Wagner ist ja so typisch für die Nachwehen der Romantischen Schule und das Scheitern bürgerlicher Erlösungsträume, die gerade bei Wagner mit Überschwang und Verklärung verbunden sind. Und mit einem Hang zur mythischen Übersteigerung. Dafür steht auch sein „Fliegender Holländer“, 1843 uraufgeführt. Am heutigen Samstag, 30. März, erlebt das Musikdrama wieder Premiere am Opernhaus Leipzig.

„Traft ihr das Schiff im Meer an, blutrot die Segel, schwarz der Mast?“ – Die Neuinszenierung von Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ feiert am heutigen Samstag, 30. März, an der Oper Leipzig Premiere. Sie markiert einen weiteren Meilenstein in Vorbereitung auf die Opernfesttage „Wagner 22“ der Musikstadt Leipzig im Sommer 2022.

Die Oper verfolgt unter der Leitung von Intendant und Generalmusikdirektor Prof. Ulf Schirmer das ehrgeizige Ziel, bis dahin alle Opern Richard Wagners – inklusive seiner Frühwerke – im Repertoire zu führen und sie im Juni/Juli desselbigen Jahres in der Reihenfolge ihrer Entstehung innerhalb von dreieinhalb Wochen zur Aufführung zu bringen.

Zahlreiche Legenden ranken sich um die Gestalt des bleichen Seemanns: Bis in alle Ewigkeit ist der fliegende Holländer – gesungen von Iain Paterson, der in der vergangenen Saison unter anderem als Wotan im Leipziger „Ring“ auf der Bühne stand – dazu verdammt, auf seinem Geisterschiff die Weltmeere zu durchsegeln, ohne Rast, ohne Ziel. Nur einmal alle sieben Jahre darf er an Land, um dort Erlösung zu suchen: in einem „Weib, das bis in den Tod getreu ihm auf Erden“.

Die Kapitänstochter Senta – interpretiert von Christiane Libor, gefeierte Wagner-Interpretin und häufiger Gast der Oper Leipzig – glaubt sich auserkoren, diesen Fluch zu brechen. Als ihr Vater Daland (Randall Jakobsh) mit einem geheimnisvollen Fremden an seiner Seite von der See zurückkehrt, erkennt sie sofort den Verdammten aus jener düsteren Seemannsballade, die ihr schon die Amme Mary (Karin Lovelius) vorsang, und bricht auch die letzten Brücken zum vorgezeichneten Leben mit ihrem Verehrer Erik (Ladislav Elgr) ab.

Ein echtes Männer-Drama also: Wo ist nur die Frau, die mich von meinem Verdsammtsein erlöst?

Wagner eben, bei dem Erlösung immer ins Mythische führt.

Der fliegende Holländer mit gestrandetem Wal. Foto: Oper Leipzig,Tom Schulze
Der fliegende Holländer mit gestrandetem Wal. Foto: Oper Leipzig, Tom Schulze

Mit dem Einbruch des Übersinnlichen und der dämonischen Naturgewalten in die Realität knüpfte Richard Wagner in seinem 1843 uraufgeführten „Der fliegende Holländer“ an die Tradition der schauerromantischen Oper an und beschritt mit dem Erlösungsmotiv einen Weg, der für seine folgenden Musikdramen bestimmend werden sollte. Das stürmische Wogen des Meeres, wilde Seemannschöre und die zentrale Ballade Sentas verdichtet Wagner zu einem atmosphärischen Thriller, der vom ersten Ton an in Bann zieht.

Regisseur Michiel Dijkema, der bereits mit seinen bewegenden Arbeiten an „Tosca“, „Faust“ und „Rusalka“ das Leipziger Publikum begeisterte, erzählt in seiner Inszenierung der romantischen Oper von zwei Außenstehenden, von der Suche nach Heimat, aber auch von der drängenden Sehnsucht nach dem anderen, die selbst den Tod nicht scheut.

Wagner wurde in Heinrich Heines „Memoiren des Herren von Schnabelewopski“ zum ersten Mal 1837/38 auf die Sage vom „Fliegenden Holländer“ aufmerksam. Dijkema integriert Auszüge dieses Werks in seine Regie und erzählt seinen Holländer als ausstattungsgewaltige Geschichte in einem imposanten Bühnenbild, das sichtbar vor dem offenen Bühnenhintergrund installiert ist. Die Kostüme, die sowohl Entstehungszeit der Oper widerspiegeln, als auch der Geisterwelt eindrucksvoll Kontur verleihen, stammen von Jula Reindell. Am Pult des Gewandhausorchesters steht Intendant und Generalmusikdirektor Prof. Ulf Schirmer.

Richard Wagner „Der fliegende Holländer“, Premiere ist am Samstag, 30. März 2019, 19 Uhr

Weitere Aufführungen: 22. April, 12., 17. und 30. Mai, 10. Juni 2019 (alle Vorstellungen mit Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn).

 

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Ralf Julke über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar