Wieder-Entdeckung mit Nebeneffekt: Andreas Hahn und die Vorhaben für das Kulturhaus Lange Reihe

Uschi Luckowski soll sie geheißen haben, eine der Sängerinnen, die lange mit Band im Kulturhaus Lange Reihe aufgetreten sind. Ihr Name ist so vergessen, wie es auch der Tanzsaal über viele Jahre war. Ihm blüht seit einigen Monaten ein neuer Frühling. Wir haben die Wieder-Entdecker besucht.
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Das einstige Vergnügungslokal am Stötteritzer Wäldchen ist unter vielen Namen bekannt. Als „Löwenpark“ soll es Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnet worden sein. Den Beinamen „Albert Norden“ trug es, als die Genossen des VEB RFT die Kulturhoheit über den Tanzsaal hatten. Als „Schuppen“ wird es noch heute im Volksmund bezeichnet. „Opera“ wurde es in jenen wilden Nachwendejahren genannt, als es angesagt war, sich als Teil einer Jugendbewegung in der Langen Reihe die Magengrube mit wummernden Bässen massieren zu lassen.

Schummrige Zeiten mit zuckenden Blitzen und dubiosen Mittelchen. Das Techno-Drama der „Opera“-Ära war allerdings von kurzer Dauer.Ihrem Finale folgte ein langer Dornröschenschlaf. Er muss irgendwann Mitte der neunziger Jahre begonnen haben.

Die Prinzen, die das Haus 2009 wachküssten, fanden es in einem erstaunlich guten Zustand vor. Sie kamen vorbeigeritten, als sie nach einem zentralen Heimathafen für ihren Gastronomie- und Veranstaltungsbetrieb suchten. Bis dahin waren die einzelnen Standorte der Enk GmbH über die ganze Stadt verteilt. Jetzt hatte die Firma in der Langen Reihe nicht nur ein ideales Büro- und Lagergebäude gefunden, sondern verfügt heute auch über einen Saal für rund 500 Gäste mit Empore und einer zwölf Meter breiten Bühne.

Andreas Hahn ist einer dieser Kulturhaus-Erwecker des Veranstaltungs-Dienstleisters Enk. Ihn haben wir Mitte Mai zum Interview getroffen. Im Gespräch ging es unter anderem um die Geschichte des Hauses und die Pläne für die Zukunft. Wir sprachen aber auch über die Frage, welche Beweggründe es gab, das rund 100 Jahre alte Tanzhaus zu übernehmen.Hahn: „Die Firma Enk betreibt in Leipzig mehrere Gastronomien, das andere Standbein sind Veranstaltungen. Dafür brauchen wir Equipment, das bedeutet gleichzeitig wieder Lagerfläche. Und: Wir brauchen eine große Küche. Das ist für uns das Hauptargument gewesen. Dass es so ein schicker Raum ist – ein schöner Nebeneffekt. Wir sind nicht festgelegt. Die Nachbarn zum Beispiel haben Angst, dass wir hier wieder eine Diskothek betreiben. Das ist nicht unsere Intention. Wir wollen hier Firmenfeiern, Ausstellungen, Kulturveranstaltungen machen und auch so eine Art Kulturhaus sein – was jetzt natürlich nicht als Kulturverein funktioniert, sondern was wir als Firma dafür leisten können.“

Was von den „Opera“-Zeiten übrig blieb, ist ein großer Kronleuchter an der Decke. Hahn zur Zukunft dieses Reliktes aus der Techno-Phase des „Schuppens“: „Der wird erhalten, der funktioniert auch noch, da kommt wieder eine Steuereinheit dran.“ Zunächst soll im Sommer aber erst einmal die Küche folgen. Schon hergestellt hingegen ist der Kontakt mit dem Bürgerverein. Dort sei man auf Begeisterung gestoßen, dass jemand da ist, der das Haus wieder mit Leben füllt. Ebenfalls im Sommer soll es einen Tag der offenen Tür geben.

Hahn zu den Planzielen der Enk-Gastronomen, die unter anderem die Seeterrasse Cospuden und das Café „Pilot“ im Centraltheater betreiben, für das Kulturhaus „Lange Reihe“: „Wir versuchen, das Ding wieder herzustellen, dass es auch Spaß macht.“ Mehr zum Thema im kompletten Audio-Interview. Aufmerksame Teilnehmer dürfen sich dabei auf die Wiederbegegnung mit einer altbekannten Radiostimme freuen – denn vor seiner Zeit bei Enk’s war Hahn unter anderem bei MDR Sputnik und dem Universitäts-Sender „Mephisto“ unterwegs.

Einstweilige Anlaufstelle im Netz: www.enk-leipzig.de


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