Sozialreport Leipzig vorgestellt – Wurzel des Übels sind Niedriglöhne

Es ist ein Bericht, der von Seiten der Stadt stets mit gemischten Gefühlen vorgelegt wird. Diesmal war es zum sechsten Mal, dass Bürgermeister Prof. Dr. Thomas Fabian und Jugendamtsleiter Dr. Siegfried Haller den Sozialreport vorlegten. Daten zu den Lebenslagen der Menschen in Leipzig sowie zu kommunalen Leistungen der Stadt im Bereich Sozialpolitik.
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Traurige, aber schon seit langem bekannte Tatsache vorab: Die Armutsgefährdung in Leipzig ist nach wie vor hoch. Hauptgrund ist ein ebenfalls seit langem bekanntes Übel, das sich wie ein roter Faden durch die bundesrepublikanische Landschaft zieht: Niedriglöhne, die Menschen dazu zwingen, soziale Leistungen in Anspruch zu nehmen. Womit sich wiederum Arbeitgeber schamlos des Staates bedienen, um selber Profite zu erwirtschaften. Eine einfache, aber offenbar funktionierende Formel, gediehen auf dem fruchtbaren Boden der (un)freien Marktwirtschaft.

Vorgestellt wurde der Sozialreport gestern im Neuen Rathaus. Etwas Positives konnte Thomas Fabian diesem Bericht dennoch abgewinnen: „Der Bericht hat sich, was die Qualität und die Quantität, also die Menge der Daten und die Erkenntnisse, die daraus gewonnen wurden, wesentlich verbessert. Auch möchte ich darauf hinweisen, dass wir diesen Report ohne Hilfe von außen amtsintern erstellt haben. Andere Städte beauftragen damit Institute, und das für sehr viel Geld.“Zurück zu der Armutsgefährdung. Einen leichten Anstieg verzeichnet man bei der sogenannten Kinderarmut. Immerhin 33,8 Prozent der Kinder sind auf Sozialgeld angewiesen. Ein Generationen übergreifendes Problem, steigt doch auch die Gefahr, im Alter arm zu werden und somit auf die Hilfe des Staates angewiesen zu sein, dramatisch an. 3114 Personen waren 2009 auf sogenannte Grundsicherung angewiesen. 70 Prozent davon waren über 65 Jahre alt. 30 Prozent davon waren unter 65 und dauerhaft erwerbsgemindert auf Unterstützung angewiesen. Verglichen mit dem Jahr 2003 bedeutet dies einen Anstieg von 70 Prozent.

Auch dies sei, so Thomas Fabian und Siegfried Haller einmütig, eine Folge der niedrigen Einkommensverhältnisse, die es einfach nicht erlaubten, genügend finanzielle Reserven anzusammeln, beziehungsweise Vorsorge für das Alter zu treffen. Womit wir wieder beim „lieben“ Geld wären. Das durchschnittliche Leipziger Haushaltsnettoeinkommen lag 2009 bei 1.427 Euro pro Monat, zwar höher als 2008. Aber dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich hiermit um das Bruttoeinkommen einer Person handelt, die einen Haushalt zu versorgen hat.Bemerkenswert auch, dass 19 Prozent, also etwa ein Fünftel der Leipziger, mit einem Einkommen von 686 Euro auskommen müssen und somit unterhalb der „Armutsgefährdungsschwelle“ liegen. Leben von der Hand in den Mund, die schmale Gratwanderung zwischen gerade mal so Leben, Armut, Demütigung sowie die ständige Angst davor, dass ja nichts irgendwo im Haushalt kaputt gehe, sei es die Waschmaschine, das Auto oder was auch immer, gehört also für viele Leipziger zum Alltag. Das verlangt natürlich nach Aufmunterung.

Diese besteht erstens darin, dass man sowohl Thomas Fabian als auch Siegfried Haller bescheinigen kann, in ihren Bemühungen erstens glaubhaft und zweitens sehr eifrig zu sein. So gelte es, meinte Siegfried Haller, die Chancen der Kinder aus armen Haushalten dahingehend zu verbessern, indem man ihnen Zugang zu Bildung und den damit verbundenen Möglichkeiten des Aufstiegs und des Ausstieges aus ihrem sozialen Umfeld zu ermöglichen. Dem fügte er hinzu: „Ich weiß, dass dies möglich ist, nicht zuletzt aus eigener Erfahrung. Deshalb müssen wir dahin, wo wir gebraucht werden. Also in den Kiez, in die Wohngegenden, wo wir gebraucht werden. Vor Ort handeln, helfen und verbessern. Das wird unsere Aufgabe sein, auch wenn wir finanziell immer mehr beschnitten werden.“Auch wenn viele Jahre dazwischen liegen, ist es von der Kinderarmut hin zur Altersarmut rein sozialpolitisch doch nur ein kleiner Schritt. Von Seiten der Medien wurde angemerkt, dass gerade diese in Zukunft wohl die meisten Sorgen bereiten würde. Auf die Frage, wie man dem entgegen wirken könne, herrschte am Podium einige Sekunden lang betretenes Schweigen, verbunden mit einem hilflosen Schulterzucken. Schließlich raffte sich Thomas Fabian zu der etwas lahmen Antwort auf: „Ja, das ist richtig. Das wird ein großes Problem. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das alles irgendwie bewältigen. Ich gehe von einer positiven Entwicklung aus, weil Leipzig nach wie vor eine wachsende Stadt ist, die für viele attraktiv ist und viele junge Menschen anzieht. Das darf man nicht unterschätzen. Das hört sich jetzt ein bisschen an, wie das Wort zum Sonntag, aber wir meinen das so.“ In diesem Sinne halten wir uns natürlich gerne daran.

Alle Infos und Zahlen zum Sozialreport können ab sofort unter www.leipzig.de/sozialreport im Internet heruntergeladen werden.


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