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Tanners Interview mit der Keramikerin Juliane Kruse

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    Ganz unverständlich wird die Kommunikation mit Menschen, die immer und jedes Mal mit dem Spruch aufwarten: Ich kann da ja sowieso nichts ändern! - Obwohl doch jedermensch Herr oder Herrin seiner oder ihrer eigenen Entscheidungen ist. So gibt es kein Gesetz, dauernd kaputtbaren DiscounterKlimbim zwanghaft zu kaufen, der dann immer wieder nachgekauft werden muss, wenn doch gleich daneben Haltbares zu erstehen ist. Warum Industrietassen so schnell futsch gehen und warum Handwerk sinnvoll ist, erklärte Juliane Kruse dem Tanner ins Notizbuch.

    Hallo Juliane Kruse. Schön, Dich zu treffen. Ich mag ja Keramik, hab selber als Anlagentechniker in den Klinker- & Ziegelwerken Großräschen gelernt und dort das Töpfern in der Ausbildung gehabt. Wie bist Du zum Ton gekommen?

    Als ich Kind war, habe ich sehr viel Zeit mit Malen und Basteln verbracht. Alles, was man mit seinen Händen herstellen kann, hat mich fasziniert. Doch was genau ich als Erwachsene für einen Beruf haben werde, darüber hatte ich als Kind nicht nachgedacht. In der Schule war Kunstunterricht für mich natürlich das Schönste. Doch so was wird in Schulen ja leider nicht richtig gefördert und auch nicht ernst genommen. Zumindest nicht auf den regulären Gymnasien und Realschulen. Was ich sehr schade finde. Als Jugendliche besuchte ich Zeichenkurse und auch einen Töpferkurs. Doch für mich war es damals immer nur ein Hobby. Ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas wie eine Ausbildung zur Keramikerin gibt.

    Mit achtzehn Jahren fing ich eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin an. Die Auswahl an freien Lehrstellen war nicht sehr groß. Und im kunsthandwerklichen Bereich gibt es ja so gut wie nichts. Ich merkte relativ schnell, dass der Beruf im medizinischen Bereich nicht das Richtige für mich war. Ich brach also ab. Danach versuchte ich etwas zu finden, was zu mir passt. Etwas Kreatives. Ich hatte damals aber wenig Hoffnung. Doch durch Zufall entdeckte ich die Seite der Töpferei, in der ich später meine Ausbildung begann. Erst dann erfuhr ich, dass es eine Ausbildung zum staatlich geprüften Scheibenkeramiker gibt. Ich rief dort an und nur wenige Tage später begann ich dort mein Praktikum. Tja, und es hat gepasst. Ich blieb und es war genau richtig für mich. Ich hatte großes Glück, weil viele Ausbildungsplätze in dem Bereich gibt es leider nicht und viele wissen nicht, dass man so etwas auch professionell lernen kann. Wir waren auch nur acht Leute in der Berufsschulklasse.

    Das ist ja Handwerk, was Du da machst. Hat das noch goldenen Boden?

    Reich wird man mit diesem Beruf nicht. Die Industrie ist da einfach billiger und schneller. Aber nicht so einzigartig und nicht so besonders und nicht so authentisch. Es gibt immer Leute, die Handwerk wollen und zu schätzen wissen. Wer zu mir kommt und eine handgearbeitete Tasse kauft, der kommt bewusst und nicht durch Zufall. Solche Leute wollen einfach noch etwas Natürliches, etwas Authentisches, sie wollen sehen, welche Hände die Tasse gedreht haben. Ich hoffe einfach dass der Trend wieder mehr in diese Richtung geht. Auch wenn es schwer ist, mit dem Handwerk zu überleben, bin ich zuversichtlich!

    Kannst Du ein bisschen erzählen, was Du genau herstellst? Keramik kann ja alles sein, selbst riesige, dicke Rohre sind Keramik. Du machst aber andere Dinge, nicht wahr?

    Ich stelle dekorative Gebrauchskeramik her. Neben Tassen und Bechern habe ich auch Zuckerdosen, Sahnekännchen, Teller, Schalen, Schüsseln, Lichter usw. im Angebot. Ich biete aber auch Kleinigkeiten an, wie Ohrstecker oder Seifenschalen. Ab und zu, wenn ich die Zeit finde, stelle ich auch Fingerringe aus Ton her. Regelmäßig versuche ich, mir auch mal etwas Neues einfallen zu lassen. Ich versuche immer traditionelles Handwerk und Moderne miteinander zu verbinden. Mein Geschirr ist angenehm leicht und schlicht. Es passt eigentlich überall rein. Besonders schön finde ich, dass auch so viele junge Leute bei mir kaufen. Denn ein handgearbeitetes Geschirr muss nicht altbacken und klobig sein. Es lässt sich wunderbar in die heutige Zeit integrieren. Die blau-grün-tönige Glasur kommt auch bei den meisten gut an. Nicht zu aufdringlich und trotzdem was Besonderes. Da die Farben ineinander übergehen, ist jede Tasse auch ein wenig anders und trotzdem passt alles zusammen.

    Wie verkaufst Du? Hast Du einen Laden? Im Netz gibt es ja auch einen Marktkalender von Dir? Und Dawanda? Etsy? Erhelle uns!

    Hauptsächlich konzentriere ich mich auf Kunsthandwerker- und Töpfermärkte. Dort habe ich bis jetzt den größten Erfolg erzielt. Ich habe aber auch einen Dawanda-Shop. Es kostet allerdings viel Zeit, dort regelmäßig die neuen Produkte einzustellen und jeden Tag auf die Seite zu schauen. Die Märkte auf denen ich vertreten bin, findet man auf meiner Internetseite: www.keramik-kruse.de. Wer außerhalb der Marktzeiten bei mir etwas erwerben möchte, kann mich jederzeit kontaktieren und sich in meiner Werkstatt umschauen. Einen Laden habe ich aber nicht.

    Auf Deiner Homepage steht: „Mein hochgebranntes Steinzeug-Geschirr ist geschirrspülfest und hitzebeständig.“ Was ist denn dieses „hochgebrannt“? Der Laie denkt da ja an den Branntwein an sich, liegt aber da falsch. Lüfte doch mal bitte das Laken.

    Mit Branntwein oder Branntweinessig hat das natürlich nichts zu tun. Ich brenne mein Geschirr bei 1150-1170 Grad Celsius. Durch die hohen Temperaturen wird der Ton vollkommen dicht. Flüssigkeiten können nicht eindringen. Die Glasur dient nur zum Schmuck und die Tasse fühlt sich angenehm glatt an. Gleichzeitig sind meine handgearbeiteten Stücke auch sehr stabil und für den Ofen sowie für den Geschirrspüler geeignet. Anders handhabt es die Massenproduktion. Die Industrie brennt das Geschirr niedriger. Das hat zur Folge, dass der Ton nicht dicht wird. Die Industrietasse wird durch die Glasur abgedichtet. Doch das zieht viele Nachteile mit sich. Durch heiße und kalte Flüssigkeiten dehnt sich die Glasur aus und zieht sich wieder zusammen. Irgendwann reißt sie und Flüssigkeiten können in die Tasse, in den Ton einziehen. Es bildet sich Schimmel. Das erkennt man dann an den dunklen Linien (Rissen), die irgendwann in der Industrietasse zu sehen sind. Benutzt man die Tasse weiter, trinkt man jedes Mal Schimmel mit. Auf die Dauer ist das nicht gesund und natürlich auch ganz schön ekelig. Die Industrie stellt niedrig gebranntes Geschirr her. Das nennt man Steingut. Der Töpfer stellt hochgebranntes Geschirr her: Steinzeug. Ein lustiger doch wahrer Spruch: Steingut ist Zeug und Steinzeug ist gut.

    Ist der Name Kruse eigentlich echt oder ein Künstlerinnenname? Es gibt ja auch Käthe Kruse zum Beispiel beim Thema Puppen.

    Mit Käthe Kruse habe ich nichts zu tun. J. Kruse ist mein richtiger Name.

    Danke Juliane – und weiterhin viel Freude bei Deiner Arbeit.

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