin, die spektakuläre Performance der brennenden Brüste aufzuführen.“ Brennende Brüste???? Autsch! Was machst Du denn da genau?

    Tja Volly, das bleibt ein Geheimnis, denn unsere Künstlerin Bettie Blackheart aus Helsinki ist Finnlands Queen of Firetassels und wir werden im großen Finale am 07.11. diese Kunst unserem Publikum präsentieren. Kommt alle und seht Euch das Spektakel an. Ich verspreche Euch, es ist kein Trick, es ist heiße Realität und eine wahre Kunst, die nach dem Motto funktioniert: We burn ourselves in Showbiz!

    Abschließend kannst Du hier noch mal aus vollen Kanonen schießen und die interessierten Menschen für den 07.11. heißmachen. Gib Feuer, Mama Ulita.

    Treten Sie ein und erleben Sie eine verführerische Reise in die Sphären des längst vergessenen Unterhaltungstheaters des vergangenen Jahrhunderts. Lassen Sie sich bezaubern von Nostalgie gemixt mit moderner Unterhaltungskunst. In kleinen mit einem Augenzwinkern versehenen erotischen Varieteestücken, ziehen die Künstler das Publikum in ihren Bann. Aufregend gestaltete Kostüme, humoristische Einlagen, charmante Conferencen und Enter-tease-ment ohne Grenzen wird gemixt mit heißen Rhythmen zu Live Musik und DJ-Kunst im Stil der 50iger und 60iger Jahre. Tauchen Sie ein in ein unvergessliches Showerlebnis und tanzen Sie selbst durch die Nacht! Salon Noir – die exotische Nacht voll knisternder Spannung! Be there or be square!

    Die Villa Hasenholz in ihrem wundervollen warmen Ambiente bietet genügend Platz für jeden Gast von spritzig jung bis leidenschaftlich weise. Die zauberhafte Barchefin Sophia und ihr Barteam warten auf mit exotisch kreativen und unglaublich leckeren Cocktails!

    Tickets gibt es bei tixforgigs, der Ticketgalerie Leipzig oder an der Abendkasse.

    Wir freuen uns auf Euch!

    Danke für Deine Antworten!!!

    Danke für Deine Fragen und dass Du nach all den Jahren im Medienbizz immer noch begeisterungsfähig und authentisch bist. Cheers Volly!

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