Leipziger Studie: Wie kommen Kirchen zurecht, wenn die Mitglieder und Einnahmen schwinden?

Wie finanziert man Kirchen in Zeiten starker Bevölkerungsrückgänge? Mit dem Thema haben sich Wissenschaftler der Uni Leipzig beschäftigt. Sie haben deutschlandweit 49 Vertreter der oberen Kirchen-Verwaltungsebenen und kirchlicher Träger karitativ-sozialer Einrichtungen befragt. Wichtigstes Ergebnis: Vorerst ist die Finanzsituation der Kirchen nicht problematisch.
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Die neue Studie zu den Folgen der demografischen Entwicklung für Organisation und Finanzierung kirchlicher Institutionen wurde von der HypoVereinsbank in Auftrag gegeben und vom Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge der Universität Leipzig erarbeitet.

Sandra Bindler, HypoVereinsbank-Bereichsvorstand Kleine und Mittlere Unternehmen: „Das breite gesellschaftliche Engagement der Kirchen und kirchlichen Einrichtungen erfordert neben einer entsprechenden Organisation vor allem eine solide Finanzierung.“

Prof. Dr. Thomas Lenk, Vorstandsvorsitzender des Zentrums: „In vielen sozial- und gesellschaftspolitischen Bereichen bilden kirchliche Institutionen einen wichtigen Pfeiler bei der Bereitstellung relevanter Versorgungsangebote. Dieses breite gesellschaftliche Engagement erfordert jedoch neben einer entsprechenden Organisation vor allem eine solide Finanzierung. Neben den Anforderungen aus der allgemeinen demografischen Entwicklung ergeben sich gewichtige Herausforderungen, zu nennen ist hier die dramatisch zurückgehende Anzahl der Kirchenmitglieder.“

Dr. Oliver Rottmann, geschäftsführender Vorstand des Zentrums und Studienleiter, ergänzt: „Prinzipiell scheinen die finanzielle Situation der Kirchen zunächst stabil und eine ausreichende Finanzierung der inner- und außerkirchlichen Arbeit gegeben zu sein. Jedoch schwanken die Einnahmen der Kirchen deutlich innerhalb der einzelnen Diözesen bzw. Landeskirchen, was sich auch auf die Erbringung kirchlicher Aufgaben vor Ort auswirkt. Um die Finanzierung der kirchlichen Institutionen und damit insbesondere der Gewährleistung einer adäquaten Wahrnehmung ihrer kirchlichen Aufgaben aufrecht zu erhalten, werden auch neue Finanzierungsoptionen in Betracht zu ziehen sein.“
Prinzipiell sei die finanzielle Situation der Kirchen stabil und eine ausreichende Finanzierung der inner- und außerkirchlichen Arbeit gegeben, stellt die Studie fest. Jedoch schwanken die Einnahmen der Kirchen deutlich innerhalb der einzelnen Diözesen bzw. Landeskirchen, was sich auch auf die Erbringung kirchlicher Aufgaben vor Ort auswirkt.

Unübersehbar: Die demografische Situation hat dabei einen bedeutenden Einfluss auf die Finanzierung kirchlicher Einrichtungen und ihrer Aufgaben, die sie erfüllen möchten. Demografisch wirken sich vor allem die Alterung durch den Überschuss an Sterbefällen sowie die Stagnation der Geburtenzahlen auf die Mitgliederzahl der Volkskirchen aus. Das spielt derzeit auch in Sachsens evangelischer Kirche eine wesentliche Rolle: Zwar wachsen Gemeinden in den beiden Großstädten Leipzig und Dresden – das kann aber den Schwund an Gemeindemitgliedern im ländlichen Raum nicht aufhalten.

Von 1,168 Millionen hat sich die Mitgliederzahl der Evangelischen Kirche in Sachsen seit 1992 auf 841.166 verringert, die der Katholischen Kirche von 189.449 auf 147.910. Da sind die Zahlen von 2010. Das Statistische Landeamt hat die Kirchen bei Kultureinrichtungen mit einsortiert. Wenn man Kultur als allumfassende Gestalt unserer Gesellschaft nimmt, stimmt das auch. Aber im üblichen Sinn des Kulturbegriffs stimmt es hier nicht. Denn selbst wenn die Kirche nur ihre seelsorgerische und Gemeindearbeit abdecken würde, würde das ein wesentlicher Teil des sächsischen Sozialwesens sein. Immerhin bekennen sich auch im Jahr 2010 noch 23,9 Prozent der Sachsen zu einer der beiden großen Kirchen, die damit auch soziale Netzwerkarbeit leistet.
Aber darüber hinaus unterhalten die Kirchen auch wesentliche Hilfswerke – von der Altenbetreuung über die Behindertenpflege bis hin zur Unterhaltung von Kindertageseinrichtungen.

Und so definieren die Teilnehmer der Studie auch als ihre Hauptaktivität den Bereich der Seelsorge sowie die Bereiche Bildung und Jugendarbeit. Neben der administrativen, institutionellen und rechtlichen Organisation kirchlicher Einrichtungen sind für die demografischen und finanziellen Aspekte der Aufgabenwahrnehmung gleichfalls das Aufgabenspektrum und die dafür unterhaltenen Einrichtungen relevant.

Über ein Drittel der antwortenden Institutionen betreiben keine eigenen Einrichtungen. Hier liegt die Vermutung nahe, dass es sich dabei um kleinere Ordensgemeinschaften mit eher älteren Mitgliedern handelt.

Mehr als drei Viertel der befragten Institutionen aber geben an, dass der demografische Wandel auch finanzielle Auswirkungen auf ihre Institution hat. Dabei werden diese Auswirkungen mit großer Mehrheit negativ gesehen. Lediglich die kirchlichen Gebietskörperschaften schätzen die finanziellen Auswirkungen zwar als eher negativ, folglich jedoch etwas besser ein.

Von 2005 bis 2008 stieg das Kirchensteueraufkommen deutschlandweit sogar von 7,6 auf 9,6 Milliarden Euro – seitdem aber fällt es, erreichte 2010 noch 9,1 Milliarden Euro.

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Um die Finanzierung der kirchlichen Institutionen und damit eine adäquate Erfüllung ihrer kirchlichen Aufgaben zu gewährleisten, wird ein Teil der Finanzierung auch über Anlagen am Kapitalmarkt sichergestellt werden müssen, glauben einige der Befragten. Sie bewegen sich dabei im Spannungsverhältnis zwischen Sicherheit, Rentabilität, Bewahrung der Schöpfung und Nachhaltigkeit.

Einerseits spielen Eigenschaften wie Seriosität, Kompetenz und Zuverlässigkeit in den Finanzbeziehungen eine gewichtige Rolle, aber auch die auf Geschäftsprozesse bzw. Produkte bezogenen Eigenschaften Kosteneffizienz, Transparenz und persönliche Beratung seien bedeutend.

Womit die Befrager selbst in Zwiespalt gerieten: Kann man den caritative Einrichtungen nach den Maßstäben des freien Marktes bewerten? Geht es da nicht eigentlich um andere Dinge?

So ist ein nicht unwichtiges Ergebnis der Studie auch: Der Innovationsgrad von Produkten ist kaum von Bedeutung. Gerade bei Finanzprodukten und dr eigenen Bank – da seien persönliche Kontakte, ein entsprechendes Vertrauensverhältnis und seriöse Produkte maßgebliche Kriterien in Bezug auf die eigene Bank. Bei den Anlagekodizes stünden ethisch-soziale Kriterien im Vordergrund. Etwa gleichbedeutend sei die Sicherheit der Anlage allgemein, aber auch eine Mindestrentabilität soll gegeben sein.
Die Studie als PDF zum download.


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