Leipziger Stalking-Mord: Chemie-Student gesteht tödliche Hammerschläge

Im Prozess um den Tod einer Leipziger Arabistik-Studentin gibt es ein Geständnis. Verteidiger Ralf Juhnke verlas zu Beginn des zweiten Verhandlungstags eine Erklärung. Sein Mandant Sebastian T. (28) habe Franziska S. (25) im Streit mit einem Hammer erschlagen. Im Studentenwohnheim in der Johannes-R.-Becher-Straße lauerte der Berliner seiner Ex-Freundin auf, um sie zur Rede zu stellen.
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Die junge Frau hatte den exmatrikulierten Chemie-Studenten angezeigt, weil sie sich von ihm belästigt gefühlt hatte.

Franziska S. starb einen grausamen Tod. Ein halbes Dutzend Mal schlug T. mit einem Hammer auf ihren Schädel ein. Den Rettungskräften bot sich ein schreckliches Bild. „Der Schädel war eingedrückt“, erinnerte sich Notärztin Kerstin R. Aus dem Kopf war Hirnmasse ausgetreten. Außerdem hatte die Studentin viel Blut verloren. Trotz intensivmedizinischer Maßnahmen erlag die junge Frau 18 Tage später ihren Verletzungen.

Nach dem heutigen Geständnis stellt sich nicht mehr die Frage, wie sie ums Leben kam. Sebastian T. lauerte ihr im Treppenhaus auf, um sie zur Rede zu stellen. Der Endzwanziger mit kindlichem Gesicht und hellblondem Haar fühlte sich von seiner Ex-Freundin betrogen. Glaubt man ihm, führte er mit seinem Opfer von Mitte 2008 bis Anfang 2009 eine Beziehung. Das Paar verbrachte viel Zeit miteinander, schaute gemeinsam fern, hatte Sex. Sebastian T. hatte allen Grund anzunehmen, dass Franziska S. seine Gefühle erwiderte. Doch seine Partnerin fühlte sich offenbar innerlich verletzt. Sie brach den Kontakt von heute auf morgen ab. Und sie erstattete Anzeige: T. soll sie seit November 2009 belästigt haben. Für den Studenten ein unverständlicher Vorwurf. Im März 2010 zog S. schließlich den finalen Schlussstrich, der für T. keiner war. Am Telefon teilte sie ihm mit, sie wolle mit ihm nichts mehr zu tun haben.
Also Friede, Freude, Eierkuchen? Mitnichten, denn die Stalking-Anzeige stand weiterhin im Raum. Die Studentin legte sogar noch nach, in dem sie T. zum zweiten Mal anzeigte. Damit setzte sie bei dem Chemiker unwissentlich eine unheilvolle Kettenreaktion in Gang. Als er vergangenen November Freunde in der Messestadt besuchte, nutzte er am 8. November die Gelegenheit für eine Stippvisite ins Wohnheim. Unangemeldet wartete er vor Franziska S.‘ Wohnung, doch sie tauchte nicht auf. Am nächsten Tag dasselbe Spiel. Mit einem feinen Unterschied: Im Treppenhaus fand der verzweifelte Mann einen Hammer, den er in seinen Leinenbeutel einsteckte. „Ich hatte keineswegs díe Absicht, den Tod von Franziska S. herbeizuführen“, las sein Verteidiger heute für ihn vor.

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Das klingt paradox, doch passt dieser Baustein prima in T.’s Version der Tragödie. In dieser spielt er den gebeutelten Casanova, der aus purer Verzweiflung die Unterredung mit seiner Ex gesucht. Die Irrationalität seines Handelns kaschiert er mit seiner psychischen Erkrankung. Seit 17 Jahren leide er an Depressionen. Im Treppenhaus lief er seiner Freundin schließlich über den Weg, die beiden zofften sich. T. wurde wütend und griff zum Hammer.

Die Kammer wird jetzt zu prüfen haben, wie viel dieses Geständnis wert ist. Sollte T. eine Tötungsabsicht nicht nachgewiesen werden können, sollte er S. nicht heimtückisch attackiert haben, darf er auf eine Verurteilung wegen Totschlags hoffen. Die Anklage lautet auf Mord. Der Prozess wird fortgesetzt.


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