Tropenerlebniswelt Gondwanaland: Ein Wald auf Reisen und noch zwei Monate bis zum Einzug der Stars

Der Termin steht. Am 1. Juli soll Gondwana-Land eröffnen, Leipzigs riesige Tropenhalle am Zoo. Künftige Hauptattraktion des Zoos, die die Besucherzahlen auf über 2 Millionen puschen soll. Auf der andern Straßenseite wird das neue Parkhaus gebaut. Und in der Halle lärmen die Bautrupps. Lokaltermin für die Presse.
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Und unübersehbar interessierte dieser Termin nicht nur die Leipziger Medien, sondern gleich ein halbes Dutzend auch überregionaler Sender. Dazu hat auch das schielende Opossum Heidi beigetragen, das vor einem Monat von einigen Journalisten zum neuen Star der deutschen Zoo-Welt und des Gondwana-Landes erklärt wurde. Am Donnerstag, 3. Februar, war Heidi freilich noch nicht dabei beim Pressebesuch in der 1,65 Hektar großen Tropenhalle, in der in einem halben Jahr die Boote fahren sollen, die Leguane kriechen, die Alligatoren ihr Maul aufreißen und die Äffchen kreischen und durch die Baumkronen springen.

Seit Dezember ist die Klimatechnik hochgefahren worden und bringt die Halle so langsam auf subtropische Temperaturen. „20, 22 Grad haben wir jetzt ungefähr“, verkündet Zoodirektor Jörg Junhold – sichtlich aufgekratzt. Bei der Fertigstellung jedes einzelnen Bausteins seines „Zoos der Zukunft“ war er glücklich. Doch mit Gondwana beginnt er zu sprudeln. So erfüllt sich ein Lebenstraum. Vielleicht können ihn die Besucher im Juli genauso teilen.Große graue Kästen hoch an der Wand blasen immer wieder Wasserschleier in die Halle. Auch die Luftfeuchtigkeit wird auf das notwendige Niveau gebracht, um die Urwaldwelten dreier Kontinente – Asien, Afrika und Amerika – nicht nur fühlbar zu machen. Die Pflanzen selbst brauchen die hohe Luftfeuchtigkeit. 60 bis 65 Prozent sind es augenblicklich. 70 bis 80 Prozent sollen es werden. Da legen auch eiskalte Journalisten die warmen Winterhüllen ab.

Erstmals sehen sie die einst riesig-leere Halle nicht mehr unverbaut. In Beton gegossen ist schon der Lauf der Kanäle zu sehen, über die künftig die Bootstour durch die Dschungel möglich sein wird. Im Zickzack schlängeln sich auch die künftigen Besucherpfade durchs aufgeschüttete Erdreich. Hinter den Horizonten schauen zwar immer noch die Häuser von Gohlis durch die Klimafenster. Doch die grauen Betonwände sind fast nur noch auf der Südseite zu sehen, wo künftig das Restaurant und der Souvenir-Shop öffnen werden. Ansonsten ist der Beton hinter künstlichen Felsen verschwunden. So wie auch die beiden Klimatürme in der Halle künstlich in zwei gewaltige Mammutbäume verwandelt wurden.Auf den Plattformen in zehn Meter Hohe montieren die Arbeiter gerade die Geländer. Wer Gondwana künftig besucht, wird immer wieder neue Aus- und Einsichten bekommen in eine Welt aus 500 verschiedenen Pflanzenarten. Die meisten stehen noch in einer großen Halle in Amsterdam, wo sie sich seit einem Jahr akklimatisieren. Sie stammen aus Baumschulen in Malaysia, Singapur oder Florida und werden in den nächsten Tagen – Lkw um Lkw – in Leipzig eintrudeln.

Sieben Lkw haben ihre grüne Last schon in die Halle gebracht. Ungefähr 50 werden noch folgen. Ein ganzer Wald ist auf Reisen. Und jeder einzelne Baum hat schon seinen vorbedachten Platz. Wie knifflig das ist, die teilweise acht bis zehn Meter hohen Erstankömmlinge aus dem fernen Asien an ihrer vorgesehenen Stelle zu platzieren, wurde der Journalistenschar am Donnerstag schweißtreibend demonstriert.

„Denn wie Sie sehen, sind alle Großkräne aus der Halle entfernt“, sagt Junhold. Die Bäume müssen also mit gelenkigen Klein-Maschinen an Ort und Stelle geschafft, justiert und aufgerichtet werden. Viel Platz zum Rangieren ist nicht. Diesmal soll ein Ylang Ylang seinen Platz finden, einer von drei Bäumen, die einen kleinen Hain bilden im asiatischen Teil im Gelände mit den Nutzpflanzen. Hier wurde am Dienstag mit der Bepflanzung der Halle begonnen.Von den geplanten 17.000 Pflanzen sind die ersten zehn Großbäume und zahlreiche Kleingewächse in dieser Woche angeliefert und eingesetzt worden. Der erste Pflanzabschnitt in der Tropenhalle umfasst den künftigen Nutzgarten im Bereich Asien. So gehören neben den mehr als sechs Meter großen Tropenbäumen Cananga odorata (Ylang-Ylang) und Averrhoa carambola (Sternfruchtbaum) auch zahlreiche Nutzpflanzen wie Elefantenohr-Feige, Orangenraute und Rosenapfel zu den ersten grünen Bewohnern der Tropenerlebniswelt. Und auf den Lkws, die in den nächsten Wochen in Leipzig eintreffen, werden noch 120 Gewächse sein, die mit einer Länge zwischen sechs und zwölf Metern zu den Baumriesen in der Tropenhalle gehören werden.

Damit die Bäume überhaupt quer von der Einfahrt in der Pfaffendorfer herangeschafft werden können, ist ein Teil der Kanäle wieder zugeschüttet. Ein Schüttrampe führt zur Lieferöffnung hinauf.Trocken liegt der Kanal auch am künftigen Startplatz für die Touren. Dort wird gerade ein Bootshaus aus Bambus montiert. Skurril wirkt das erste Bauteil, an dem schwere Lastensäcke hängen. Auch wenn ein gewaltiges Dach die Halle überspannt, muss selbst so ein Bambushaus im Inneren nach deutscher Baunorm entstehen. Also wird erst mal ein Lastentest gemacht, bevor das Haus in Gänze montiert wird.

Rechts und links des Kanals sieht man schon leere Betonbecken. Hier werden künftig einige der tierischen Gondwana-Bewohner aus tropischen Ländern schwimmen – Fische, Alligatoren, Tapire. Es wird ein ausgefeiltes Wasserfiltersystem geben, erklärt Dr. Andreas Bernhard, und das Wasser wird – anders als in der freien Wildbahn, meistens klar und durchsichtig sein. Damit die Besucher auch was sehen auf ihrer Tour mit dem Boot, von dem man völlig andere Einsichten in die Dschungelwelt bekommen wird als auf dem gegossenen Rundweg. Manchmal steigt auch der Pfad auf Höhen, von denen aus man künftig über das Blätterdach des kleinen Dschungels hinwegschauen kann.

So wie von den beiden Plattformen an den Mammutbaum-Klimatürmen. Die sind mit langen Hängebrücken zu erreichen. Nichts für Menschen, die gern festen Boden unter den Füßen haben. Trotzdem sind fast alle Wege barrierefrei angelegt. Noch in dieser Woche sollen auch die Brücken montiert werden, die die Kanäle an mehreren Stellen überspannen.

Bis April dauert die Pflanzung der tropischen Gewächse. Und dann beginnt die nächste knifflige Etappe, bei der diesmal die Tierpfleger zu tun bekommen: Dann werden die Gehege besiedelt. 300 verschiedene Tiere werden den tropischen Regenwald besiedeln, der an den einstigen Urkontinent Gondwana erinnern soll. „Zwei Monate haben wir Zeit, die Tiere an ihr neues Zuhause zu gewöhnen“, sagt Junhold. Und man merkt, wie er dem 1. Juli entgegenfiebert. „Ein leeres Heim füllt sich.“

www.zoo-leipzig.de

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