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Tannhäuser in Leipzig: Fiebriger Tenor rettet Wagnerianern den Abend

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    Im Opernhaus wird wieder Wagner gespielt. Mit „Tannhäuser“ stand am Sonntag die erste der sechs Opern des Leipziger Komponisten auf dem Programm, die in dieser Saison am Augustusplatz gegeben werden. Im Fokus standen der neue „ständige Gastdirigent“ Felix Bender und der schwedische Heldentenor Daniel Frank.

    Als die Sänger nach vier Stunden Oper zum Schlussapplaus auf die Bühne zurückkehrten, hielt er sich kaum noch auf den Beinen. Nachdem Daniel Frank während des zweiten Akts ein Fieberschub ereilte, stürzte sich der Sänger der Titelpartie beherzt in den kraftraubenden dritten, als wäre nichts gewesen. Andernfalls hätte die Vorstellung abgebrochen werden müssen. Für diese Heldentat zollten dem Schweden Kollegen und Publikum gleichermaßen Respekt.

    Dass der frühere Rocksänger an diesem Sonntag nicht ganz auf der Höhe war, bemerkten fachkundige Zuhörer direkt nach der Ouvertüre. Der 43-Jährige mit der langen Zottelmähne und steifen, energiegeladenen Tenorstimme verschlief als Tannhäuser gleich den allerersten Einsatz. „Dir töne Lob, lalala …“ Frank haderte sichtlich mit sich selbst, fing sich jedoch schnell. Trotz Fieberattacke, über die das Publikum vor Beginn des dritten Akts informiert wurde, sang sich Frank im zweiten Akt in einen Rausch, der im Schlussakt in einer äußerst erregend gestalteten Rom-Erzählung kulminierte.

    Franks Bühnenpartnerinnen waren indes in Bestform. Kathrin Göring berauschte das Publikum in der szenisch zwar soliden, aber stets unterkühlten Inszenierung des Katalanen Calixto Bieito mit den wahnhaften Phantasien und Sehnsüchten der Liebesgöttin Venus. Elisabeth Strid verlieh der Elisabeth, die in dieser Inszenierung bis zum bitteren Ende beinahe roboterhaft die Unschuld in Person sein muss, ohne eigene Gefühle auszuleben, wie schon in der Premiere jugendlichen Charme und stimmlichen Glanz.

    Die Ensembles im zweiten Aufzug waren aufgrund der stimmlichen und spielerischen Qualitäten von Matthias Hausmann (Wolfram), Patrick Vogel (Walther), Randall Jakobsh (Biterolf), Kyungho Kim (Heinrich) und Sejong Chang (Reimar) wie immer ein Genuss. Besonders erwähnenswert ist die emotional aufwühlende Interpretation Hausmanns, mit der sich der Bariton für Einladungen an größere Häuser empfiehlt. Sebastian Pilgrim begeisterte mit seinem donnernden Bass als Landgraf Herrmann.

    Felix Bender erntete für seinen erfrischend lebendigen Zugriff auf den Klassiker am Pult des wagnererprobten Gewandhausorchesters einige Bravos. Anders als Intendant und Generalmusikdirektor Ulf Schirmer verzichtet der gebürtige Hallenser, der während der Schulzeit im Thomanerchor sang, auf Lautstärke und Knalleffekte. Dafür fokussiert er sich umso mehr auf die technischen Finessen und Einfälle in Wagners Partitur, die er die Musiker mit einem penetranten Hang zur Perfektion spielen lässt. Das Resultat ist ein sauberer Klang, der die Anleihen Wagners an Beethoven und Mozart hörbar werden lässt.

    Tannhäuser ist in Leipzig diese Saison (leider) nur noch einmal zu erleben. Bei der Aufführung am 9. Dezember wird die Titelpartie von Stefan Vinke und Elisabeth von Liene Kinca gesungen. Im März gastiert die Oper mit der Produktion an zwei Abenden in Hongkong. Am Pult steht dann wieder Hausherr Ulf Schirmer.

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