Patenschaft für einen Klassiker: Anja Jonas schenkt der DZB eine neue Voltaire-Ausgabe

An ihrer Lektüre soll man sie erkennen. Was liest eine FDP-Landtagsabgeordnete? Und was empfiehlt sie zu lesen? - Anja Jonas, 37-jährige Landtagsabgeordnete der FDP, Mutter zweier Kinder, empfiehlt Voltaire. Sie empfiehlt ihn nicht nur. Sie lässt ihn übersetzen.
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Sie ist Buchpatin der Deutschen Zentralbibliothek für Blinde (DZB) Leipzig geworden und unterstützt die Neuproduktion und Digitalisierung der Blindenschriftausgabe des Buches „Sämtliche Romane und Erzählungen“ von Voltaire.

Die Sächsische Landtagsabgeordnete Anja Jonas, die vor einigen Jahren erstmals beim Kompetenzzentrum für Eltern mit Behinderung an der Universität Leipzig auf die DZB Leipzig aufmerksam wurde, unterstützt so die älteste Blindeneinrichtung Deutschlands mit einer großzügigen Buchpatenschaft.

„Ich weiß um das Engagement der DZB und ich möchte es unterstützen – nicht nur mit Worten“, sagt die Abgeordnete, die seit 2006 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Leipzig gearbeitet hat. „Ich habe mich für ein Buch von Voltaire entschieden, weil ich seine Vielseitigkeit und seine Fähigkeiten als Parodist und Kritiker sehr schätze.“
Voltaire, das ist nicht nur der Bursche, der glaubte, einen preußischen König mit Aufklärung zur Vernunft bringen zu können. Er war auch ein geharnischter Streiter gegen alle Intoleranz auf Erden. Und für die moderne europäische Meinungsfreiheit. Der Satz hier stammt von ihm: „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“

Und der hier auch: „Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat.“

Oder der hier – ein besonders Geschenk für alle Politiker: „Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun.“

Und wer einen Satz zur Finanzkrise sucht, findet auch den: „Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null.“

Und als Trostpflaster: „In einer irrsinnigen Welt vernünftig sein zu wollen, ist schon ein Widerspruch in sich.“

Ein richtig kluges Geschenk also für die DZB und ihre Leser. Passend zum 202. Geburtstag von Louis Braille. Blinde Menschen nutzen seit fast zweihundert Jahren die vom Franzosen Louis Braille (* 4. Januar 1809 in Coupvray bei Paris; ? 6. Januar 1852 in Paris) erfundene Punktschrift. In der DZB in Leipzig werden seit 1894 Bücher in Brailleschrift hergestellt, ausgeliehen und verkauft. Zur Unterstützung dieses ehrgeizigen Vorhabens werden seit 2005 durch den „Förderverein Freunde der DZB e. V.“ Buchpaten gesucht. Aus einer Titelliste kann man Werke der Weltliteratur auswählen und deren Produktion – in Blindenschrift oder als Hörbuch für blinde und sehbehinderte Menschen – durch eine Spende unterstützen.

In der Punktschriftbibliothek der DZB Leipzig stehen für die Nutzer aktuell 22.200 Titel bereit. Davon sind 8.500 Titel momentan allerdings nur als Unikat verfügbar. Ein Anliegen des Projektes „Buchpatenschaften“ ist es, diese inhaltlich wertvollen Blindenschriftbücher durch Digitalisierung vor dem Verschwinden zu bewahren. Die ursprünglich handschriftlich, also mit einer Blindenschriftschreibmaschine, hergestellten Bücher werden dabei auf moderne Weise digital neu erfasst, um sie dann blinden Menschen in einem geeigneten Format wieder zugänglich zu machen.

www.buch-patenschaft.de

www.dzb.de

www.anja-jonas.de

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