Am gefährlichsten sind in Sachsen immer die Tage kurz vor den Ferien

Sommermonate sind gar keine guten Zeiten für Radfahrer und für Motorradfahrer. Das belegt auch das im Juli vom Landesamt für Statistik vorgelegte Faltblatt "Straßenverkehrsunfälle in Sachsen". Während Fußgänger besonders in den Wintermonaten Opfer von Verkehrsunfällen werden und dabei schwer verletzt werden, wird es für Radfahrer mit steigenden Temperaturen immer gefährlicher. Was natürlich auch daran liegt, dass die meisten Sachsen in der wärmeren und helleren Jahreszeit das Rad rausholen.

So weit, so verständlich. Doch die Statistik zeigt auch, dass Radfahrer in Sachsen besonders gefährlich leben. Machen die verunglückten Radfahrer an der bundesweiten Bilanz 2014 nur 19,9 Prozent aus, waren es in Sachsen 23,4 Prozent aller Verunglückten.

Das kann nicht wirklich mit der speziellen Topografie des Landes erklärt werden. Aber mit nach wie vor fehlenden Radwegen vielerorts, Löchern im Radwegenetz und einem nach wie vor kfz-orientierten Denken in Ministerien und Planungsabteilungen schon. Wer in Sachsen aufs Rad steigt, lebt gefährlich.

Dass 2014 die Zahl der verunglückten Radfahrer sogar stieg, hat dann noch zusätzlich mit dem Wetter zu tun. Die Landesstatistiker dazu: „Nachdem im Jahr 2013 die Zahl der verunglückten Fahrradnutzer zurückgegangen war, musste im Jahr 2014 ein Anstieg um 15 Prozent auf 3.983 registriert werden, was sogar über dem Wert des Jahres 2012 lag. Es kamen 24 Fahrradfahrer ums Leben, drei mehr als im Jahr 2013. Die Zahl der verunglückten Nutzer von Motorzweirädern hat sich um 13 Prozent erhöht.“

Die Erklärung zum Anstieg der Zahl haben sie schon im Dezember 2014 gegeben: „Insgesamt waren in den ersten neun Monaten diesen Jahres 3.393 Fahrradfahrer an Verkehrsunfällen mit Personenschaden beteiligt, 17 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit nahm auch die Zahl der schwerverletzten Fahrradnutzer im Vorjahresvergleich um ein Fünftel zu. Die milde Witterung zu Beginn des Jahres 2014 ist sicher ein Grund für diesen Anstieg, aber auch insgesamt gab es von Januar bis September 2014 vier Prozent mehr Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden als im Vorjahreszeitraum.“

Die zunehmend verlängerte „schöne Jahrszeit“ führt dazu, dass zunehmend mehr Radfahrer an mehr Tagen im Jahr unterwegs sind. Aber wer die Leipziger Verkehrsdiskussionen verfolgt, weiß auch, dass der motorisierte Verkehr dabei immer in Konkurrenz steht. Es geht nicht immer nur um begrenzte Straßenräume, die sich verschiedene Verkehrsarten teilen müssen. Es geht meist eher um fehlende Rücksichtnahme.

Und eine durchaus wichtige Erkenntnis der 2014er Verkehrsstatistik war auch, dass eine Großstadt wie Leipzig eher die Überlebensschancen der Verkehrsteilnehmer erhöht, so seltsam das klingt. „Die schwereren Unfälle ereigneten sich außerhalb von Ortschaften einschließlich Autobahnen“, schreiben die Statistiker im Jahresbericht, der am 7. Juli veröffentlicht wurde. „Dort starben 126 Menschen (Anteil 68 Prozent) und 1.578 wurden schwer verletzt (Anteil 39 Prozent). Die Zahl der getöteten Personen ging innerhalb von Ortschaften im Vergleich zum Vorjahr um 30 zurück, außerhalb von Ortschaften stieg sie dagegen um 22.“

In Leipzig gab es übrigens 2.058 Unfälle mit Personenschaden – dabei wurden 11 Personen getötet, 2.047 verletzt. Unter den Getöteten waren drei Radfahrer, vier Fußgänger, ein Motorradfahrer und drei Autofahrer. Nur zum Vergleich: Im Landkreis Leipzig gab es 14 Getötete, in Nordsachsen 24.

Aber nicht nur Radfahrer und Motorradfahrer haben in den Sommermonaten ein deutlich erhöhtes Risiko zu verunfallen. Auch die Unfallrate für Autofahrer steigt jedes Jahr bis zum Juli steil an. Dafür kann das erhöhte Aufkommen von Radfahrern und Motorradfahrern nicht wirklich verantwortlich gemacht werden.

Die Ursachen sind wahrscheinlich komplex – reichen von Leichtsinn und jugendlichem Übermut bis hin zum Rausch der Geschwindigkeit auf sächsischen Landstraßen. Überhöhte Geschwindigkeit ist nach wie vor die zweithäufigste Unfallursache nach nicht beachteter Vorfahrt. Aber die Kurve zeigt auch, dass der Jahresrhythmus von Arbeit und Ferien eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Bis zum Urlaubsbeginn im Juli steigt die Unfallkurve mit Getöteten und Schwerverletzten steil an, sackt dann pünktlich mit Ferienbeginn ab, um dann ab dem Herbst erst wieder anzusteigen bis zum Weihnachtsfest.

Nur zum Jahresauftakt, wenn sich augenscheinlich viele Autofahrer geschworen haben, dieses Jahr nicht mehr so oft zu rasen, ist die Kurve im Keller, um dann mit Beginn des Frühjahrs wieder anzuziehen. Der gefährlichste Monat ist also der Juli. Der kleine Trost dabei: In Leipzig ist man nicht ganz so gefährlich unterwegs wie in Dresden. Sowohl bei Fußgängern als auch bei Radfahrern und Motorradfahrern sind die Unfallzahlen in Dresden höher.

Zweiter Trost: Der Anstieg der Zahlen der Verletzten 2014 hat vor allem mit dem besseren Wetter zu tun und ist kein Trend zu gefährlicherem Verkehrsverhalten der Sachsen. Tatsächlich ist die Zahl der Verkehrsunfälle 2014 sogar gesunken gegenüber 2013: von 18.591 auf 18.335.

Die Verkehrsunfallbilanz 2014 als Faltblatt.

Verkehrsunfälle
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