In Leipzig sollen 2015 weitere 1.912 neue Kita-Plätze entstehen

So glücklich war auch Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) lange nicht. Zumindest nicht, wenn es um die neuesten Zahlen zum Kita-Bau in Leipzig ging. Zwar berichtet er seit ein paar Jahren regelmäßig über das Thema. Aber oft genug musste er dabei auch berichten, dass wieder weniger Kindertagesstätten gebaut worden waren als geplant. Das war am Donnerstag, 4. Juni, einmal anders.

Das Kita-Bauprogramm der vergangenen zwei Jahre zeigt Wirkung. Bis Mai wurden allein 1.310 neue Kita-Plätze geschaffen, weitere 1.912 Plätze sollen folgen. Weitere 17 Bauprojekte sind in Arbeit, so dass auch 2016 damit gerechnet werden kann, dass weitere 1.174 Plätze für Kinder bis zum Schuleintritt zur Verfügung stehen können. Darunter zum Beispiel die beiden Kindertagesstätten von BBW und Bürgerstiftung, die in der Gustav-Freytag-Straße entstehen. 280 neue Plätze direkt im Leipziger Süden, wo junge Eltern schon seit Jahren verzweifelt nach freien Plätzen suchen.

Es sind so viele Baustellen gleichzeitig, dass Thomas Fabian schon von ersten Mahnungen zu berichten weiß, dass Leipzig keine Überkapazitäten schaffen soll. Denn eine Kindertagesstätte rechnet sich am Ende nur, wenn sie mindestens 15 Jahre auch in Betrieb ist. „Noch besser sind 20 bis 25 Jahre“, sagt Fabian. Und weiß selbst genau, wie schwer das ist mit den Prognosen.

Da muss nicht mal ein frecher Journalist nachfragen, damit der verantwortliche Kita-Bürgermeister zappelig wird bei dem Thema, denn in den vergangenen zehn Jahren hat er ja versucht, das Kita-Bauprogramm den Bevölkerungsprognosen der Stadt anzupassen. Die ja bekanntlich immer wieder viel optimistischer waren als die Prognosen des Landes oder des Bundes.

Das ist eine ganze Kita mehr

Doch was passiert, wenn die Geburtenzahl dann doch wieder um 140 Geburten nach oben abweicht? Wie 2014 geschehen, als Leipzigs Statistiker eine Geburtenzahl von 6.100 voraussagten. Geworden sind es 6.241. „Für mich ist das eine ganze Kita“, sagt Fabian. Und weiß wohl selbst nicht genau, ob er lachen oder weinen soll dabei. Denn tatsächlich freut er sich wie ein Schneekönig über die seit 2000 beständig wachsenden Geburtenzahlen. Aber andererseits sorgt das dafür, dass er nicht ruhig schlafen kann. „Das ist ein richtiger Wettlauf zwischen der Fertigstellung von Kapazitäten und der demografischen Entwicklung.“

Und eigentlich erwärmt ihm dieser Wettlauf das Herz: „Ich hoffe, dass dieser Wettlauf noch lange anhält.“ Denn dadurch ist Leipzig nicht nur eine wachsende Stadt – die vielen Kinder machen Leipzig auch zu einer lebenswerten Stadt. Nur der Sozialbürgermeister riskiert dabei seine Nerven, wenn die tatsächlichen Geburtenzahlen wieder höher ausfallen als prognostiziert. Was ja seit 2005 regelmäßig der Fall war. Jedes Jahr eine Kita zu wenig, das summiert sich in zehn Jahren. Zwar nicht mehr auf zehn Kitas. Seit 2014 schließt sich die Bedarfslücke endlich Stück für Stück. Auch wenn Leipzig noch immer kein Instrument zur Verfügung hat, den nicht gedeckten Bedarf an Betreuungsplätzen zu messen. Das soll eigentlich das Kitaplatz-Portal KIWAN schaffen – aber beim aktuellen Programmierungsstand ist es so, dass Eltern, die zwischenzeitlich einen Platz für ihr Kind gefunden haben, sich nicht zurückmelden müssen.

Man habe zwar zwischen 300 bis 400 Bedarfsanmeldungen im System, sagt Dr. Heike Förster, die für Kitas zuständige Abteilungsleiterin im Amt für Jugend, Familie und Bildung. „Aber der tatsächliche Bedarf ist geringer. Wir können ihn nur nicht genau beziffern.“ Das soll erst das nächste Update für KIWAN schaffen. Aber das ist noch immer in Arbeit. Vielleicht wird’s ja im Sommer fertig.

Es kann auch sein, dass die Bedarfslücke sogar im zweistelligen Bereich liegt. „Für Kinder im Krippenalter gibt es auf jeden Fall noch freie Plätze in der Tagespflege“, sagt Thomas Fabian. „Und in Kindergärten gibt es auch noch freie Plätze – vor allem in den neu eröffneten Einrichtungen.“

Geburtenboom erreicht neue Stadtbezirke

Die Probleme für suchende Eltern fangen eher an, wenn die gesuchte Betreuungsform nicht angeboten wird oder wenn im eigenen Stadtbezirk bei aller Sucherei kein freier Platz gefunden wird. Denn nach wie vor sind gerade innerstädtische Kindergärten stark überfragt. Und die neuen Einrichtungen entstehen auch nicht alle im innerstädtischen „Kindergürtel“ rechts und links der Weißen Elster. „Sie entstehen im ganzen Stadtgebiet verteilt“, betont Heike Förster. Was wieder mit der langfristigen Prognose zu tun hat. Denn die starken Geburtenjahrgänge, die es in den letzten Jahren im Süden und Westen der Stadt gab, wird es in den nächsten Jahren in jenen Statbezirken geben, die aktuell Zuzugsgebiet für junge Leipziger sind.

Jetzt wandern auch noch Kleinkinder zu

Womit der nächste Aufreger für Thomas Fabian gestreift wird. Denn nicht nur für Kinder, die in Leipzig geboren werden, muss die Stadt Kindertagesstätten bauen. Seit zwei Jahren ist auch ein anderer Trend gekippt, der vorher das Kita-Problem in Leipzig noch entspannt hat: Bis 2011/2012 zogen viele junge Familien mit ihren Kindern weg aus Leipzig. Bei Kleinkindern hatte Leipzig quasi eine negative Wanderungsbilanz. Aber das hat sich 2014 endgültig geändert. Zum ersten Mal zogen über 50 Kinder unter 7 Jahren mehr nach Leipzig als wegzogen. Oder wurden umgezogen. Was egal ist, denn der Faktor dahinter ist ja mittlerweile auch in der Zuwanderung nach Leipzig auffällig geworden: Seit zwei Jahren ziehen nicht mehr nur junge Leute im Ausbildungsalter nach Leipzig, die vorher die Zuzugsströme dominierten. Mittlerweile kommen auch immer mehr junge Familien mit Sack und Pack – für die ländlichen Räume, woher sie kommen, eine Katastrophe. Für Leipzig eine Herkulesaufgabe, denn das bedeutet, dass auch in den nächsten Jahren weiter Kitas gebaut werden müssen.

Nur wie viele es sein müssen, darüber werden sich die Fachleute und die Politiker noch streiten. Denn für die Leipziger Statistiker ist längst klar, dass auch die Super-Prognose von 2013 längst Makulatur ist. Siehe oben: Thomas Fabian bekam 140 Kinder mehr, als er geplant hatte. Im Sommer werden Leipzigs Statistiker also eine neue Prognose erstellen lassen, mit der sich die möglichen Kinderzahlen bis 2022 oder darüber hinaus besser abschätzen lassen.

Thomas Fabian kann zumindest auf die Zahlen verweisen, wie viele Kindertagesplätze in Leipzig geschaffen wurden seit 2007: fast 7.400. Davon allein fast 1.300 im letzten Jahr.

Von den 1.170 Plätzen, die im Schuljahr (das auch wieder Kita-Jahr ist) geschaffen werden sollen, sollen 296 allein in Krippeneinrichtungen entstehen (dafür fallen 41 in der Tagespflege weg), 406 entstehen im Kindergartenbereich, 509 in Horten.

Die Pressemitteilung mit der Liste der neuen Kitas, die 2015 und 2016 in Betrieb gehen sollen.

KitaDemografieBevölkerungswachstum
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