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Theater fact bittet an Bord zur „Komödie wider Willen“

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    Samstagmittags wirbelten Break-Dance-Hip-Hopper über den Leipziger wie Anfang der 1990er Jahre Fischermanswharf in San Francisco, nun - in der Retrowelle - wird mittendrin die „Titanic“-Doppelplastik vom Ozeanfeeling am Dampfer-Bugspriet eingebaut, und am Hemd des Lovers wird gezupft, als walle es im Wind... Nein, das ist noch das Theaterstück, das am Abend im fact-Theaterkeller unter Barthels Hof gezeigt wird, und die Tänzer der einen Darbietung haben mit den Darstellern des anderen Stückes nichts zu tun.

    Schiffe unterschiedlicher Größen, und das, was man dafür halten kann, sind im Theater fact-Bühnenbild nicht neu, im Sommertheater stachen schon einige Windjammer auf blauem Teppich in die wasserlose See… Doch das ist draußen, open air. Und nun soll die Seefahrt im Unter-Hof-Theater stattfinden, und keine vermeintliche U-Boot-Fahrt sein?

    Sächsische Seefahrtssehnsucht

    Sachsen lieben das Meer sowieso, vielleicht nicht mehr oder weniger als Bewohner anderer Landstriche. Admiral Bromme aus Leipzig-Reudnitz und Joachim Ringelnatz-Bötticher oder Beispiele aus der eigenen Verwandtschaft und Bekanntschaft bestätigen eigene Leidenschaften. Sehnsucht nach Strand und Meer und Leuchttürmen, Interesse an Schiffen und Seefahrern werden größer, wenn sie einmal geweckt sind.

    In Dichtung und Drama sind Schiffe, Wind und Wogen sonst gewaltige Symbole, doch in J. D. Howfields „Komödie wider Willen“ geht’s um die große Reise an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Irene hat im Lotto eine Reise gewonnen, nun erobert sie mit Ehemann Wolfgang die Kabine, mit begehbarem Schrank und sogar zwei Waschbecken, und das Schiff mit all seinem Luxus mit Staunen und Ängsten: Da geht die Dame schon mal eingehüllt in ihre Rettungsweste zu Bett. Freilich singen Möwen in Küstennähe, das Typhon dröhnt übers Oberdeck, aber Meereswogen kommen allenfalls musikalisch daher.

    „Ich habe Angst“

    Irene ist belesen, doch die „Titanic“-Lektüre ängstigt sie nun, wenn der Moment näher kommen könnte, „als die 3. Klasse verschlossen wurde…“

    „Ich habe Angst. Wenn ich früher Angst hatte, hast Du die Hand um mich gelegt?“ So geschieht es. Auf der Bühne, und im Publikum tun es ein paar Paare auch.

    Zeit vergeht wie auf dem Schiff. Foto: Theater Fact
    Zeit vergeht wie auf dem Schiff. Foto: Theater Fact

    Nele Hamann und Uwe Kraus durchleben in mannigfaltigen Kostümen, so wie man es sich bei solchen Touristen nur vorstellen kann, diese Kreuzfahrt in Form eines Theaterstücks.
    Aus diesen Ideen hätte man woanders eine mehrteilige Seifenoper gezaubert. So aber kommen die Szenen wie kleine feine Schauspielereien daher, beinahe selbstständig, im Gefüge dieses Dramas. An Emotionen wird ja nicht gespart, zumindest nicht an Befürchtungen und Begeisterungen.

    Dann sind da noch der italienische Kellner, gespielt von André Ryll, derselbe auch als geschäftstüchtiges Bruderherz an der Seite eines Stars der Unterhaltungskunst, divengleich agiert Mona Schubert. Und eben sie verleiht auch der Möwe eine ausdrucksstarke Stimme.

    Zeit vergeht wie auf einem Schiff

    Regisseurin Ev Scheiber gibt den Szenenabläufen unterschiedliches Tempo, da vergeht die Zeit wie auf dem echten Schiff zwischen Einschiffung und Landgang unterwegs. So wird aus dem Traumurlaub ein Urlaub, eine Pause, für Träume. Naja, beinahe…

    Es gibt für alle Partnerschaftsprobleme eine italienische Lösung! Darf die jetzt verraten werden? Nicht ganz, aber mit einem Lied hat es zu tun, denn dessen Einstudierung und Darbietung sind köstlich anzuschauen. Und bringen das Stück zu einer Schlusspointe.

    Was das Wasser betrifft, so waren in Barthels Hof  wochenlang Tiefbauarbeiten im Gange, um das Areal mit Um- und Einbauten aus mehreren Epochen trockenzulegen. Vorerst musste noch ein Theaterbesucher gewarnt werden, beim Weg über die Treppe nicht über den Wasser-Auffang-Eimer zu stolpern.

    Vor Anker gehen

    So schön die Seefahrts-Gleichnisse in den Welten der Werbung auch immer sind, etwa wenn getönt wird: „Mit vollen Segeln in eine erfolgreiche Zukunft“. Dann denkt doch keiner an Flauten und einen Seegang, den die Kapitäne „Ententeich“ nennen.

    Freilich kann man hier und da „vor Anker gehen“  und es soll passieren, dass fern der Meere Leute den Biss verlieren, die Beißkraft, wie einst die Seeleute bei Vitaminmangel Skorbut bekamen. Und Schiffbruch wünschen wir niemandem.

    Schönes Seefahrts-Gleichnis. Foto: Theater Fact
    Schönes Seefahrts-Gleichnis. Foto: Theater Fact

    In der modernen Seefahrt und allen Wahrscheinlichkeiten, an die das Sicherheitspersonal zu denken vermag, spielen nach Ehezwisten eventuell durchdrehende Passagiere tatsächlich eine schwer zu berechnende Gefahrenquelle, wie sich neulich ein Kreuzfahrtsprofi in einem Interview äußerte.

    SchauspielerInnen haben seit Inthronisationen von Regisseuren diverse Formen von Drill zu ertragen, und sind eventuell mit ihrer Teilnahmeerklärung von Entscheidungen weitestgehend befreit. Theater der Kollektive kennt seit Jahrhunderten viele Formen, und die Ignoranz desselben. Da sagte kürzlich ein Berliner-Theatertreffen-Regisseur, dass sich bei ihm Schauspieler ausschließlich „als Teil eines Ganzen fühlen dürften“, befreit davon, dass Zuschauer nach der Darsteller-Persönlichkeit neugierig Ausschau hielten. Freilich ist auch diese Arbeitsweise erlaubt.

    Im Theater fact freut man sich, Schauspielern wie Nele Hamann, Uwe Kraus und Andre Ryll in mehreren Inszenierungen nacheinander oder nach Jahren wieder neu zu begegnen in ihrer Wandlungsfähigkeit.

    Warum war eigentlich noch niemand darauf gekommen, ein Theaterstück „Komödie wider Willen“ zu nennen.

    Nächste Termine:
    8.05.2016, 16:00 Uhr, Zum Muttertag vom Theater fact als Kaffee- und Kuchentag in Familie empfohlen!
    9., 13., 14., 16.05. Beginn: 20:30 Uhr, 15.05.2006, Beginn: 16:00 Uhr.

    Vorschau:  Nächste Premiere am 4. Juni 2016, 20:30 Uhr, „Prost Mahlzeit!“ Stück über eine Frau, die bereit ist, aus Liebe zu sterben.

    Sommertheater ab 2. Juli bis Ende August in Webers Hof: „Der Raub der Sabinerinnen“, die Komödiantengeschichte an sich, eine klassische Tragikomödie, den „Raub der Sabinerinnen“. Da darf dann aus dem lachenden Auge auch eine Träne purzeln.

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