Gemüseschnitzen: „So ein Pinguin geht ratzifatzi“

Leipzig ist derzeit Ausrichter einer Europameisterschaft. Der allerersten Europameisterschaft im Gemüseschnitzen im Rahmen der "Messen mit Raffinessen". Hier darf mit Essen gespielt werden, Gemüse wird zu Kunst: Melonen zu Rosen, Auberginen zu Pinguinen, Ananas zu Kakadus, Kürbisse zu Henkelkörben. Jutta Wunderlich, selbsternannte Freizeitschnitzerin vom ausrichtenden Verein Xiang Wand Food-Artistic erklärt, wie alles funktioniert.
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Am Anfang war Xiang Wang, den seine Schüler nur ehrfurchtsvoll den „Meister“ nennen. Meister ist er – zweifacher Weltmeister. Im Gemüseschnitzen. Und im Früchteschnitzen. Ein Chinese, der 15 Jahre als Küchenchef in seiner Heimat arbeitete und dann in die Schweiz umzog. Ein Chinese, der seitdem unzählige Seminare gegeben hat und immer noch gibt, um die chinesische Schnitzkunst zu lehren. „Die chinesische. Darauf legt der Meister wert, denn es gibt auch noch die Thai-Schnitzkunst“, sagt Jutta Wunderlich. Mitglied im Verein Xiang Wang Food-Artistic und wie alle im 46 Mitglieder im Verein Schüler von Xiang Wang. Sie selbst hatte das Gemüseschnitzen einst auf einer Messe gesehen, war interessiert und besuchte eines der Seminare von Xiang Wang. Bis zu fünf Tage dreht sich dort alles um die Schnitzkunst. Interessanten können direkt Xiang Wangs Grund- und Aufbaukurse besuchen.

Fortgeschrittene den Melonenkurs spezial oder den Kürbiskurs spezial, die ebenfalls fünf Tage dauern. Danach kann man Mitglied im Food-Artistic-Verein werden „Seit dem ich den ersten Kurs belegt habe, hat mich der Schnitzvirus gepackt“, so Wunderlich. Die Vereinsmitglieder leben über ganz Deutschland verteilt: Hessen, Baden-Württemberg, Mecklenburg. „Es gibt deutschlandweit Anfragen, ob wir nicht Buffets dekorieren, oder mal mit Kindern arbeiten können. Wer in der Nähe wohnt, nimmt das wahr.“ Wie Wunderlich kommen die meisten aus der Hotellerie oder Gastronomie. „Wir haben aber auch einen Filialleiter einer Sparkasse bei uns.“ Jan Hofmann ist ihr Platznachbar und arbeitet schon eine ganze Weile daran, aus einer langen Papaya einen Delphin zu schnitzen. Kein einfaches Stück Schnitzkunst für den Banker.
Auf der Leipziger Messe schwingen „Wangs Jünger“ alle zwei Jahre die Messer, und haben für dieses Jahr die ersten Europameisterschaften im Gemüseschnitzen organisiert. 26 Teilnehmer aus neun Ländern sind mit all ihren Utensilien nach Leipzig gegurkt. Während Wunderlich und der Verein am Rand der Wettbewerbsfläche nur zum Vergnügen schnitzen, säbeln hinter ihnen die Teilnehmer um die Wette, können sich aus einem Korb mit Melone, Papaya, Kohlrabi, Gurken, Rettich, Chinakohl und Karotten bedienen. Vier Stunden haben die Schnitzer für ein Schaustück der Güteklasse A Zeit. Es geht ruhig zu, jeder arbeitet konzentriert. Ein Schild bittet darum, nicht zu stören. Keiner der Teilnehmer gibt auch nur einen Mucks von sich. Mitglieder des Vereins sind im Einzelwettbewerb nicht vertreten, erst im Teamwettbewerb greift der einzige deutsche Verein seiner Art ein.

Allerdings ohne Wunderlich. „Ich bin Freizeitschnitzerin. Für so einen Wettbewerb müsste ich täglich üben, dass ist mir nichts“. Trotzdem hat sie sich bei den Teilnehmern umgesehen. „Die Russen sind enorm stark“, lautet ihr Urteil, „deren Stücke sehen aus wie echt.“ Es sind mit Bulgarien, Slowenien, Tschechien und Russland vor allem die osteuropäischen Länder, die bei der Euro 2011 vertreten sind.
Wunderlich schnitzt lieber für ihre Gäste zu Hause. Am liebsten Pinguine aus Auberginen. „Die gehen ratzifatzi“, hätten aber mit der chinesischen Schnitzkunst nichts zu tun. „So einen Pinguin mit einer Brille sieht der Meister nicht gern. Das sei albern.“ Ihr wichtigstes Instrument ist ein spitzes scharfes Messer, wie es im Handel erhältlich ist. Damit lässt sich ein solider Pinguin schnitzen. Für besondere Elemente wie Flügel oder Rosenblätter braucht man dann schon Spezialmesser. Die Vereinsmitglieder haben zu jedem Teilnehmerland der Euro eine Melone gestaltet. Die polnische Melone ziert der polnische Adler, die deutsche Melone die Deutschlandkarte.

Vor Wunderlich steht keine Melone, sondern zwei Pinguine mit Sonnenschirm, rechts neben ihr fünf Aubergingen-Pinguine auf einer Eisscholle aus Bauschaum. Einer steht, ein anderer sitzt und lässt die Beine baumeln, der dritte hat sich in ein Iglu verkrochen. Die Auberginen sehen schon leicht angebräunt aus. „Die tue ich heute Abend in kaltes Wasser, da sind sie morgen wieder wie neu.“ Möglicherweise werden sie danach auch noch gegessen. Naschen bleibt schon während der Arbeit nicht aus. „Sie haben immer mal ein wenig Ausschuss, der verwertet werden muss“, schmunzelt die Zerbsterin. Nur bei Kürbis wäre das nicht so gut. „Den ganzen Tag rohen Kürbis zu essen, ist nicht so ideal.“

Am längsten hat Wunderlich mal mit einer Partnerin an einem Pfau gearbeitet. „Wir saßen sieben Stunden, um die 800 Federn zu schnitzen. Da muss schon ein besonderer Anlass anliegen, sonst mache ich das nicht.“ Bliebe noch die Frage nach dem Material, denn irgendwo muss der Werkstoff herkommen. „Ich kenne einen unserer Bauern sehr gut, der gibt mir immer mal einen schönen großen Kohlrabi.“

Der Rest wird gekauft – dann geschnitzt und am Ende doch gegessen.


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