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Legida & Pegida: Leipziger Religionswissenschaftler zum Positionspapier

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    Das Religionswissenschaftliche Institut der Universität Leipzig hat lange zugeschaut, die Positionen bezüglich der religiös ausgerichteten Forderungen der Demonstranten in Dresden und nun auch die Positionierung der Leipziger Bündnisses "Legida" beobachtet. Das Urteil ist aus religionswissenschaftlicher Sicht verheerend. Die Wissenschaftler um Prof. Dr. Christoph Kleine (Geschäftsführender Direktor) attestieren der Bewegung Abwertungen anderer Menschen, eindeutig islam- bzw. muslimenfeindliche Haltungen und auch Antisemitismus. Mit den gerade in Leipzig noch stärker betonten Begriffen wie "Kriegsschuldkult", "Lügenpresse" oder "Volksverräter" finde Legida überdies einen rhetorischen Anschluss an bekannte (Neo-)Nazi-Propaganda.

    Wissenschaft hat den Vorteil gegenüber Politik und Polemik, die Einschätzungen belegen zu müssen, logische Herleitungen zu versuchen und sich auch gegen fasch gesetzte Begriffe zu wehren. Arbeitet sie exakt und vorurteilsfrei, wird sie so ein steter Quell eben der Aufklärung, welche die Leipziger Religionswissenschaftler der PEGIDA-Legida-Bewegung rundweg absprechen. So heißt es gleich zum Einstieg der Einschätzungen Prof. Dr. Christoph Kleine, Junior Prof. Dr. Sebastian Schüler und Florian Illerhaus (Student): „In den letzten Wochen nahm die Berichterstattung über die Dresdner Gruppe PEGIDA (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) einen breiten Raum in der medialen Berichterstattung ein. Oftmals wurde PEGIDA dabei aber fälschlich als `islamkritisch` bezeichnet.“

    Eindeutig „islam- bzw. muslim_innenfeindliche Gruppen“

    Was die Wissenschaftler bereits hieran stört: „Eine sachlich-kritische Auseinandersetzung mit Aspekten der islamischen Traditionenvielfalt ist selbstverständlicher Teil legitimer Religionskritik, genau wie sie auch an anderen Religionen geübt wird. PEGIDA jedoch formuliert undifferenzierte und unsachliche, auch falsche und verleumderische Behauptungen wie, der Dresdner Christstollen solle auf „islamischen“ Druck abgeschafft oder Weihnachtsmärkte in Wintermärkte umbenannt werden. Diese Aussagen haben mit vernünftiger Islamkritik, im Sinne von Religionskritik, die sich an Sachlichkeit und den Zielen der Aufklärung orientiert, nichts zu tun.“

    Vielmehr dienten solche völlig haltlosen Unterstellungen dazu, Ängste und Vorurteile gegenüber muslimischen Menschen zu schüren und letztlich Muslime ausgrenzen. „PEGIDA und der lokale Ableger LEGIDA in Leipzig sind daher eindeutig als islam- bzw. muslim_innenfeindliche Gruppen zu bezeichnen.“ so das erste Fazit der Positionierung. Dass sich diese Grundrichtung bereits im Namen zeige und mit dem Kampfbegriff der „Islamisierung“ eine „islamfeindliche Verschwörungsvorstellung einer gezielten Unterwanderung `unserer` Gesellschaft durch `die Anderen`“, eine als homogen und unveränderlich vorgestellte Gruppe der Muslime betrieben wird, steht für Kleine und Kollegen fest. „Diese kulturalistischen bis rassistischen Vorstellungen führen direkt in eine Abwertung der als `fremd` identifizierten Menschen.“

    Auch die Beschneidung der Meinungs- und Religionsfreiheit für Muslime durch Legida-Positionen wie der, dass „insbesondere der islamischen Religion […] jedwede Missionierung“ untersagt werden solle, sind so nicht hinnehmbar. Jede Religion dürfe um Zustimmung werben. Die „Vereinnahmung einer „christlich-jüdischen Kultur“, die „uns von den anderen Kulturen“ unterscheide“, sei „nicht nur geschichtsvergessen, sondern reine Immunisierungsfassade“, so die Leipziger Wissenschaftler weiter. Und solche Immunisierungen haben es bekanntlich in sich. In der Innenwirkung dienen sie bei Gruppen der eigenen Aufwertung und nach Außen sollen sie ein Bollwerk errichten. Schnell kann daraus ein „Wir gegen die“ werden, wie es auch islamistischen Terroristen eigen ist.
    Eingriff in den Religionsunterricht an Schulen

    Da die Verfasser des Leipziger Legida-Planes auch in die Schulbildung eingreifen wollen, wenn es um Religion geht, stellen Kleine, Schüler und Illerhaus fest, dass durch die Forderung, es solle nur noch „christlichen Religionsgemeinschaften“ das Recht auf die Gestaltung des Religionsunterrichts gewährt werden, auch jüdische Mitmenschen diskriminiert würden. Weiter formulieren sie: „Die von LEGIDA betriebene Agitation gegen das rituelle Schächten im Namen des Tierschutzes ist im Übrigen eine klassisch antisemitische, die in derselben Art auch von Nationalsozialisten betrieben wurde. Mit Begriffen wie `Kriegsschuldkult`, `Lügenpresse` oder `Volksverräter` schließt LEGIDA auch rhetorisch an bekannte (Neo-)Nazi-Propaganda an.“

    Dass islamfeindliche Einstellungen in der Bevölkerung weit verbreitet sind, haben die Langzeituntersuchung „Deutsche Zustände“, sowie die „Mitte-Studien“ gezeigt. Bereits im Konflikt um den Moscheeneubau in Leipzig-Gohlis hat sich diese Islamfeindlichkeit in vielfältiger Weise geäußert, nicht zuletzt im Anschlag auf das Baugelände mit blutigen Schweineköpfen.

    Neu ist bei den Forderungen für die drei Unterzeichner im Namen des Institutes nach Schweinkopfanschlägen auf das Gohliser Baugelände der zukünftigen Ahmadiyya-Moschee und die bekannten Studien zu islamfeindlichen Einstellungen in der Bevölkerung eigentlich wenig. Lediglich zu beobachten sei, „dass diese Vorurteile und Ressentiments nun politisch instrumentalisiert sich mit PEGIDA/LEGIDA auf der Straße in einer Massenbewegung manifestieren und verstetigen sollen.“

    In der Logik der Attentäter von Paris

    Die Einordnung der aktuellen Vorkommnisse in Paris durch die Anhänger dieser Bewegung folgen dabei den gleichen Mustern. „Dem muss man sich entschieden entgegenstellen! Wer Menschen pauschal aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit ausgrenzt und verdächtigt, folgt der gleichen gefährlichen Logik wie die Attentäter von Paris. Sie wollen Probleme nicht lösen, sondern verschärfen und so eine weitere Eskalation bewirken.“

    Für die drei Religionswissenschaftler kann es nach eigener Auskunft deshalb nur ein Aufstehen gegen diese Ziele geben, „wenn Menschen, gleich welcher Religionszugehörigkeit zu Sündenböcken gemacht werden sollen! Wir stehen ein für Toleranz, die Freiheit zu glauben oder nicht zu glauben, für freie Forschung und Lehre sowie gleiche Rechte für alle Menschen! Wir wollen eine freie Gesellschaft, und es liegt in unser aller Verantwortung, uns für dieses Ziel aktiv einzusetzen. Das Religionswissenschaftliche Institut solidarisiert sich daher mit dem Aufruf der Leitung unserer Universität Leipzig, die Proteste gegen PEGIDA und LEGIDA am 12.01.2015 zu unterstützen.“
    In den letzten Wochen nahm die Berichterstattung über die Dresdner Gruppe PEGIDA (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) einen breiten Raum in der medialen Berichterstattung ein. Oftmals wurde PEGIDA dabei aber fälschlich als „islamkritisch“ bezeichnet.

    Eine sachlich-kritische Auseinandersetzung mit Aspekten der islamischen Traditionenvielfalt ist selbstverständlicher Teil legitimer Religionskritik, genau wie sie auch an anderen Religionen geübt wird. PEGIDA jedoch formuliert undifferenzierte und unsachliche, auch falsche und verleumderische Behauptungen wie, der Dresdner Christstollen solle auf „islamischen“ Druck abgeschafft oder Weihnachtsmärkte in Wintermärkte umbenannt werden. Diese Aussagen haben mit vernünftiger Islamkritik, im Sinne von Religionskritik, die sich an Sachlichkeit und den Zielen der Aufklärung orientiert, nichts zu tun. Solche – völlig haltlosen – Unterstellungen sollen dagegen Ängste und Vorurteile gegenüber muslimischen Menschen schüren und Muslim_innen in der Konsequenz ausgrenzen. PEGIDA und der lokale Ableger LEGIDA in Leipzig sind daher eindeutig als islam- bzw. muslim_innenfeindliche Gruppen zu bezeichnen.

    Bereits im Namen zeigt sich dies, denn mit dem Kampfbegriff „Islamisierung“ bedienen PEGIDA/LEGIDA die islamfeindliche Verschwörungsvorstellung einer gezielten Unterwanderung „unserer“ Gesellschaft durch „die Anderen“, eine als homogen und unveränderlich vorgestellte Gruppe: „Die Muslim_innen“. Diese kulturalistischen bis rassistischen Vorstellungen führen direkt in eine Abwertung der als „fremd“ identifizierten Menschen.

    Die Leipziger Gruppe LEGIDA kämpft folgerichtig für die Ungleichbehandlung von Menschen einzig aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit. So formulierte LEGIDA in einem „Positionspapier“ mehrere „Maßnahmen“ zu Änderungen des Grundgesetzes, unter anderem solle „insbesondere der islamischen Religion […] jedwede Missionierung“ untersagt werden. Muslim_innen soll also das Werben für ihren Glauben, damit das aktive Ausüben ihrer Meinungs- und Religionsfreiheit untersagt werden. In dem Papier kommt ebenfalls klar zum Ausdruck, dass die Vereinnahmung einer „christlich-jüdischen Kultur“, die „uns von den anderen Kulturen“ unterscheide, nicht nur geschichtsvergessen, sondern reine Immunisierungsfassade ist. Die Verfasser_innen wollen auch jüdische Menschen diskriminieren, denn es soll nach LEGIDAs Willen nur noch den „christlichen Religionsgemeinschaften“ das Recht auf die Gestaltung des Religionsunterrichts an Schulen gewährt sein.

    Die von LEGIDA betriebene Agitation gegen das rituelle Schächten im Namen des Tierschutzes ist im Übrigen eine klassisch antisemitische, die in derselben Art auch von Nationalsozialisten betrieben wurde. Mit Begriffen wie „Kriegsschuldkult“, „Lügenpresse“ oder „Volksverräter“ schließt LEGIDA auch rhetorisch an bekannte (Neo-)Nazi-Propaganda an.

    Dass islamfeindliche Einstellungen in der Bevölkerung weit verbreitet sind, haben die Langzeituntersuchung „Deutsche Zustände“, sowie die „Mitte-Studien“ gezeigt. Bereits im Konflikt um den Moscheeneubau in Leipzig-Gohlis hat sich diese Islamfeindlichkeit in vielfältiger Weise geäußert, nicht zuletzt im Anschlag auf das Baugelände mit blutigen Schweineköpfen. Neu ist lediglich, dass diese Vorurteile und Ressentiments nun politisch instrumentalisiert sich mit PEGIDA/LEGIDA auf der Straße in einer Massenbewegung manifestieren und verstetigen sollen.

    Nun wollen PEGIDA/LEGIDA den Terroranschlag in Paris für ihre antimuslimische Hetze instrumentalisieren. Dem muss man sich entschieden entgegenstellen! Wer Menschen pauschal aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit ausgrenzt und verdächtigt, folgt der gleichen gefährlichen Logik wie die Attentäter von Paris. Sie wollen Probleme nicht lösen, sondern verschärfen und so eine weitere Eskalation bewirken. Diskriminierungen und Menschenfeindlichkeit sollen in Leipzig keinen Raum haben!

    Gerade wir als Religionsiwssenschaftler_innen sehen uns in der gesellschaftlichen Pflicht aufzustehen, wenn Menschen, gleich welcher Religionszugehörigkeit zu Sündenböcken gemacht werden sollen! Wir stehen ein für Toleranz, die Freiheit zu glauben oder nicht zu glauben, für freie Forschung und Lehre sowie gleiche Rechte für alle Menschen! Wir wollen eine freie Gesellschaft, und es liegt in unser aller Verantwortung, uns für dieses Ziel aktiv einzusetzen. Das Religionswissenschaftliche Institut solidarisiert sich daher mit dem Aufruf der Leitung unserer Universität Leipzig, die Proteste gegen PEGIDA und LEGIDA am 12.01.2015 zu unterstützen.

    Prof. Dr. Christoph Kleine (Geschäftsführender Direktor des Religionswissenschaftlichen Instituts)
    JProf. Dr. Sebastian Schüler (Religionswissenschaftliches Institut)
    Florian Illerhaus (Student)

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