NPD-Zentrum Odermannstraße: Wenn Neonazis zuschlagen

Stefan* (31) sitzt der Schreck noch immer in den Gliedern. Der Westdeutsche besuchte Mitte Januar seinen Kumpel Jonas* (30) in der Messestadt. Am 14. Januar, ein Freitagabend, gingen die beiden erst auf eine Party in der Thüringer Straße. Von dort machten sich die Freunde gegen halb eins auf zur Kneipe "Skorbut" am Lindenauer Markt. Ihr Weg führte sie vorbei an der Odermannstraße.
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Hier angekommen, machte Jonas seinen Begleiter auf den nahen NPD-Treff aufmerksam. „Ich wollte mir das einfach mal anschauen“, erinnert sich Stefan. In seiner Heimat sei die Partei bei weitem nicht so präsent wie in Sachsen. „Deswegen mein Interesse.“ Vor dem abgeschirmten Grundstück blieben die jungen Männer kurz stehen. Ein fataler Fehler.“Ein Mann kam aus dem Tor und fragte uns agressiv, was wir hier tun würden“, berichtet Stefan. Keine halbe Minute später waren die Männer von sechs Mann umringt. Ein sehr stämmiger Kamerad beschuldigte sie zu Unrecht, ein Schloss verklebt zu haben. „Gebt eure Ausweise her, sonst rufe ich die Polizei“, drohte er.

Jonas und Stefan ließen sich nicht einschüchtern, wollten ihrerseits die Beamten hinzuziehen. Das ging dem Insassen der Odermannstraße 8 zu weit. Als Stefan sein Handy aus der Hosentasche zog, flogen die Fäuste. „Ich bekam drei Schläge ins Gesicht“, schildert er das rüde Verhalten der Kameraden. Dann setzt sein Gedächtnis aus. „Das Nächste, an das ich mich erinnern kann, ist, dass ich in Richtung Lützner Straße weggelaufen bin. Der Mann, der zuvor gesprochen und mich geschlagen hatte, verfolgte mich.“ Seinen Kumpel verlor er aus den Augen.

Auf seiner Flucht wurde Stefan beinahe von einem Auto angefahren. „Der Fahrer kurbelte das Fenster runter und fragte, ob es ein Problem gäbe. Ich riss die Hintertür auf und fuhr mit zwei wildfremden Männern davon.“ Gemeinsam suchten sie die Gegend nach Jonas ab, fanden ihn aber nicht. Erst im „Skorbut“ angekommen, gelang es Stefan, mit seinem Freund in Kontakt zu treten, der von den Schlägern übel zugerichtet wurde. Sein Gesicht zierten mehrere Platzwunde, ein Auge war geschwollen. Zusammen mit einigen Bekannten kehrte er anschließend zum NPD-Zentrum zurück, wo Jonas bereits auf ihn wartete. Mittlerweile war die Polizei angeürckt. Ein Augenzeuge hatte die Beamten alarmiert. Die Angreifer waren geflüchtet, noch bevor die Ordnungshüter am Tatort eintrafen.
Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) beteuerte letzte Woche Mittwoch gegenüber dem Lokalradio Mephisto 97.6, dass die Verwaltung keinerlei Handhabe gegen den Szene-Treff habe. Dabei verstießen die Betreiber in der Vergangenheit mehrmals gegen Bauauflagen und wohl auch gegen das Gaststättengesetz.

Eigentümer Steven H. scheint nach dem Tod des Landtagsabgeordneten Winfried Petzold derweil zwei neue Mieter gefunden zu haben. Am 1. März möchten die Stadträte Klaus Ufer und Rudi Gerhardt in der Odermannstraße ein Bürgerbüro eröffnen. Häufig scheinen die beiden alten Herren dort allerdings nicht einzukehren. Ihre Sprechzeiten seien lediglich jeden zweiten Donnerstag. Wer mit ihnen plaudern möchte, hat sich vorher anzumelden. Wahlweise unter einer teuren Servicenummer oder per Brief. Nicht etwa an das Büro der beiden Volksvertreter, sondern an ein Postfach. Bürgernähe sieht freilich anders aus.

Wie die Kameraden mit interessierten Zaungästen umgehen, haben Stefan und Jonas schmerzvoll erfahren müssen. „Wir sind beide nicht politisch aktiv“, erzählt Stefan. „Was das angeht, sind wir totale Durchschnittsbürger.“ Mittlerweile ermittelt der Staatsschutz.

* Namen geändert


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