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„Wovon Leipziger träumen“: Henner Kotte wünscht sich mehr Leben im Stadtmarketing

Von Sebastian Beyer | Text: Henner Kotte

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    Zwar ist er in Dresden aufgewachsen, aber als Leipziger fühlt sich Schriftsteller Henner Kotte schon lange. Nicht umsonst spielt die Stadt mit ihren Menschen als Handlungsort in seinen Kriminalromanen eine gewichtige Rolle. Für L-IZ.de schrieb er seinen persönlichen Traum nieder.

    Was wäre einer Stadt zu wünschen, wenn nicht, dass sie zu sich selber steht. Denn die, die in ihr wohnen, haben die Liebe zum Wohnort längst empfunden oder sich mit ihm arrangiert. Doch gerade für eine Messemetropole ist es überlebenswichtig, dass sie ein gutes Bild nicht nur im Herzen ihrer Bewohner macht, sondern dass man weltweit über sie spricht. Da hat Leipzig ohne Zweifel viel zu tun. Womit ist die Stadt überregional im Bewusstsein? Mit der toten Heidi, Tierärztin Dr. Mertens und der Belegschaft einer Sachsenklinik. Keine Frage, andere Städte beneiden uns um diese Maskottchen, aber sollten die das Einzige sein, was einem zu Leipzig einfällt?

    Für Leipzigs guten Ruf hat die Stadt eine eigens eine Firma etabliert: LTM. Komisch nur, dass selbst die Einheimischen mit den Kürzeln kaum was anzufangen wissen. Verantwortlich zeichnet solches Stadtmarketing für die kaum gelungenen Kampagnen „Leipzig kommt“ und „Leipziger Freiheit“ – außerhalb hat keiner drüber gesprochen, und innerhalb hingen Plakate, die man vergessen konnte. Und sieht man den bezahlten Chef der kommunalen Vermarktung allmonatlich beim Tourismusfrühstück sitzen, schämt man sich ob seiner Worte, die entweder nichts oder wenig mit dem hiesigen Lebensgefühl zu tun haben. Der Mann soll die Stadt verkaufen! Herrn Bremer möchte man den Groschen aus Mitleid in die Sammelbüchse legen. Die Begeisterung machenden Initiativen von Notenspur bis „Leipzig liest“ werden von LTM zur Kenntnis genommen, nicht organisiert.
    Eine Fehlbesetzung auch die Intendanten von Oper und Schauspielhaus. Nun mag ja die Posse um den Kulturdezernenten theatrale Potenz besitzen, aber dass der OBM seine kulturellen Flagschiffe in Fahrwasser brachte, ist nicht zu bemerken. Sie dümpeln nicht mal. Wie Wale sind die Häuser gestrandet und beginnen zu stinken, denn die Menschen schlagen Bogen um sie. Mit Freude hat man neulich die Besucher des Bildermuseums gezählt. Es scheinen mehr geworden, doch nur ob der gesondert zu betrachtenden Namen Rauch, Triegel, Klinger. Die ständigen Sehenswürdigkeiten werden gemieden, aber auch dort wären erwähnte Künstler zu schauen. Eine Diskrepanz, ohne Zweifel.

    Grad erst ist das Leipziger Stadtmarketing in die Höhe gegangen. Auch das ein Sinnbild, man residiert im City-Hochhaus. Losgelöst vom urbanen Erleben schaut man auf das, was man vermarkten möchte. Unter den Wolken hat man echt kein Feeling dafür, man hört nichts und sieht auf Leipzig en miniature. Der diesjährige Touristenrekord ist LTMs Wirken nicht zu verdanken. Mensch, diese fürs Marketing Engagierten gehören auf dem Marktplatz geerdet!

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    Wie in jedem Jahr kommen Leipziger und Leipzigerinnen zu Wort. Ihre Sehnsüchte, Ideen und Träume gibt es hier, jeden Tag ein paar mehr.

    Leipzig wäre zu wünschen, dass endlich Bürger die Stadt präsentieren, die für sie brennen und nicht nur am Monatsende einen Gehaltsscheck einstecken. Solche gibt es, ich könnte Namen nennen. Ich träume, dass mich einer nach ihnen fragt.

    Henner Kotte im Netz

    www.henner-kotte.de

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